Quentin Tarantino gilt seit seinem Regiedebut mit RESERVOIR DOGS als einer der talentiertesten Regisseure aller Zeiten. Gerade in den 1990ern hat der Filmemacher sich auf Gangsterfilme konzentriert, hier wurden keine klassischen Helden präsentiert, sondern taffe Kerle mit coolen Sprüchen. Tarantino hat gezeigt, dass er ein Händchen für gute Dialoge hat und selbst aus den vermeintlich größten Nebensächlichkeiten ein spannendes Gespräch zaubern kann. Es hat nicht lange gedauert, bis die ersten Studios versucht haben den Erfolg Tarantinos zu imitieren. Das Resultat waren Filme wie LUCKY NUMBER SLEVIN oder SMOKIN‘ ACES, Filme voller Wendungen, sympathischer Verbrecher und cooler Sprüche. Der Höhepunkt der Tarantino-Klone war Mitte der 2000er erreicht, was den Regisseur Alessio Jim Della Valle nicht davon abgehalten hat im Jahr 2021 einen weiteren Film im Stil der oben genannten zu inszenieren. In AMERICAN NIGHT präsentiert der Regisseur sein Erstlingswerk und entführt uns in die Welt der Kunst, einer Welt voller Verbrechen und Missgunst.
Darum geht es…
John Kaplan (Jonathan Rhys Meyers) träumt von einer eigenen Kunstgalerie in Manhattan, nach einem jahrelangen Leidensweg scheint dieser Traum nun endlich in Erfüllung zu gehen. Er hat einen zweifelhaften Ruf, doch versteht einiges von seinem Handwerk, insbesondere was Kunstfälschungen angeht. Kurz vor der Eröffnung seiner ersten Ausstellung kreuzen sich seine Wege mit dem Mafiaboss und Künstler Michael Rubino (Emile Hirsch). Michael ist nach dem Tod seines Vaters zum Herrscher der Unterwelt aufgestiegen. Dieser war selbst sehr interessiert an den Gemälden großer Künstler wie Picasso, hat das Talent seines Sohnes aber nicht erkannt. Nachdem Rubino ein Gemälde gestohlen wird kreuzen sich die Wege von ihm und John Kaplan und es beginnt eine Reise in die kriminelle Unterwelt von New York City.
Rezension
Es ist mir nicht sehr leicht gefallen eine Inhaltsangabe für AMERICAN NIGHT zu schreiben. In diesem Film passiert zeitgleich alles und gar nichts. Die komplette Handlung des Films ist so konfus, dass man nicht weiß wo man ansetzen soll. Bereits zu Beginn des Films wird klar, dass der Regisseur hier mit aller Kraft versucht hat einen „coolen“ Film zu inszenieren, ohne sein Handwerk wirklich zu beherrschen. Immer wieder scheint es so, als würde das Publikum nicht ernst genommen werden und man hat den Eindruck, dass am Set sehr häufig der Satz „Das merkt schon niemand!“ gefallen sein muss.
AMERICAN NIGHT hat erstmal eine völlig verworrene Erzählstruktur, die es schwierig macht der Handlung zu folgen. Statt sich in seinem ersten Film an einer chronologischen Handlung abzuarbeiten, wird die „Geschichte“ asynchron erzählt. Talentierte Regisseure wie Christopher Nolan und Quentin Tarantino haben mit MEMENTO oder PULP FICTION gezeigt wie es geht, Alessio Jim Della Valle ist mit einer gehörigen Menge „passt schon“ an die Arbeit gegangen und hat einen Film fabriziert der unnötig anstrengend ist.
Was bei einem Tarantino-Klon nicht fehlen darf sind taffe Charaktere, die einen coolen Spruch nach dem anderen abfeuern. In AMERICAN NIGHT wurde ganz tief in die Sprücheschublade gegriffen und einfach alles eingebaut, was man zufällig rausgezogen hat. Die Dialoge sind gespickt von Sprüchen, die man bereits in anderen Filmen etliche Male gehört hat und die hier teilweise völlig unpassend verwendet werden. Wenn die Figuren sich dann mal in Action-Szenen begeben und es zu Kämpfen oder Schusswechseln kommt, wirkt alles sehr billig. Opfer fallen unpassend um, während vor ihnen schlecht animierte CGI-Blutwolken erscheinen. Zusätzlich ist die Action so sehr zerschnitten, dass es fast unmöglich ist den Überblick zu behalten.
