FilmkritikFakten + Credits

Der Franzose Eric Rohmer zählt mit Filmen wie seinen moralischen Erzählungen DIE BÄCKERIN VON MONCEAU und MEINE NACHT BEI MAUD nicht nur zur den bekanntesten Regisseur*innen der Nouvelle Vague im französischen Film, Zeit seines Lebens war er außerdem als Theaterregisseur, Essayist und Autor tätig. 35 Jahre nach dessen Entstehung widmet sich Regisseurin Rita Azevedo Gomes einem seiner Theaterstücke. Mit der Verfilmung von „Le Trio en mi bemol“, benannt nach der gleichnamigen Komposition Mozarts, ist die Portugiesin zum zweiten Mal in der Berlinale-Sektion Forum vertreten. Ihre Adaption bewegt sich in überschaubarer Kulisse eng an ihrem Ursprung im Theater, kann aber selten ähnliche Bühnenpräsenz wie eine Theatervorstellung erreichen.

Darum geht es…

Über die Jahre hinweg begegnet sich ein Paar immer wieder aus Neue. Eigentlich getrennt lebend, führt es Adelia immer wieder zu Paul, dem sie sich öffnen und von ihren Lieben und Enttäuschungen erzählen kann …

The Kegelstatt Trio

The Kegelstatt Trio ©Basilisco Filmes

Rezension

In sieben Begegnungen erzählt der Film von einem ungleichen Paar im Laufe der Zeit. Sieben Begegnungen, die sich auf den ersten Blick kaum voneinander unterscheiden, mit Ausnahme seicht variierter Handlungsorte. Aber auch sieben Begegnungen, die es dem Publikum erschweren, überhaupt einen zweiten Blick darauf werfen zu wollen. THE KEGELSTATT TRIO ist zäh, schmucklos und deutlich zu lang, darüber hilft nicht mal Mozarts zwischenzeitlich anklingendes Klaviertrio in Es-Dur hinweg.

Die Handlungsorte sind steril und taghell ausgeleuchtet, die Aufeinandertreffen an und in dem modernistischen Strandhaus in Portugal gleich dem Besuch einer kargen Kunstgalerie nur ohne sehenswerte Bilder. Die Kamera führt distanziert durch die Ausstellung, sucht niemals die Nähe zu den Hauptfiguren und verdeutlicht durch mehrheitliche Starrheit den Eindruck einer Theateraufführung. Leider wissen darüber hinaus weder Dialoge noch Darsteller*innen dem Projekt ordentlich Schwung zu verleihen und auch die eingestreuten Metathemen um einen Regisseur, der die Gespräche der beiden Protagonist*innen inszeniert, wollen wenig interessante oder gar spannungsvolle Szenen hervorbringen.

The Kegelstatt Trio

The Kegelstatt Trio ©Basilisco Filmes

THE KEGELSTATT TRIO zeigt eine mühevolle Szenencollage, die sich zwar an stilistischen Ausbrüchen versucht, aber zu selten über den Rand der äußerst tristen Wohnzimmereinrichtung hinausblickt. In über zwei Stunden Laufzeit wird allerhand erzählt, reflektiert und es werden Beziehungen auf den neuesten Stand gebracht, ohne dass dem Gesagten eine Dynamik oder dem emotional Verborgenen eine Bildhaftigkeit verliehen wird. Inszenierung und Schauspiel schleichen vor sich hin, wovon nur die kleinen Intermezzi profitieren, die in all ihrer Kürze wohl die meiste Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Dazwischen stürzen Dialogschwaden auf die Zuschauer*innen ein, denen es in ihrem Ausdruck an Emotionen und notwendiger Energie fehlt. Als würde eine Theaterbühne unter einer Glaskuppel eingeschlossen und sämtliche Gefühle darunter destruiert werden, während das Publikum gezwungen wird, seinen Blick nicht davon abzuwenden.

Fazit

Dieses Theaterstück von Eric Rohmer gehört wohl am ehesten auf die Theaterbühne. Als Film ist THE KEGELSTATT TRIO eine schleppende und zuweilen reizlos in Szene gesetzte Angelegenheit, die ihre eigenen interessanten Stilbrüche mit inflexibler Distanz und schmuckloser Sauberkeit verdrängt. Trotz unverschlossener Darsteller*innen bleiben letztendlich dialogreiche, aber ebenso fade Begegnungen, denen nicht die langen Kameraeinstellungen und auch keine der Film-in-Film-Segmente zu etwas Besonderem verhilft.

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Originaltitel O trio em mi bemol
Berlinale – Release 13.02.2022
Berlinale – Sektion Forum
Länge ca. 127 Minuten
Produktionsland Portugal | Spanien
Genre Drama
Verleih unbekannt
FSK unbekannt

Regie Rita Azevedo Gomes
Drehbuch Rita Azevedo Gomes | Éric Rohmer
Musik Jorge Quintela
Schnitt Rita Azevedo Gomes

Besetzung Rolle
Ado Arrieta
Olivia Cabeza
Rita Durão
Pierre Léon

 

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