Originaltitel: Blind Woman’s Curse (怪談昇り竜)
Erstveröffentlichung: 1970
DVD/Blu-ray – Release: 09.07.2021
Länge: ca. 82 Minuten
Produktionsland: Japan
Regie: Teruo Ishii
Schauspieler:innen: Meiko Kaji | Hoki Tokuda | Makoto Sato
Genre: Horror | Drama
Verleih: Rapid Eye Movies
Das japanische Yakuza-Genre lässt sich thematisch wohl am ehesten mit dem westlich weitverbreiteten Mafiagenre vergleichen und als japanischer Gangsterfilm umschreiben, in dem es um die organisierten, kriminellen Machenschaften der namensgebenden Yakuza geht. In DIE VERFLUCHTE SCHWERTKÄMPFERIN MIT DEM DRACHENTATTOO geht es unter anderem um die Anführerin einer solchen Yakuza-Gang, ihre blutigen Wege und ihre Verbrechen. Dabei greift der Film einige Aspekte dieses Genres auf und verknüpft sie mit anderen filmischen Gattungen und einem ordentlichen 70er-Vibe in seiner Aufmachung. Zusätzlich wandert er auf den Pfaden eines Horrorfilms, ist spektakulär wie ein Actionfilm, bietet ausufernd brutale Momente des Exploitationkinos und kleidet sich manchmal sogar ins Gewand einer Komödie.
Der Film markiert dabei nur einen winzigen Ausschnitt aus Teruo Ishiis Filmografie, dessen filmisches Schaffen sich auf die 1950er-1970er konzentriert und mit HORROS OF MALFORMEND MEN, FEMALE YAKUZA TALE und BLIND WOMAN’S CURSE vor allem in den Sechzigern und Siebzigern zahlreiche Horror- und Gangsterstreifen bereithält. Ohne die vollständige Bandbreite seines künstlerischen Schaffens erfassen zu können, wirkt der vorliegende Film BLIND WOMAN’S CURSE dennoch wie einer seiner bekanntesten Filme, nicht zuletzt durch seinen häufigen Bezug zu LADY SNOWBLOOD.
Im Juli diesen Jahres bringt Rapid Eye Movies diesen japanischen 70er-Jahre-Streifen nun neu auf Disc, im schicken Pappschuber und im Originalton mit Untertiteln heraus. In inhaltlich überschaubarer Aufmachung bietet die DVD-Veröffentlichung keine weiteren, hintergründigen Extras, lediglich den von der Hauptdarstellerin gesungenen Titelsong als Zusatz und eine Handvoll Postkarten mit ausgewählten Schlüsselszenen. Der Film selbst erscheint in guter Qualität und kann sich abseits der technischen Daten auch mit seiner damaligen Ausstattung sehen lassen.
Darum geht es…
Bei einem erbitterten Kampf blendet Kriegerin Akemi eine Frau mit ihrem Schwert, die daraufhin ihr Augenlicht verliert. Jahre später sinnt diese nach Rache und macht sich auf die Suche nach der Anführerin der Yakuza-Gang, dank welcher sie einst erblindet ist. Akemi muss sich in ihrer Heimat indes weiterhin gegen rivalisierende Banden stellen, als eine schwarze Katze als unheilbringender Vorbote erscheint. Bald schon erschüttert die blinde Frau das Umfeld der Anführerin und hinterlässt eine grausame Spur an ermordeten Yakuza-Mitgliederinnen, deren Drachentattoo samt Haut von ihren Rücken geschnitten wurde …
Zwei Frauen, Zwei Kriegerinnen – Rezension
BLIND WOMAN’S CURSE ist in bester Manier ein Kind der 60er und 70er Jahre. Das zeigt sich vor allem in der zeittypischen Aufmachung und den Choreographien. Zu diesen zwei äußerlichen Hauptmerkmalen des Film stößt die Handlung mit eher zurückhaltender Einfachheit. Erzählt wird eine klassische Rachegeschichte ohne großen Twist und ohne besonders tiefgreifende Charaktere, dafür aber mit zwei starken Frauen im Mittelpunkt. Um deren Konflikt spinnen sich zwar weitere Nebenfiguren und zweitrangige Konflikte, die aber nie sonderlich bedeutsam ausgearbeitet werden. In etwas mehr als 80 Minuten ist auch gar nicht viel Zeit, um Handlungen und Motive großartig auszuspielen. Eine eindeutige Fokussierung auf den Konflikt der beiden Hauptfiguren hätte der Kurzweiligkeit der Handlung die Krone aufgesetzt und den Film an manchen Stellen vielleicht sogar vor eigener Lächerlichkeit bewahrt.
