Review Fakten + Credits


Rezension

aus dem Programm des 41. Dok.fest München

Eigentlich würden mehr Menschen die Insel verlassen, als aus bestimmten Umständen hinzuziehen, sagt ein Busfahrer dem Detektiv, der auf einer Vulkaninsel nach einem Untergetauchten sucht und liefert damit, wie etliche andere Einheimische im Film VAPEUR, mehr Einblicke ins Leben und die Gegenwart auf Sakurajima, als ins Leben und Aufspüren eines Jōhatsu. Anders als in Arata Moris und Andreas Hartmanns gleichnamiger Doku über jene Praxis des geplanten Verschwindens, die 2024 den Hauptpreis des Dok.fests München gewann, ist Suche nach einem Verschwundenen in VAPEUR (wörtlich: Dunst, Dampf) keine Grundlage zur Beobachtung oder Analyse des Phänomens.

Viel mehr ist sie Aufhänger eines kleinskalierten Insel- und Gesellschaftsporträts, in dem der alternde Detektiv mit etlichen Inselbewohner*innen ins Gespräch kommt. Nur wenige können ihm bei seiner Suche wirklich weiterhelfen und doch erschließt sich ihm und der Kamera immer wieder ein Stück des ungewöhnlichen Umfeldes. Ohne intensive Spannungskurve, dafür in meditativen Aufnahmen konstruieren Anush Hamzehian und Vittorio Mortarotti einen Dokumentarfilm aus gesellschaftlichen und ökonomischen Skizzen, Inselerkundung und elegischer Detektivgeschichte.

Ein gelber Bus hält auf der Straße und hat die Fahrertür geöffnet. Ein Mann steht vor dem Bus und spricht mit dem Fahrer.

Vapeur © DOK.fest München

Recherchiert wird in ungezwungenen Gesprächen am Straßenrand, auf dem Feld, am Hafen, die Kamera stets auf sicherer Distanz. Obwohl Goro dabei häufiger im Zentrum steht, als der Fall, der ihn auf die Insel führt, bleibt er über seine Rolle als Detektiv hinaus unnahbar, figurativ. Auch das Leben auf der Insel wird distanziert dokumentiert, am ehesten wird in verwaisten Aufnahmen die Abwesenheit sozialer Räume spürbar. So spektakelfrei die meisten jener Beobachtungen, so groß die Understatements der Dokumentation, die bis zum Ende hin dramatisch aufgeladene Höhe- und Tiefpunkte bewusst umschifft, Emotionen seiner Protagonist*innen aber nie ganz ausklammert.

Fazit

Da, wo mehr Wildschweine als Menschen leben folgen Anush Hamzehian und Vittorio Mortarotti einem Detektiv bei seiner niemals aus der Ruhe zu bringenden Recherchearbeit. Entstanden ist VAPEUR, ein mäandernder Dokumentarfilm, mehr seichtes und mit unaufgeregter Hand gefilmtes Insel- als tiefschürfendes Einzelporträt.

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Originaltitel Vapeur
Kinostart 1.12.2025
Länge: 73 minuten
Produktionsland France
Genre: Dokumentarfilm
Regie Anush Hamzehian | Vittorio Mortarotti
Cast

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