Netflix hat in Berlin einen Ausblick auf seine kommenden deutschsprachigen Produktionen gegeben. Bei einer Branchenveranstaltung präsentierte der Streamingdienst neue Serien, Filme und Reality-Formate, die in den kommenden Monaten und Jahren erscheinen sollen.

Vor rund 300 geladenen Gästen aus Branche und Medien stellte Netflix sein aktuelles Line-up deutschsprachiger Produktionen vor. Für die Romanadaption ACHTSAM MORDEN wurde dabei der Starttermin der zweiten Staffel offiziell bestätigt: Die neuen Folgen erscheinen am 28. Mai 2026. Gleichzeitig gab Netflix bekannt, dass die Serie eine dritte Staffel erhält, deren Dreharbeiten noch in diesem Sommer beginnen sollen. Die erste Staffel war im Herbst 2024 international erfolgreich gestartet und hatte sich zeitweise an die Spitze der nicht-englischsprachigen Netflix-Seriencharts gesetzt. Wie Schauspieler Tom Schilling, der in der Serie einen durch ein Achtsamkeitstraining zum Mörder werdenden Rechtsanwalt verkörpert, ankündigte, lerne das Publikum in den neuen Episoden „Björns kindliche und kindische Seite kennen – was zwei verschiedene Dinge sind“. Ebenfalls angekündigt wurde der bevorstehende Start der Thrillerserie UNFAMILIAR, die ein ehemaliges BND-Agentenpaar in den Mittelpunkt stellt. Für CROOKS bestätigte Netflix den Beginn der Dreharbeiten zur zweiten Staffel, die unter anderem auf Barbados stattfinden sollen. Zudem gewährte der Streamingdienst erste Einblicke in die dritte Staffel von DIE KAISERIN sowie in die zweite Staffel von THE GENTLEMEN.

Neon-Schriftzug „What Next?“ bei der Netflix-Präsentation in Berlin, bei der neue Serien, Filme und Reality-Formate angekündigt wurden.

© Michel Rieck

Im Bereich Reality und Non-Fiction kündigte Netflix mehrere Fortsetzungen und neue Formate an. Bestätigt wurde so eine dritte Staffel von LOVE IS BLIND: GERMANY, deren Produktion in Kürze starten soll. Auch TOO HOT TO HANDLE: GERMANY wird fortgesetzt und erhält in der dritten Staffel ein verändertes Konzept, bei dem erstmals Paare im Mittelpunkt stehen. Darüber hinaus stellte Netflix mit DIE ZARELLAS eine neue Doku-Soap mit Jana Ina und Giovanni Zarrella vor, die das Paar über einen längeren Zeitraum begleiten soll. Mit Netflix habe man ein Perfect Match gefunden, wie Jana Ina Zarrella bei der Ankündigung erklärte: „Es gibt nur ein Zuhause, und das ist Netflix.“ Wiebke Schodder, Programmchefin im Non-Fiction-Bereich, ergänzte, es tue gerade in diesen Zeiten gut, „Zeit mit den Zarellas zu verbringen“. Ebenfalls fortgesetzt wird KAULITZ & KAULITZ, dessen dritte Staffel für 2026 vorgesehen ist. Schodder kündigte an: „Es wird geheiratet, es wird gestritten und es gibt eine fette Party.“ Bei den Filmankündigungen wurde unter anderem EAT PRAY BARK – THERAPIE AUF 4 PFOTEN vorgestellt. In der Komödie übernimmt Rúrik Gíslason eine Hauptrolle an der Seite von Devid Striesow und Alexandra Maria Lara.

 

Gíslason, der sich nach seiner Fußballkarriere unter anderem durch den Gewinn von LET’S DANCE einen Namen gemacht hatte, spielt den Hundetrainer Nodon in den Tiroler Bergen – eine Rolle, für die er nicht lange Bedenkzeit benötigte. „Als die Anfrage von Netflix kam: You don’t think twice“, sagte Gíslason auf der Bühne. Darüber hinaus präsentierte Netflix den Spielfilm 23.000 LEBEN, ein fiktionalisiertes Drama über junge Menschen, die sich gegen das Sterben von Geflüchteten im Mittelmeer engagieren. Der Film basiert auf realen Ereignissen rund um zivile Seenotrettung und wurde von Mala Emde, Katharina Stark und Louis Hofmann vorgestellt. Emde betonte, sie habe vor allem die persönlichen Geschichten der Menschen hinter den Zahlen interessiert – eine Perspektive, die den Film tragen solle. Unterstützt wurde die Produktion unter anderem vom Kapitän und damaligen Head of Mission der Iuventa, der als Berater tätig war; zudem absolvierte Louis Hofmann ein Training beim Seenotrettungsverein Sea-Watch. Auch Rennsport-Fans dürfen sich freuen: Unter dem Titel SCHUMACHER 94 plant Netflix eine Dokumentation, an der unter anderem Corinna Schumacher beteiligt ist.

Unser Chefredakteur Michel Rieck zog am Ende der Präsentation ein kritisches Fazit. Für ihn wirkte ein Großteil der angekündigten Inhalte funktional und austauschbar – Programme, die in erster Linie darauf ausgerichtet seien, Aufmerksamkeit zu binden und Verweildauer zu verlängern, dabei jedoch nur selten inhaltliche Tiefe oder gestalterische Ambition erkennen ließen. Auffällig sei zudem die personelle Zusammensetzung des Netflix-Teams gewesen, das mit wenigen Ausnahmen ausschließlich aus Frauen bestanden habe – eine Ausrichtung, die sich auch im Programm widerspiegele, das nahezu vollständig auf ein eher feminines Zielpublikum zugeschnitten sei. Als einziger Titel mit nachhaltiger Relevanz bleibe 23.000 Leben in Erinnerung. Eine darüber hinausgehende innovative Entwicklung – etwa im Hinblick auf filmische Qualität oder eine ernstzunehmende Kinoauswertung – habe er jedoch nicht erkennen können.