Review
JEUNES MÉRES – JUNGE MÜTTER ist ein belgisch-französisches Drama von den Regisseuren Jean-Pierre Dardenne sowie Luc Dardenne und konzentriert sich auf die jungen, teils minderjährigen Charaktere Jessica (Babette Verbeek), Perla (Lucie Laruelle), Julie (Elsa Houben), Naïma (Samia Hilmi) sowie Ariane (Janaina Halloy), welche in einem Mutter-Kind-Heim um ein besseres Leben kämpfen. Der Film wurde 2025 in Cannes uraufgeführt und hat dort den Drehbuchpreis gewonnen.
Der Schlag in die Magengrube
JEUNES MÉRES – JUNGE MÜTTER ist keine leichte Kost und sollte nur mit den vorhandenen Kapazitäten gesichtet werden. Denn mit den fünf tragischen Einzelgeschichten ist der Film definitiv eine Wucht in die Magengrube, vor allem wenn früher oder später herauskommt, wie jung diese Mütter teilweise sind. Aber es ist wichtig, dass dieses Werk schonungslos die Realität aufzeigt und nichts verharmlost.
So zeigt JEUNES MÉRES – JUNGE MÜTTER auch auf, dass die Bewohnerinnen im Mutter-Kind-Heim, welche ohne Unterstützung des Partners sowie verstoßen von der eigenen Familie leben, oft von der Straße kommen und durch die Eltern selbst aus kaputten sowie toxischen Verhältnissen stammen. Besonders Christelle Cornil zeigt als Mutter von Janaina Halloy auf, dass Alkoholsucht häufig eine der Ursachen für häusliche Gewalt ist und sorgt dafür, dass die Rezipienten sie anschreien wollen.
![Zwei Personen stehen nebeneinander, eine davon hält ein Baby im Arm. Das Baby trägt einen rosa Strampler und hat einen Schnuller im Mund. Die Person links trägt ein grün-weiß gestreiftes Oberteil. Im Hintergrund ist eine strukturierte Glastür zu sehen. [erstellt mit KI]](https://riecks-filmkritiken.de/wp-content/uploads/2026/03/Photo02_JungeMuetter_c_ChristinePlenus-1400x933.webp)
Junge Mütter – Jeunes Méres ©2026 Christine Plenus
Und selbst wenn eins der fünf Einzelschicksale von JEUNES MÉRES – JUNGE MÜTTER eine positive Episode aufweisen kann, bedeutet das noch lange kein Happy End. Denn der Kampf gegen den Drang nach Alkohol, Drogen oder gegen die Selbstzweifel wird niemals enden und schon der kleinste Fehlschlag, die kleinste schlechte Nachricht können zum Rückfall führen. Das Wissen der Machtlosigkeit und das Hoffen auf ein Happy End buhlen um die Oberhand in den Köpfen der Rezipienten.
Fiktion oder Realität?
Das alles ist nicht zuletzt dank dem Schauspiel noch einmal greifbarer. Dank diesem vergessen die Zuschauenden von JEUNES MÉRES – JUNGE MÜTTER immer wieder, dass es sich um Darstellende handelt und bekommen das Gefühl, dass echte Schicksalsfälle vor der Kamera stehen. Gerade Janaina Halloy sowie Elsa Houben haben ein besonderes Lob verdient und bleiben lange in Erinnerung.
![Zwei Personen sitzen nebeneinander an einem Tisch. Die linke Person trägt ein rotes T-Shirt und hält ein Smartphone in der ausgestreckten Hand, als würde sie ein Selfie aufnehmen. Die rechte Person hält ein kleines Kind auf dem Arm. Im Vordergrund steht ein Strauß heller Nelken in einer Vase. Im Hintergrund sind ein Regal mit verschiedenen Gegenständen und ein großes Fenster zu sehen. [erstellt mit KI]](https://riecks-filmkritiken.de/wp-content/uploads/2026/03/Photo03_JungeMuetter_c_ChristinePlenus-1400x933.webp)
Junge Mütter – Jeunes Méres ©2026 Christine Plenus
Besonders interessant ist zudem, dass JEUNES MÉRES – JUNGE MÜTTER ohne eigenen Score auskommt. Das fällt den Rezipienten nur rückwirkend auf, wenn diese darüber nachdenken, wie mächtig der Einsatz von Stille im Film war. Denn es gibt immer wieder Passagen, die sich nur auf die Verzweiflung oder vereinzelt auf das Glück fokussieren und dabei jedes einzelne Geräusch als Detail nutzen. Musikalische Untermalung hätte den Film zum Kitsch verkommen lassen.
