Review Fakten + Credits


Rezension

aus dem Programm des 41. Dok.fest München

Direkt vor der Haustür von Hirtin Gara und der jungen Nada, zwei Protagonist*innen von Biljana Tutorovs und Petar Glomazićs TO HOLD A MOUNTAIN, erstrecken sich weite Hügel und Täler. Majestätische Teile der Sinjajevina Hochgebirgsebene in Montenegro. Das friedliche Land soll durch das montenegrinische Militär zum NATO-Trainingsgelände umgebaut werden. Der Widerstand dagegen ist ein Gegenstand des vor großer Kulisse eingefangenen Dokumentarfilms. Andere Brocken, die die Protagonist*innen des Films stemmen müssen, sind wesentlich persönlicherer Natur, dadurch aber nicht weniger eingängig.

Nadas leibliche Mutter ist tot, Gara hat die Rolle ihrer Schwester seit einigen Jahren Inne und kümmert sich fürsorglich um das Mädchen. Gemeinsam leben sie abgelegen von einer größeren Stadt, versorgen und hüten sie etliche Tiere und brechen sie bei dichtem Nebel zu Rettungsaktionen auf, wenn sich eines von ihnen verirrt hat. Ihren naturnahen, robusten Alltag begleiten Tutorov und Glomazićs geduldig und trotz eindrucksvoller Kulisse auf intime Art und Weise.

Zwei Personen sitzen eng beieinander. Nahaufnahmen ihrer Gesichter.

To Hold a Mountain © DOK.fest München

Berge (v)ersetzen

In beharrlichen Beobachtungen schneiden sich die Bemühungen des Militärs, das nicht nur aus traditionellen Gründen kostbare Gelände für sich zu beanspruchen, und die eigene Familiengeschichte und zeigen gleichermaßen Auswirkungen auf die Kleinfamilie. Insbesondere ein lang unausgesprochener Teil der Vergangenheit hängt schwermütig über der innigen Ersatzmutter-Tochter-Beziehung, die weiteren Herausforderungen durch Nadas langen Schulweg entgegensieht. Sensationsbefreit beobachtet der Film die mehrschichtigen Konflikte und bindet unaufdringlich persönliche Schilderungen ein.

Einfache Gespräche beleuchten an Stelle von klassischen Interviewsequenzen die gegenwärtigen Lebensumständen sowie zurückliegende Traumata und verzichten darauf, die Auseinandersetzung mit einem und Nachwirkungen eines Femizides künstlich oder reißerisch auszureizen. Wie überwiegende Teile des Films, der ohne Abschweifungen auskommt. Der wichtige Einblicke zulässt, nicht jeden davon vertieft und doch einfühlsam Perspektiven öffnet.

Eine Frau sitzt auf einem hellen Pferd und spricht in ein Megafon. Sie trägt ein weißes Hemd und hat die Haare zum Zopf gebunden. Mehrere Menschen stehen um sie herum und fotografieren oder filmen sie mit ihren Smartphones. Im Hintergrund ist ein Zaun zu sehen, an dem ein handbeschriebenes Transparent mit roter Schrift befestigt ist. Der Himmel ist bewölkt. [erstellt mit KI]

To Hold a Mountain © DOK.fest München

Schon der Titel TO HOLD A MOUNTAIN macht kein Geheimnis aus der Resilienz, die die Protagonist*innen gleich in mehrerlei Hinsicht an den Tag legen. Wie genau und unter welchen Bedingungen sie sich formt und an den vielschichtigen Herausforderungen wächst, zeigt die Doku mit viel Geduld, ernsthaftem Interesse und Einfühlvermögen und bei allen schweren Brocken auch mit Hoffnungsschimmern.

Fazit

Mit klassischen Coming of Age-Einblicken, den im Film häufig von Frauen geführtem Widerstand gegen die militärische Vereinnahmung, den Skizzen eines ökologischen Schutzraumes verbindet sich die intime Familiengeschichte zu einem ruhevollen Doku-Porträt. Bedächtige, schnörkelarme Observationen mit großen Bildern.

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Review Fakten + Credits


Originaltitel Planina
Kinostart 26.1.2026
Länge: 105 minuten
Produktionsland Serbia
Genre: Dokumentarfilm
Regie Biljana Tutorov | Petar Glomazić
Producer Biljana Tutorov | Megan Gelstein | Bianca Oana | Petar Glomazić | Quentin Laurent | Rok Biček | Dijana Cetina Mlađenović | Velisa Popovic
Kamera Eva Kraljević
Cast Mileva Gara Jovanović, Nada Stanišić

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