Dennoch sticht vor allem das Zusammenspiel von Meiko Kaji (LADY SNOWBLOOD) und Hoki Tokuda hervor, die getrennt voneinander schon stark und charismatisch agieren, im Finale aber besonders auftrumpfen. Ihre finale Begegnung ist vermutlich der Höhepunkt und eine der atmosphärischsten Szenen des gesamten Films, die die Geschichte mit einem zufriedenstellenden Ende auflöst. Wären weitere Szenen zuvor als Two-Women-Show inszeniert worden, es hätte dem Ganzen einen ordentlichen Aufschub in Sachen Intensität gegeben.
Zwischen Gore und Comedy
Leider erreicht der Film vor dem Finale selten diese Dichte und Atmosphäre und hat mit seinen verschiedenen Genreeinflüssen zu kämpfen. Als Horrorfilm bleibt eigentlich nur das Blutbad, richtig gruselig wird es kaum, abgesehen von ein paar abgedrehten Szenen mit den Schergen der erblindeten Frau. Darüber hinaus kann vielen Actionszenen ihre Choreographie angesehen werden und das Overacting für ein paar unerfahrene, westliche Zuschauer zur Geduldsprobe werden. Am unpassendsten gestaltet sich jedoch der Humor, der zwischen den Blutbädern und Racheakten mehrmals aufspringt und der Szenerie ihre Ernsthaftigkeit und Dringlichkeit raubt. Das reicht von sexistischen Randfiguren, über unterschwellige Witze bis zu einem Gangsterboss, der die meiste Zeit seines Auftretens im knallroten Lendenschurz verbringt.
Die komödiantischen Momente machen es dem Film nicht leicht, seine Atmosphäre aufrecht zu erhalten. Im Gegensatz dazu überzeugen die theaterhaften Kulissen und die praktikablen Effekte durchaus und sorgen für die ein oder andere abgefahrene Szene mit abgetrennten Köpfen und gestörten Figuren. Der eigenwillige und abwechslungsreiche Soundtrack stimmt meist gelungen dazu ein. In Szenen etwa, in denen ein buckliger Mann zu hektischer Musik über die Bühne springt und mit tief verstörten Blick und herausgestreckter Zunge in die Kamera schaut, zündet der Film in seiner Aufmachung.
Fazit
BLIND WOMAN’S CURSE ist ein Film mit vielen blutüberströmten Gesichtern und einer klassischen Rachegeschichte im Fokus, deren Genrekonventionen gegen Ende leicht aufzubrechen scheinen. Leider wechselt sich eine rauschhafte und unheimlich stimmige Atmosphäre zwischendurch mit oberflächlichen und lächerlichen Stimmungsschwankungen ab, die den Gesamteindruck deutlich hinunterziehen. Wem gelungen praktikable Effekte und blutige Augenblicke darüber hinwegsehen lassen, dem sei der Film ans Herz gelegt, spätestens beim Finale kreirt der Film aber auch für alle anderen ein stilsicheres Highlight.
Schauspieler:in | Rolle |
Meiko Kaji | Akemi Tachibana |
Hoki Tokuda | Aiko Gouda |
Makoto Satô | Tani Shouichi |
Hideo Sunazuka | Kantaro |
Shirô Ôtsuji | Senba-tatsu |
Tôru Abe | Dobashi |
Yoshi Katô | Jutaro Mitsui |
Yôko Takagi | Chie Mitsui | Chie-chan |
Tatsumi Hijikata | Ushimatsu |
Shirô Yanase | Kawaguchi |
Shinzô Shibata | |
Ryôhei Uchida | Aozora |
Bumon Kahara | Gouda |
Akira Takahashi | Tsune |
Yûzô Harumi | Nobuo |
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