Rezension
aus dem Programm des 2026 Annecy International Animation Film Festival
Herunterhängende Vorhänge, Blumenblüten im Haar und glitzernde Perlen um den Hals sind nur ein paar der Dinge, mit denen sich der titelgebende Julián immer wieder in eine Meerjungfrau verwandelt. Denn von diesen ist der aufgeweckte Junge (Stimme: Knyght Darius Jack), der den Sommer zum ersten Mal seit langer Zeit bei seiner Großmutter (Stimme: Milcania Diaz-Rojas) verbringt, mehr als nur angetan. Mit ähnlich großer Neugier und Entdeckungsfreude, mit der er die Brooklyner Wohnung, das Umfeld seiner Großmutter und auch die magischen Wasserkreaturen erkundet, folgt Regisseurin Louise Bagnall dessen fantasievollen Alltag.
Im Gegensatz zu den vielen schnelllebigen, Oneliner-zentrierten Vertretern des gegenwärtigen Animationskinos drosselt Bagnall das Erzähltempo der kleinen, diversitätssensiblen Geschichte und räumt der Hauptfigur in den sommerlichen Alltagsaufnahmen dafür umso mehr Platz zum Staunen ein: über den ersten Anblick des Ozeans, das von Pflanzen heimelig verwucherte Wohnzimmer, knallbunte Kreidezeichnungen am Boden.
Just be your awesome colorful self
Ähnlich leichtfüßig und selbstbewusst arbeitet die Geschichte gegen Genderstereotype an, stets die Selbstentfaltung und Individualität seines jungen Protagonisten im Mittelpunkt. Loves Geschichte und Bagnalls Umsetzung nehmen den Protagonisten konsequent ernst, begegnen ihm auf Augenhöhe, legen Wert aufs Detail, wie die großen Augen, wenn die Großmutter vor dem Spiegel Lippenstift aufträgt und Julián sie dabei beobachtet. Von klassischen Antagonisten hält sich die Geschichte fern, treibt stattdessen mit beinah lückenlos positiver, neugieriger Energie ein offenes und wertschätzendes Bild von seiner Hauptfigur, kultureller und der Vielfalt von Rollenbildern voran.
Auch wenn äußere, patriarchale Zuschreibungen das einzuengen versuchen, was in Julians bezaubernder Fantasie farbprächtig auseinanderwirbelt, behält sich der Film überwiegend seinen ansteckenden Grundoptimismus. Gefestigt in den liebevollen Animationen, stärkenden, sympathischen Nebenfiguren und auch in der Musik des Films, die die karibischen Wurzeln des Jungen und seiner Familie nicht einfach nur im Hintergrund verarbeitet, sondern der Selbstfindung und Identitätssuche ohne große Worte noch ein wenig mehr Tiefe verleiht.
Neun Jahr nach Bagnalls Mitarbeit an DER BROTVERDIENER und sieben Jahre nach ihrem eigenen oscarnominierten Kurzfilm LATE AFTERNOON ist ihr mit der Umsetzung von „Julian ist eine Meerjungfrau“ ein beharrliches und vor allem vielversprechendes Langfilmdebüt gelungen: Eines, das mit seinen Feelgood- und ernsten Elementen mindestens so wichtig ist, wie in der unaufdringlichen Repräsentation von Vielfalt, die die Figuren verkörpern.
Fazit
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| Originaltitel | Julián |
| Kinostart | 23.6.2026 |
| Länge: | 0 minuten |
| Produktionsland | Canada |
| Genre: | Animation | Familie | Fantasy |
| Regie | Louise Bagnall |
| Executive Producer | Zoe Saldaña | Cisely Saldaña | Mariel Saldaña | David Yates | Yvonne Walcott-Yates | Hannah Goodier | Oisín O'Neill | Gerry Shirren |
| Producer | Charlotte de la Gournerie | Anthony Leo | Paul Young | Thibaut Ruby | Damien Brunner | Lewis Taylor | Tomm Moore | Nora Twomey |
| Musik | La-Nai Gabriel |
| Cast | Knyght Darius Jack, Milcania Diaz-Rojas, Zariah Georgia Ellis, Emma So, Avery Star Pryce Tibayan, Kim Roberts, Stephanie Herrera, Yanna McIntosh, Manuel Rodriguez-Saenz, Naomi Díaz, Lisa-Kaindé Diaz |
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