FilmkritikFakten + Credits
The Novelist's Film

The Novelist’s Film © Jeonwonsa Film Co. Production

Den Kontrast von Tintenschwärze auf weißem Papier unabweisbar zu eigen gemacht, ist THE NOVELIST’S FILM nicht nur einer der wenigen Wettbewerbsbeiträge in Schwarzweiß-Optik, sondern auch einer mit den wenigstens Schnitten. In einer Handvoll (Zufalls-)Begegnungen folgt das südkoreanische Drama einer Schriftstellerin mit Schreibblockade. Hinter dem Film steht Hong Sang-soo, der vergangenes Jahr den Silbernen Bären für das beste Drehbuch zu seinem Festivalbeitrag INTRODUCTION erhielt und bereits zum sechsten Mal auf der Berlinale zu Gast ist. Bei den 72. Filmfestspielen wurde sein neuester Film nun mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet.

Darum geht es…

In einer Buchhandlung trifft die berühmte Schriftstellerin Jun-hee auf eine ehemalige Kommilitonin, die sie lange nicht mehr gesehen hat. Nur kurze Zeit später begegnet sie einem Regisseur und dessen Frau wieder, welcher einst einen Roman von ihr verfilmen wollte. Als würden die seltsamen Begegnungen nicht enden wollen, kommt sie außerdem mit einer jungen Schauspielerin ins Gespräch und im Zuge dessen auf eine Idee: Sie will einen Film inszenieren und sucht fortan nach Unterstützung …

The Novelist's Film

The Novelist’s Film © Jeonwonsa Film Co. Production

Rezension

Kreisförmig ziehen sich nicht nur einzelne Szenen des Anfangs und des Endes zusammen, auch Dialoge bewegen sich unermüdlich um dieselben Themen, ähneln sich sogar in ihrem wortwörtlichen Aufbau. Häufig sind es Gespräche um Künstler*innen und ihr Bezug zum Kunstwerk, sei es ein Roman, eine Schauspielleistung oder auch ein ganzer Film. Selbst einer Sprachstudentin, die Gebärdensprache lernt und vorführt, wird etwas Kunstvolles verliehen. THE NOVELIST’S FILM spielt selbstreferenziell mit diesen Themen, beschreibt sich in seinen Dialog mehrmals selbst und führt außerdem Gedanken zum modernen Filmemachen und unterschwellig auch zur Rolle des Autorenfilms an.

The Novelist's Film

The Novelist’s Film © Jeonwonsa Film Co. Production

Die Geschichte, so sagt die Hauptfigur in der Mitte des Films über ihr eigenes Filmvorhaben, soll die Entstehung von etwas Echtem nicht verhindern. Dieser Devise selbst folgt Hong Sang-soo in den losen Gesprächen seiner Figuren, die sich mal vor der örtlichen Buchhandlung, mal beim Spazieren im Park oder auch beim Essen von Ramen, grundsätzlich in Alltagssituationen, abspielen. Verfremdet wirkt die Szenerie nur durch die strenge Schwarzweiß-Komposition, die deutliche Kontraste setzt und ganze Hintergründe in weißem Licht versinken lässt. Symbolhaft für die Horizonte, die die Figuren einengen, wird die Umwelt von gleißender Helligkeit sporadisch ausgeblendet und erst in den Schlussminuten greifbarer und sogar mit Farben versehen.

Vollkommen ohne künstlerische Stilisierung kommen hingegen die Schauspieler*innen, allen voran Lee Hye-young als Jun-hee und Kim Min-hee als Gil su, aus, die ihre Dialoge mit bemerkenswerter Authentizität begehen. Unverkrampft wohnt die Kamera den Gesprächen bei, sieht davon ab, sich durch Schnitte und verschiedene Perspektiven einzumischen und ermöglicht trotz der kontrastreichen Bilder eine andauernde Natürlichkeit. Wenngleich der Film gegen Ende einen runden Abschluss seiner Erzählung (wissentlich?) verfehlt durch die Kürze seiner Laufzeit und die Unbeschwertheit seiner Vortragsweise, welche immer wieder von subtilen Humorspitzen durchzogen ist, ist THE NOVELIST’S FILM fraglos einen Blick wert.

Fazit

Obgleich der Film am Ende den Eindruck erweckt, sich selbst einschätzen zu wollen und damit sämtliche Kritiken vorwegzunehmen, hier noch einmal schwarz auf weiß: THE NOVELIST’S FILM ist ein unaufgeregt inszeniertes, durch seine kontrastreichen Schwarzweiß-Bilder hell scheinendes und unverfälscht gespieltes Drama, welches mit seiner streckenweise zirkulären Erzählstruktur, mit seinen Metareferenzen und Überlegungen zur Filmwelt, den monochromen Bildern sowohl kleine Späße als auch Stoff zum Nachdenken entlockt.

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Originaltitel So-seol-ga-ui Yeong-hwa
Berlinale – Release 16.02.2022
Berlinale – Sektion Wettbewerb
Länge ca. 92 Minuten
Produktionsland Südkorea
Genre Drama
Verleih unbekannt
FSK unbekannt

Regie Hong Sang-soo
Drehbuch Hong Sang-soo

Besetzung Rolle
Yunhee Cho Yangjoo
Lee Eun-mi Jaewon
Jo-bong Gi Mansoo
Seong-guk Ha Gyeongwoo
Lee Hye-yeong Jun-hee
Hae-hyo Kwon Hyojin
Kim Min-hee Gil su
Mi-so Park Hyunwoo
Kim Si-Ha Kind
Seo Younghwa

 

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