Review Fakten + Credits


Rezension

aus dem Programm der 76. Internationalen Filmfestspiele von Berlin

Die (männlichen) Figuren von Dara Van Dusens Neowestern A PRAYER FOR THE DYING, egal ob Sheriff, Pastor oder Arzt, dürfen etwas, was von ihnen in vielen anderen Genrevertretern nur selten zu sehen ist: weinen, sich von ihrem Innersten schonungslos überrumpeln lassen. Auch der Handlungsort, ein abgelegenes Dorf mit Geschäft, einem kleinen Sheriffs Department und einer Kirche ist wie aus zahlreichen Westernklassikern gegriffen, wird aber nie zur eingestaubten Kulisse von großen Schießereien, von Konflikten mit feindlichen Pistolenhelden, von der erbitterten Suche nach Gold oder bewaffneten Überfällen.

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Stattdessen wird das Dorf von einer unsichtbaren Gefahr heimgesucht. Leise und schonungslos verbreitet sich die Diptherie unter der nichtsahnenden Dorfgemeinschaft und wird zu einem von vielen apokalyptischen Symbolen der entschleunigten Geschichte. Ein anderes steigt als schwarzer Rauch in der Ferne auf und greift förmlich nach der Kleinstadt. Die Verantwortung über diese trägt Jacob Hansen (Johnny Flynn) ein als Held gefeierter Kriegsveteran aus Bürgerkriegszeiten, ein ruhiger, hilfsbereiter Sheriff, dessen traumatische Vergangenheit durch kleine, aber deutliche Reminiszenzen immer wieder sichtbar wird. Ein, trotz kleiner Familie und vieler Bewunderer, Einzelgänger in einer Welt, die erzählerisch und inszenatorisch immer wieder kurz vor einer Zombieapokalypse steht.

Ganz so weit geht die Handlung, basierend auf einer Novelle von Stewart O’Nan nicht, gefällt sich aber in ihrer elegischen Endzeitstimmung. Diese wird geprägt von der stillen Panik, die sich unter den Bewohner*innen breitmacht, den ersten Opfern, die der trocken und einprägsam von John C. Riley verkörperte Doc ausmacht und der schonungslosen Schnörkellosigkeit, mit der Dana van Dusen ihre Geschichte erzählt. Zumindest solang, bis jeder noch so schmale Ausweg, jede sonnendurchflutete Aufnahme, jedes gebrandmarkte Schicksal nur in eine Sackgasse, zu noch mehr Toten oder geradewegs ins surreal bebilderte Verderben zu führen scheint.

Fazit

A PRAYER FOR THE DYING schwelt wie eine ruhige Feuerstelle nur um im letzten Akt all die übriggebliebene Glut noch einmal durchzumischen und die Leinwand in Brand zu setzen. Die Hauptfigur taumelt durch surreale Bilder, in denen der schleichenden Apokalypse nicht mehr ausgewichen werden kann. Der Zug in Richtung Freiheit endet vor einer brennenden Landschaft, Figuren unterm Ascheregen, Dara van Dusens eingehender Neowestern im Fegefeuer.

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Review Fakten + Credits


Originaltitel A Prayer for the Dying
Kinostart 13.2.2026
Länge: 95 minuten
Produktionsland Norway
Genre: Drama | Thriller
Regie Dara Van Dusen
Producer Dyveke Bjørkly Graver | Tristan Goligher | Andrea Berentsen Ottmar | Mimmi Spång | Βίκυ Μίχα | Φένια Κοσοβίτσα | Zahra Waldeck | Pavel Berčík
Kamera Kate McCullough
Cast Johnny Flynn, John C. Reilly, Kristine Kujath Thorp, Gustav Lindh, Hilton Pelser, Andrew Whipp, Daniel Weyman, David Ganly, Peter Adame, Radka Caldová, Dagmar Lakčevič, Juraj Hrčka, Tadhg Murphy, Christopher Rygh, Nienna Robinsonová, Christopher-John Slater, Daniel Rovňák

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