Immer im Geschehen
Ähnlich wie bei der Schweizer Produktion HELDIN mit Leonie Benesch ist die Erzählweise von JEUNES MÉRES – JUNGE MÜTTER fast schon dokumentarisch. Gerade die Kameraarbeit von Benoît Dervaux sorgt in Kombination mit wenigen Schnitten dafür, dass sich die Rezipienten wie als gezwungen stille Beobachtende im Geschehen wiederfinden, was sich durch Kameraperspektiven aus der Ecke oder einen Blick über die Schulter der Darstellenden bemerkbar macht.
![Zwei Personen stehen an einem Waschbecken in einem hell gefliesten Raum. Eine Person hält ein Kind über das Waschbecken und stützt dessen Kopf, während Wasser über den Hinterkopf läuft. Die andere Person steht daneben und beobachtet die Szene. Beide tragen helle Oberteile. [erstellt mit KI]](https://riecks-filmkritiken.de/wp-content/uploads/2026/03/Photo04_JungeMuetter_c_ChristinePlenus-1400x933.webp)
Junge Mütter – Jeunes Méres ©2026 Christine Plenus
Dadurch wirkt das schwere Thema von JEUNES MÉRES – JUNGE MÜTTER nochmal wuchtiger und erreicht das Publikum besser als eine herkömmliche Reportage, die sich mit dem Thema befassen würde. Es braucht keine Interviewpartner, da die Kamera die journalistische Begleitung darstellt und die an echten Schicksalen angelehnten Fälle auf ihre Art mächtig sind.
Fazit
JEUNES MÉRES – JUNGE MÜTTER ist ein schwerer Stoff, welcher von Jean-Pierre Dardenne sowie Luc Dardenne treffend und schonungslos inszeniert wurde, wodurch der Film greifbarer als Reportagen wirkt und zum Nachdenken anregt. Das Publikum wird definitiv psychische Kapazitäten für JEUNES MÉRES – JUNGE MÜTTER brauchen, aber der Film ist eine klare Empfehlung und bleibt auch noch Tage später in Erinnerung.
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| Originaltitel | Jeunes mères |
| Kinostart | 23.5.2025 |
| Länge: | 105 minuten |
| Produktionsland | Belgium |
| Genre: | Drama |
| Regie | Luc Dardenne | Jean-Pierre Dardenne |
| Producer | Delphine Tomson | Luc Dardenne | Jean-Pierre Dardenne | Denis Freyd | Michiel Dhont | Lukas Dhont |
| Kamera | Benoît Dervaux |
| Cast | Lucie Laruelle, Babette Verbeek, Elsa Houben, Janaïna Halloy Fokan, Samia Hilmi, Jef Jacobs, Günter Duret, Christelle Cornil, India Hair, Joely Mbundu, Claire Bodson, Eva Zingaro, Adrienne D'Anna, Mathilde Legrand, Hélène Cattelain, Selma Alaoui, Dominique Swinnen, Dominique Desmet, Juliette Duret, Fabrizio Rongione |
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![Szenenbild aus Jeunes meres - Junge Mütter: In einem hellen Raum mit schlichter Einrichtung stehen mehrere Frauen und Kinder zusammen. Im Vordergrund hält eine Person in weißer Kleidung ein Klemmbrett und spricht mit einer anderen Person im roten Oberteil. Im Hintergrund sitzt eine Frau mit einem Baby auf dem Schoß neben einer weiteren erwachsenen Person. Auf dem Tisch in der Mitte stehen verschiedene Gegenstände, darunter Becher und Verpackungen. [erstellt mit KI]](https://riecks-filmkritiken.de/wp-content/uploads/2026/03/Photo01_JungeMuetter_c_ChristinePlenus.webp)

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