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Darum geht es
Es ist das Jahr 2200. Die Menschheit hat sich auf viele Planetenkolonien verteilt und hat sich an ein Leben mit Androiden, welche der Menschheit dienen müssen, gewöhnt. Doch die Hackerin Roberta Williams (Marie Bouvet) will auf der Erde gegen die Versklavung der Maschinen kämpfen, da diese laut ihr aufgrund eines eigenen Bewusstseins eine eigene Seele haben und somit menschlich sind. Genau dieser Fortschritt stört die Eliten, die es sich auf dem mittlerweile idyllischen Mars bequem gemacht haben.

Der Tech-CEO Chris Royjacker (Mathieu Amalric) beauftragt die Privatdetektivin Aline Ruby (Léa Drucker) in Begleitung mit ihrem Androiden-Kollegen Carlos Rivera (Daniel Njo Lobé), die Hackerin zurück zu holen. Doch zurück auf dem Mars kommt das nächste Rätsel auf. Immer mehr Androiden überwinden ihre Programmierung und wollen ihr eigenes Leben führen. Wer dahinter steckt und was die Kybernetik-Studentin Jun Chow damit zu tun hat, muss Aline unter vollster Vorsicht herausfinden.

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Review

MARS EXPRESS ist ein französischer Animationsfilm im futuristischen Cyberpunkgenre, welcher sich an ein erwachsenes Publikum richtet und dementsprechend ab 16 Jahren freigegeben ist. In Frankreich lief der Film Ende 2023 im Kino, während dieser in Deutschland fast ausschließlich auf dem Fantasy Filmfest im Kino lief, obwohl der Film von Jérémie Périn Konkurrenz für amerikanische Animation bietet und zudem eine Marktlücke schließt.

Ein wahrer Augenschmaus

Die Animation von MARS EXPRESS ist ansehnlich, qualitativ hochwertig und muss sich nicht hinter den Animationsproduktionen aus Hollywood verstecken. Vielmehr bringt der Film frischen Wind in das Genre und bedient mit erwachsenen Menschen zudem eine Zielgruppe, welche als direkter Ansprechpartner tragischerweise zu sehr bei Animationsfilmen hinten weg fällt. Dadurch bietet der Film fast schon ein Alleinstellungsmerkmal und kann mit weiteren kreativen Ideen noch einmal mehr überzeugen.

eine weißblonde Frau steht auf dem Balkon eines hochgelegenen Zimmers eines Wolkenkratzers, im Hintergrund ist das Panorama einer Stadt und die untergehende Sonne zu sehen

Mars Express©2024 capelight pictures

Hinzu kommt, dass der Stil von MARS EXPRESS treffend zum futuristischen Cyberpunk-Genre passt. Dieser fällt mit den kreativen Designs sowie Einfällen für Menschen, Androiden, Tiere wie Katzen, Autos, Raumschiffe, Städte und weitere alltägliche Dinge der Zukunft auf. Es ist ausfallend genug, ohne zu übertreiben, wodurch die Welt in sich geschlossen organisch und glaubhaft realistisch wirkt. Die Zuschauenden können all die Designideen nachvollziehen und sich vorstellen, dass die Zukunft wirklich so aussehen könnte.

Gleichzeitig ist die Idee des vollendeten Terraformings des Mars in MARS EXPRESS interessant und beeindruckend, da sich schon viele Filme, Serien, Bücher und Videospiele die Frage gestellt haben, wie dieses ablaufen könnte. Dass dieses im Film wahrscheinlich einfacher stattfand, als es wirklich sein könnte, erklärt das informative Video von Dinge Erklärt – Kurzgesagt, welches sich mit den Schwierigkeiten des Terraforming des Mars befasst. Aber die Umsetzung bleibt im Science Fiction Genre als utopische Kolonie glaubhaft.

Der Sprung ins kalte Becken

Die Story von MARS EXPRESS beginnt erst hektisch, wodurch diese das Publikum kurzzeitig verwirren kann. Doch nach den ersten fünf bis zehn Minuten kommt dieses in die Handlung problemlos herein und taucht in diese mit ihren philosophischen Fragen ab. Auch wenn diese Erzählweise eher ungewohnt ist, gewöhnen sich die Zuschauenden schnell an diese Erzählweise und finden diese trotz erzwungener Konzentration erfrischend angenehm und ansprechend.

animierte Aufnahme einer nächtlichen Straße, wenige futuristische Autos sind unterwegs, einige Menschen gehen spazieren, rechts im Bild ist ein Geschäft mit dem Namen "Zorba", links im Bild leuchten Werbeanzeigen in grellen pink und der Aufschrift "Kiss" und "Sex"

Mars Express©2024 capelight pictures

Diese Erzählweise sorgt zudem dafür, dass die Charaktere in MARS EXPRESS nicht durch Exposition oder einen langsamen Aufbau vorgestellt werden, sondern über ihre Taten und Handeln, was gerade der Protagonistin Aline Ruby und ihrem Kollegen Carlos Rivera hilft. Beide kommen den Rezipienten dadurch näher, da ihre Beweggründe und Weltbilder aus den ersten Missionen deutlich werden. Zudem sind die Charaktere nicht statisch, sie entwickeln sich und lassen auch einen Blickwinkel auf die Seite der Androiden – der Unterdrückten – zu.

Doch die Story mit ihren philosophischen Fragen und Themen übertreibt es fast, wodurch sich MARS EXPRESS in der Hälfte der Handlung in diesen Fragen kurzzeitig verliert. Der Film fängt sich zwar nach 5 bis 10 Minuten wieder, doch in diesem kurzen Zeitraum verliert sich MARS EXPRESS zu sehr in der Frage nach Bewusstsein, Liebe und Autonomie losgelöst von der Handlung. Da der Film sich auch während der Handlung mit den philosophischen Fragen befasst, hätte diese kurzzeitige Ausflucht heraus geschnitten werden können.

Fazit

MARS EXPRESS bietet spannende animierte Unterhaltung und bedient damit eine Zielgruppe, welche viel zu oft auf Filme für sich warten muss. Die Science-Fiction Animation im Cyberpunk-Setting überzeugt durch detailverliebte Designs, passende Sounds, einen bewegenden Soundtrack, sowie philosophische Fragen, die zum Nachdenken anregen. Einzig ein Hänger in der Mitte des Films, der sich zu sehr in der Philosophie verliert, fällt negativ auf. Die Story wird in diesem Strang nebensächlich, woraufhin dieser entfernt werden könnte. Abseits davon ist MARS EXPRESS eine Empfehlung für alle, die philosophische Filme lieben und sich nach ansprechender Animation für Erwachsene sehnen.

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Originaltitel Mars Express
Kinostart 22.11.2023
Länge: 85 minuten
Produktionsland France
Genre: Animation | Science Fiction | Action | Mystery
Regie Jérémie Périn
Cast Léa Drucker, Mathieu Amalric, Daniel Njo Lobé, Marie Bouvet, Sébastien Chassagne, Marthe Keller, Geneviève Doang, Thomas Roditi, Usul, Nicolas Justamon, Jérémie Bédrune, Thierry Jahn, Serge Faliu, Eilias Changuel, Barbara Delsol, Nathalie Karsenti, Angéline Henneguelle, Charlotte Junière, Fanny Vambacas, Delphine Braillon

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