Ein buntes Sammelsurium
Als ich gelesen habe, dass Emile Hirsch eine der Hauptrollen im Film spielt, war ich vorsichtig optimistisch, allerdings hat es der Regisseur auch hier geschafft, das schlechteste aus dem Schauspieler herauszuholen. Im Film gibt es eine Szene, in der der Gangsterboss wahnsinnig lacht, was zu einem Asthma-Anfall führt, hier spielt Hirsch so schlecht, dass das Zusehen wirklich unangenehm ist. Hirsch ist aber nicht der einzige Darsteller, den man nicht ernst nimmt, tatsächlich bekommt man im Film zu keiner Figur einen Bezug, ganz im Gegenteil. Stattdessen fragt man sich, warum so viele unterschiedliche Charaktere in den Film geschrieben wurden. Mindestens die Hälfte der Figuren haben keine Bewandtnis. Man hätte ohne weiteres auf sie verzichten können.
Es ist schon sehr ironisch, dass AMERICAN NIGHT das Klauen von Kunst ins Zentrum seiner Geschichte stellt, selbst aber nichts anderes ist als ein amateurhaft zusammengeklauter Flickenteppich aus Filmen anderer Regisseure. Wie oben beschrieben, handelt es sich in erster Linie um einen Tarantino Klon, zusätzlich wird sich großzügig bei Francis Ford Coppolas DER PATE bedient. Der Gangsterboss heißt sogar Michael, wie Al Pacinos Figur im Klassiker. Alessio Jim Della Valle beweist, dass er keine eigene Handschrift hat, das Resultat ist ein billig aussehender Totalausfall, den man auf keinen Fall sehen sollte.
Fazit
Ich könnte noch weiter auf den Film eintreten, aber ich denke die Botschaft ist angekommen. Würde meine Top 10 der schlechtesten Filme 2021 nicht schon fertig sein, hätte dieser Film auf jeden Fall einen Platz ganz weit oben verdient. AMERICAN NIGHT sieht billig aus, erzählt eine unnötig verworrene Geschichte, ohne wirklich etwas zu sagen und stiehlt sich die Versatzstücke aus anderen Filmen zusammen. Darüber hinaus bietet uns dieser fürchterliche Film einige der schlechtesten Schauspielleistungen der letzten Jahre. Wahrscheinlich ist es sinnvoller zwei Stunden lang eine Wand anzustarren, als seine Zeit mit diesem Film zu vergeuden.
Wie hat dir der Film gefallen?
In seinem ersten Film entführt uns Regisseur Alessio Jim Della Valle in die New Yorker Unterwelt. Wir begleiten auf der einen Seite den Kunstexperten John Kaplan (Jonathan Rhys Meyers), der von einer eignen Galerie träumt. Seine Wege kreuzen sich mit dem Gangsterboss Michael Rubino (Emile Hirsch), der auf der Suche nach einem gestohlenen Gemälde ist. Neben den beiden ist der Film gespickt mit vielen weiteren Figuren und sehr vielen Abzweigungen der Handlung. Der Regisseur versucht Genies wie Tarantino zu kopieren, das Resultat ist allerdings ein unnötig komplizierter Flickenteppich, mit vielen Versatzstücken, die aus anderen Filmen geklaut wurden. Im Film sehen wir die vermutlich schlechteste Performance in der Karriere von Emile Hirsch, er soll einen skrupellosen und wahnsinnigen Gangster spielen, wirkt in der Rolle allerdings lächerlich. Tatsächlich ist der Film so unverschämt schlecht, dass man die knapp zwei Stunden Laufzeit kaum aushält.
AMERICAN NIGHT sieht billig aus, hat unglaublich miese Dialoge und die Hälfte der Figuren ist für die Handlung irrelevant. Hätte ich den Film nicht jetzt erst gesehen, wäre er ein Anwärter auf den schlechtesten Film 2021.
Wie hat dir der Film gefallen?
Originaltitel | American Night |
Streaming – Release | 30.12.2021 |
DVD/Blu-ray – Release | 14.01.2022 |
Länge | ca. 123 Minuten |
Produktionsland | Italien |
Genre | Action | Thriller |
Verleih | Leonine |
FSK |
Regie | Alessio Della Valle |
Drehbuch | Alessio Della Valle |
Produzierende | Alessio Della Valle | Martha Capello | Giovanni Cova | Giorgio Ferrero | Jieran Geng | Wenwen He | Ilaria Dello Iacono | Tiziana Rocca | Sergio Romerio | Zach Staenberg | Marc Westerholt |
Musik | Marco Beltrami |
Kamera | Ben Nott | Andrzej Sekula |
Schnitt | Zach Staenberg |
Besetzung | Rolle |
Jonathan Rhys Meyers | John Kaplan |
Emile Hirsch | Michael Rubino |
Paz Vega | Sarah Flores |
Jeremy Piven | Vincent |
Fortunato Cerlino | Shakey |
Michael Madsen | Lord Samuel Morgan |
Alba Amira | Olivia |
Anastacia | Anastacia |
Annabelle Belmondo | Katie |
Mara Lane | Asia |
Lee Levi | Ashley |
Marco Leonardi | Don Tony Rubino |
Maria Grazia Cucinotta | Donna Maria |
Dimo Alexiev | Harvey |
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