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Afterwater

Afterwater ©Flaneur Films

Mit AFTERWATER präsentiert uns der aus Bosnien und Herzegowina stammende Regisseur Dane Komljen seinen bereits vierten Langfilm. Doch dies stimmt nur mehr oder weniger denn sowohl bei OKTOBAR als auch bei 24H EUROPE: THE NEXT GENERATION war er nur ein Teil eines größeren Regieteams. Letzter ist sogar nur ansatzweise als Film zu bezeichnen, da es sich im Prinzip um eine 24-stündige Fernsehdokumentation handelt, die in Echtzeit vom Alltag von 67 verschiedenen Menschen handelt. Ein Mammutprojekt, welches 2019 durch Arte, rbb, SWR und BR/ARD-Alpha realisiert wurde. Volker Heise, der die Idee dazu lieferte, hat bereits an drei weiteren Projekten dieser Art gearbeitet. So sind zuvor bereits 24H BERLIN – EIN TAG IM LEBEN, 24H JERUSALEM und 24h BAYERN – EIN TAG HEIMAT entstanden.

Für AFTERWATER hat Komljen mit einem recht kleinen Team gearbeitet und setzte auf Schauspielnewcomer. Produzentin war unter anderem Zsuzsanna Kiràly, die 2016 an der Entwicklung von TONI ERDMANN sowie zuletzt an LE PRINCE beteiligt war. Auch Natasa Damnjanovic hat als Produzentin mitgewirkt, die mit Dane Komljen bereits den Film SVI SEVERNI GRADOVI im Jahr 2016 veröffentlichte. Zudem hat sie bereits bei einem früheren Berlinale Film mitproduziert und 2019 das Werk ICH WAR ZUHAUSE, ABER… auf der 69. Berlinale uraufgeführt.

Darum geht es…

Dane Komljen präsentiert uns einen Experimentalfilm, der sich irgendwo zwischen Kunst, Tanz und Natur bewegt. Es gibt zwei wesentliche Personen, die den Film dominieren und einen Tag an einem See mitten im Waldgebiet verbringen.

Rezension

Eigentlich ist jede Mühe für eine umfangreiche Filmbesprechung von AFTERWATER sowohl verschwendete Lebensmühe als auch ein enttäuschendes Trauerspiel. Es ist fast schon beleidigend, was uns hier wieder einmal als Film verkauft wird. Nicht umsonst verweist mein Einführungstext schon recht deutlich auf Produzentin Natasa Damnjanovic, die am Angela Schanelec-Film ICH WAR ZUHAUSE, ABER… beteiligt war. Schon dieser Kunstfilm war einfach ein perfides Spiel mit dem Publikum, bei dem es im Prinzip nur darum ging, dieses sowohl verstört als auch perplex und geistesleer zurückzulassen. AFTERWATER knüpft hier nahtlos an und präsentiert uns eine Absurdität von Film, die selbst für die Definition Kunstfilm nicht mehr ausreichend Argumente finden dürfte.

Afterwater

Afterwater ©Flaneur Films

Das ganze Werk besitzt im Prinzip keinen Inhalt, obwohl es uns sogar anfangs noch versucht, mit einer gewissen Idee zu ködern. Die einführenden Minuten wirken schon sehr wie ein Arzi-Fazi-Streifen, doch scheint hier zumindest noch der Anspruch dagewesen zu sein, eine Einführung der Protagonisten zu schaffen und ihnen einen sinnvollen Hintergrund zu verpassen, der sie an den letztendlichen Hauptspielort führen würde. Bis zu diesem Zeitpunkt suggeriert uns dieses filmische Etwas die Hoffnung, hier einen annehmbaren Film zu sehen. Doch ab der inhaltlichen Ankunft in der freien Natur ist zu keinem Zeitpunkt mehr klar, was uns der Regisseur eigentlich mitteilen möchte. Alles geschieht nur noch willkürlich. Wir sehen Menschen beim Urinieren zu, erleben sie beim Nackttreiben auf dem Wasser und beobachten sie beim Kuscheln am Ufer oder einfach nur beim Atmen. Vollkommen willkürlich scheinen es zudem immer mehr Menschen zu werden, obwohl man sich scheinbar am abgelegensten Ort Deutschlands befindet.

Die vergebliche Suche nach dem Sinn

Gedreht wurde das Ganze am Großen Stechlinsee, der sich relativ zentral zwischen Berlin und Neubrandenburg mitten im Nirgendwo befindet. Der nächstgelegene Ort Neuglobsow zählte 2011 gerade einmal 265 Einwohner – mutmaßlich sind dies mittlerweile einige weniger. Tatsächlich bietet die Natur von sich aus auch schon einige fantastische Bilder, so dass nicht einmal geleugnet werden kann, dass AFTERWATER einige wirklich gelungene Umweltaufnahmen enthält. Dennoch kann von einem Naturfilm bei weitem noch nicht die Rede sein.

