Rezension
Godard, Chabrol, Truffaut und Schiffmann eröffnen das Schaulaufen namhafter französischer Filmemacher*innen: Für ein paar Minuten sieht es so aus, als würde Richard Linklater (A KILLER ROMANCE, BLUE MOON) seinen Film über die Nouvelle Vague mit einem möglichst breiten Ensemble ausstaffieren wollen. Die allermeisten bleiben genau das: Verzierung, Statisten, Bestandteil der Kulisse eines eher an der Oberfläche statt an Tiefe interessierten Historienfilms. Die allermeisten, abgesehen von Godard. Statt auf die Breite der Filmbewegung blickt Linklater in seinem bei den Filmfestspielen in Cannes uraufgeführten Period Piece in erster Linie auf dessen Dreharbeiten zu seinem Langfilmdebüt.
Doch selbst mit seiner hohen Screentime bleibt auch das Porträt von Jean Luc Godard (Guillaume Marbeck) eher das Abziehbild eines Künstlers, weniger daran interessiert Neues zu finden oder eine Ikonografie aufzubrechen, als daran, diese zu bestätigen. Ganz ähnlich wie die Geschichte und Aufmachung des Films. Linklater knüpft zwar an auffällige Stilistiken und ästhetische Prinzipien der Nouvelle Vague an, die episodische Struktur, die bevorzugte Verwendung von natürlichem Licht, behält jedoch stets die absolute Kontrolle, den musealen Feinschliff über Bilder, Ausstattung und die Erzählung. Wenig Rohheit oder irgendeine Form der Radikalität, mehr geschwätzige, auf Exposition und gestalterische Details bedachte Wiki-Artikel-Adaption.
„Diesen Film zu machen, ist so anti-hollywood-mäßig“
Ein bisschen Namedropping hier, ein paar Weisheiten da zeichnen kein tiefschürfendes Bild der Nouvelle Vague, wenn überhaupt eine seichte, äußerst selektive Hommage. Fokussiert auf einen Kanon, der konformistisch, gefällig wirkt, kreist NOUVELLE VAGUE um Godard, Seeberg (Zoey Deutch) und Belmondo (Aubry Dullin), ohne sich ihnen jemals anzunähern. Dekonstruktives Interesse lässt die Geschichte zwar ab und an durchblicken, die reflektierenden und parodistischen Elemente sind jedoch stets bequem und konfrontationsscheu.

Nouvelle Vague ©2026 PLAION Pictures
Linklaters historische Filmstunde reproduziert lieber, statt tatsächlich etwas bewegendes zu erzählen, imitiert Szenerien, statt auch mal zu irritieren. Die Darsteller*innen bewegen sich innerhalb enger Charakterschablonen und Kalenderweisheiten, die geschliffenen, makelfreien Schwarzweiß-Aufnahmen von David Chambille sind akribisch geplante Nachahmungen mit wenig Authentizität. Als fiktionales Behind the Scenes von AUßER ATEM vielleicht ein nettes Gedankenspiel, als Film über einen Film, und noch dazu über eine der einflussreichsten Filmbewegungen der Geschichte, letztlich viel zu zahm und ausdrucksarm.
Fazit
Aus einem gefälligen Kanon aus Filmen und Filmschaffenden zieht Linklater höchstens ein paar zugespitzte historische Skizzen, widerstands- und risikolos, dafür eng an viel zu zahmen Abziehbildern. Ganz im Gegenteil zur Nouvelle Vague: viel Stillstand, wenig Bewegung.
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| Originaltitel | Nouvelle Vague |
| Kinostart | 8.10.2025 |
| Länge: | 105 minuten |
| Produktionsland | France |
| Genre: | Komödie | Drama | Historie |
| Regie | Richard Linklater |
| Executive Producer | Emmanuel Montamat | John Sloss |
| Producer | Holly Gent | Vincent Palmo Jr. | Laurent Pétin | Michèle Pétin |
| Kamera | David Chambille |
| Visual Effects | Benjamin Blatière | Alain Carsoux |
| Cast | Guillaume Marbeck, Zoey Deutch, Aubry Dullin, Adrien Rouyard, Antoine Besson, Jodie Ruth-Forest, Bruno Dreyfürst, Benjamin Cléry, Matthieu Penchinat, Pauline Belle, Frank Cicurel, Blaise Pettebone, Benoît Bouthors, Paolo Luka Noé, Jade Phan-Gia, Jonas Marmy, Côme Thieulin, Alix Bénézech, Léa Luce Busato, Tom Novembre |
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