Review
Wenn heutzutage von Actionfilmen gesprochen wird, fällt neben MISSION: IMPOSSIBLE der Name JOHN WICK zwangsweise automatisch. Kaum ein anderes Franchise hat das Actionkino in Hollywood die letzten Jahre so sehr prägen können wie der gnadenlose Mörder, welcher von David Leitch und Chad Stahelski geschaffen wurde. Doch wie hat das Franchise angefangen und ist der erste Teil wirklich so gut, wie immer behauptet wird, oder lebt dieser als Mythos durch die nachfolgenden Filme?
John Wick (Keanu Reeves) trauert um seine kürzlich verstorbene Frau Helen (Bridget Moynahan), hat dank dieser aber noch die kleine Welpin Daisy, welche ihm Halt gibt. Doch die Freude hält nicht ewig, denn der Hund wird von Ganoven getötet, welche Johns geliebtes Auto stehlen wollen. Damit wecken diese jedoch eine Naturgewalt: denn John Wick war einst der beste Auftragsmörder der Branche. Als auch noch herauskommt, dass der Weg zu seinem ehemaligen Boss Viggo Tarasof (Michael Nyqvist) führt, reißen alle Stricke.
Der Bruch
Als JOHN WICK 2014 erschien, war das wie ein Erdbeben in der westlichen Filmwelt. Zwar gab es MISSION: IMPOSSIBLE und kurz danach erschien MAD MAX: FURY ROAD, aber was Shootout-Action angeht, ist das Publikum aus Hollywood Filme wie die BOURNE-Reihe mit Matt Damon und schnellen Schnitten oder die TAKEN-Reihe, in der Liam Neeson seine Familie vor den bösen Europäern retten muss, gewohnt.
All das trifft aber auf JOHN WICK nicht zu. Der Film ist knallhart und überzeugt mit einer ruhigen Kamera sowie so wenig Schnitten wie möglich. Statt Hollywoods gewohnten Schnittmassaker gibt es gezielte Choreographien, welche das Wort Actionballett salonfähig gemacht haben. Was heute wie eine Selbstverständlichkeit wirkt, war vor JOHN WICK in Amerikas Traumfabrik fast schon Neuland.
JOHN WICK überzeugt hierbei auch mit kreativen Spielerein, welche vorher nicht oft gesehen wurden. Besonders auffällig ist die Kombination von Kung-Fu mit Waffen, welche schnell unter dem Begriff Gun-Fu bekannt wurde. Fast schon hypnotisch kämpft sich Keanu Reeves, welcher diverse Kampftrainings bekam, durch die Wellen an Gegnern. Um den kreativen Weg zu behalten, wird an einer Stelle das Gun-Fu sogar noch mit einem Auto kombiniert.
Party trifft auf Schusswechsel
Ein weiterer Pluspunkt von JOHN WICK ist der grandiose Soundtrack von Tyler Bates und Joel J. Richard. Die beiden Kollegen setzen mit einem Mix aus ruhigen Klängen sowie Technoähnlichen-Einlagen den perfekten musikalischen Tenor für die Rächerstory. Da wundert es nicht, dass Fans gerade diesen loben und die Vinylverkäufe vom Soundtrack überraschend gut waren. Der Film setzte damit auch automatisch den Tenor für die Nachfolger, wobei diese noch die kreative Idee hatten, Vivaldis vier Jahreszeiten in einem Techno-Remix in den Soundtrack einzuarbeiten.
JOHN WICK vs. seine Nachfolger
Im Vergleich mit seinen Nachfolgern ist JOHN WICK ein erfrischendes Erlebnis. So gut, wie die gesamte Reihe ist und JOHN WICK: KAPITEL 4 im brachial unterhaltsamen Actionfinale enden konnte, umso repetitiver konnten diese Filme wirken, da wirklich jeder einen schusssicheren Anzug hatte. In JOHN WICK gab es diese neumodischen Gadgets nicht, weshalb Deckung und eine gute Verteidigung essentiell waren. Das Geschehen wirkte dadurch konsequenter.
Und auch, wenn das Franchise aufeinander aufbaut und die Welt von Film zu Film mehr Tiefe bekommt, fühlt sich die Story von JOHN WICK am greifbarsten an. Das ist keine Kritik an den grandiosen Nachfolgern. Aber der Verlust der Ehefrau, das gestohlene Auto, der tote Hund und die Freundschaft zu Willem Dafoes Charakter sind alle Teil dieses Films. Die Motivation und Wut von Jonathan sind noch frisch.
Hinzu kommt, dass JOHN WICK wie der ähnlich alte MAD MAX: FURY ROAD zu der Sorte Film gehört, die zur erneuten Sichtung einladen. Denn die Welt des Films wächst von Sichtung zu Sichtung mehr. Die Rezipienten verstehen die Regeln, den Mythos sowie das Konzept der weit verzweigten Unterwelt mit jedem Mal besser. Es wird sich in die Lore eingelernt und JOHN WICK hat Hunger auf mehr gemacht.
Fazit
Ich habe JOHN WICK durch Zufall 2015 entdeckt und mich sofort in die Welt verliebt. Umso schöner ist es, dass es jetzt die Chance gab, den Film das erste Mal im Kino erleben zu dürfen. Die Action wirkte noch einmal wuchtiger und obwohl JOHN WICK gerade erst 12 Jahre alt ist, hat diese Sichtung nostalgische Gefühle ausgelöst und das Verlangen geweckt, die ganze Reihe erneut zu sichten. JOHN WICK bleibt damit eine klare Empfehlung für alle Actionfans.
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| Originaltitel | John Wick |
| Kinostart | 22.10.2014 |
| Länge: | 101 minuten |
| Produktionsland | United States of America |
| Genre: | Action | Thriller |
| Regie | Chad Stahelski |
| Executive Producer | Mike Upton | Tara Finegan | Kevin Scott Frakes | Andrew C. Robinson | Jared Underwood | Stephen Hamel | Raj Brinder Singh | Keanu Reeves | Erica Lee | Sam X. Eyde | Giuseppe Vincenti | Darren Blumenthal | Peter Lawson |
| Producer | Basil Iwanyk | Mike Witherill | David Leitch | Eva Longoria | Doug Monticciolo | Jamie Wing | Noel Lohr |
| Kamera | Jonathan Sela |
| Visual Effects | Jake Braver | Jeff Campbell |
| Musik | Tyler Bates | Joel J. Richard |
| Cast | Keanu Reeves, Michael Nyqvist, Alfie Allen, Willem Dafoe, Dean Winters, Adrianne Palicki, Omer Barnea, Toby Leonard Moore, Daniel Bernhardt, Bridget Moynahan, John Leguizamo, Ian McShane, Bridget Regan, Lance Reddick, Keith Jardine, Tait Fletcher, Kazy Tauginas, Alexander Frekey, Thomas Sadoski, Randall Duk Kim |
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