Afterwater

Afterwater ©Flaneur Films

Trotz deutscher Produktion ist der Film in englischer Sprache gefilmt wurden, was wohl an dem internationalen Filmteam liegt. Gleichzeitig ist dies jedoch relativ unrelevant, weil es kaum Text gibt, den wir zu hören bekommen. Die wenigen Passagen beschränken sich zudem auf Buchzitate und sind weit weg von einem Dia- oder Monolog. Das schlimmste daran ist, dass die Textinhalte nicht einmal einen Bezug zum visuellen Geschehen haben, sondern einfach vollkommen willkürlich eingestreut werden. Tatsächlich scheint die ganze Produktion nicht auf irgendeine Struktur zu setzen, sondern einfach nur ein Gefühl erlebbar machen zu wollen. Welches wird dabei jedoch nicht wirklich klar. Deutlich erkennbar ist jedoch, dass eine Sichtung dieses Streifens ganz gut wirken könnte, nachdem das Publikum sich umfänglich mit berauschenden Mitteln vollgepumpt hat, denn in diesem Fall passt sich der persönliche Geisteszustand dem entspannenden Leinwandgeschehen an.

Fazit

Ich könnte tatsächlich noch einige Punkte nennen, die der Katastrophe des Leinwandgeflimmers – denn als Film kann dies nun wirklich nicht mehr bezeichnet werden – noch ein viel deutlicheres Ausmaß verschaffen würde, doch das würde Dir als lesende Person und mir als Schreiber nur noch mehr Lebenszeit kosten, die in diesem Zusammenhang ohnehin schon vergeudet ist. Es bleibt somit nur zu sagen, dass es eine bodenlose Frechheit ist, wie dieses Werk doch tatsächlich mit zunehmender Dreistigkeit versucht, uns aus dem Kino zu jagen – hier scheint es sogar Raum für eine Sozialstudie zu geben mit dem Thema „Wer hält es am längsten aus?“. Da das sogar soweit geht, dass ohnehin schon kleine 4:3 Bild auch noch in der Qualität so schlecht wird, dass man denken könnte, dem Regisseur ist seine gute Kamera zwischenzeitlich ins Wasser gefallen, und er musste auf den Ersatz von 1980 ausweichen, ist leider jeglicher Versuch, einen positiven Aspekt zu finden, hoffnungslos.

Einzig und allein kann wohl nur festgestellt werden, dass AFTERWATER immer noch mehr Qualität zeigt als ICH WAR ZUHAUSE, ABER…, doch ob man sich damit wirklich messen will, sei einmal dahingestellt.

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Dies ist die gefühlte Fortsetzung von ICH WAR ZUHAUSE, ABER…, der bei der 69. Berlinale seine Premiere feierte und es schaffte, als mein persönlich schlechtester Film aller Zeiten eingestuft zu werden. Auch die Produzentin dieses Flops ist bei AFTERWATER wieder mit an Bord. Nun könnte man zynisch behaupten, dass sie dazu gelernt hat, denn schließlich reiht sich der hiesige Film nur auf Platz 2 meiner schlechtesten Filme aller Zeiten ein. Diese Aneinanderreihung von Bildern und Tönen, bei der die Definition von Film zwar zutrifft, aber diese Kategorisierung einfach alle anderen tatsächlichen cineastischen Werke verunglimpfen würde, ist erneut eine Beleidigung auf allen Ebenen. Weder kann dies als Kunstfilm eingeordnet werden, denn dafür steckt zu wenig Experimentierlust darin, noch gäbe es irgendetwas darin, was das Produkt als schaubares Objekt klassifizieren würde. Es ist eigentlich kurios, dass dieser Film überhaupt in Deutschland gezeigt werden darf, wo doch hierzulande körperliche und seelische Folterungen unter Strafe stehen.

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With AFTERWATER, director Dane Komljen, who comes from Bosnia and Herzegovina, presents us with his fourth feature film. But this is only more or less true because with OKTOBAR as well as with 24H EUROPE: THE NEXT GENERATION he was only part of a larger directing team. The latter can even only be rudimentarily called a film, as it is basically a 24-hour television documentary that deals with the everyday lives of 67 different people in real time. A mammoth project that was realised in 2019 by Arte, rbb, SWR and BR/ARD-Alpha. Volker Heise, who came up with the idea, has already worked on three other projects of this kind. Previously, 24H BERLIN – EIN TAG IM LEBEN, 24H JERUSALEM and 24h BAYERN – EIN TAG HEIMAT were produced.

For AFTERWATER Komljen worked with a fairly small team and relied on acting newcomers. Producers included Zsuzsanna Kiràly, who was involved in the development of TONI ERDMANN in 2016 as well as LE PRINCE most recently. Natasa Damnjanovic also participated as a producer, who already released the film SVI SEVERNI GRADOVI with Dane Komljen in 2016. In addition, she has already co-produced a previous Berlinale film and in 2019, the work ICH WAR ZUHAUSE, ABER…. premiered at the 69th Berlinale.

Here’s what it’s all about…

Dane Komljen presents us with an experimental film that moves somewhere between art, dance and nature. There are two essential characters who dominate the film, spending a day at a lake in the middle of a wooded area.

Review

Actually, any effort at a comprehensive film review of AFTERWATER is both wasted effort in life and a disappointing travesty. It is almost insulting what we are once again sold as a film here. It is not for nothing that my introductory text already refers quite clearly to producer Natasa Damnjanovic, who was involved in the Angela Schanelec film ICH WAR ZUHAUSE, ABER…. This art film was already simply a perfidious game with the audience, which in principle was only about leaving them both disturbed and perplexed and mindless. AFTERWATER picks up where it left off and presents us with an absurdity of a film that is unlikely to find sufficient arguments even for the definition of art film.

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The whole work basically has no content, although it even tries to lure us with a certain idea at the beginning. The introductory minutes already seem very much like an Arzi-Fazi flick, but here at least there still seems to have been the ambition to create an introduction of the protagonists and to give them a meaningful background that would lead them to the eventual main location. Up to this point, this cinematic something suggests to us the hope of seeing an acceptable film here. But from the moment the content arrives in the wild, it is no longer clear at any point what the director actually wants to tell us. Everything happens arbitrarily. We watch people urinating, experience them floating naked on the water and observe them cuddling on the shore or simply breathing. Completely arbitrarily, more and more people also seem to appear, although one is apparently in the most remote place in Germany.

The futile search for meaning

The whole thing was filmed at Großer Stechlinsee, which is located relatively centrally between Berlin and Neubrandenburg in the middle of nowhere. The nearest village, Neuglobsow, had just 265 inhabitants in 2011 – presumably there are now a few less. In fact, nature also offers some fantastic images on its own, so it cannot even be denied that AFTERWATER contains some really successful environmental shots. Nevertheless, it is far from being a nature film.

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Despite German production, the film was filmed in English, which is probably due to the international film team. At the same time, however, this is relatively irrelevant because there is hardly any text that we get to hear. The few passages are also limited to book quotes and are far from a slide or monologue. The worst part is that the textual content doesn’t even relate to the visual action, but is just interspersed in a completely random way. In fact, the whole production does not seem to rely on any structure, but simply wants to make a feeling tangible. Which one, however, is not really clear. What is clearly recognisable, however, is that a viewing of this flick could work quite well after the audience has pumped itself full of intoxicating substances, because in this case the personal state of mind adapts to the relaxing on-screen action.

Conclusion

I could indeed name a few more points that would make the catastrophe of screen flickering – because this really can’t be called a film any more – much clearer, but that would only cost you as a reader and me as a writer more of our lives, which are already wasted in this context anyway. So it only remains to say that it is a bottomless impertinence how this work actually tries to chase us out of the cinema with increasing audacity – there even seems to be room here for a social study with the theme “Who can stand it the longest?”. Since this even goes so far as to make the already small 4:3 picture so poor in quality that one could think the director’s good camera had fallen into the water in the meantime and he had to switch to the 1980 replacement, any attempt to find a positive aspect is unfortunately hopeless.

The only thing that can be said is that AFTERWATER still shows more quality than ICH WAR ZUHAUSE, ABER…, but whether one really wants to compete with that remains to be seen.

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Originaltitel Afterwater
Berlinale – Release 12.02.2022
Berlinale – Sektion Forum
Länge ca. 93 Minuten
Produktionsland Deutschland | Südkorea | Spanien | Serbien
Genre Essayfilm
Verleih unbekannt
FSK unbekannt

Regie Dane Komijen
Drehbuch Dane Komijen | James Lattimer
Produzierende Natasa Damnjanovic | Zsuzsanna Kiràly | Montse Triola | Vladimir Vidic
Kamera Jeremy Lou Ziegel
Schnitt Dane Komijen

Besetzung
Jonasz Hapka
Signe Westberg
Ton Gras
Boban Kaludjer
Gorka Martin
Clàudia Robert
Rose-Anabel Beermann
Alice Heyward
Orlando Rodriguez

 

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