Review Fakten + Credits


Rezension

Dass Regisseur Wolfgang Becker 2024 im Alter von 70 Jahren verstarb und seine Adaption Maxim Leos gleichnamigen Romans DER HELD VOM BAHNHOF FRIEDRICHSTRASSE von 2022 somit sein letztes Werk ist, fördert augenscheinlich die wohlwollende Aufnahme der harmlosen Heldengeschichte. Eine solche ist die von Becker noch im Rohschnitt fertiggestellte Ostalgie-Variation von THE MAN WHO SHOT LIBERTY VALANCE im doppelten Sinne. Die unbedarfte Story, die ihre spielerische Sicht auf die DDR-Geschichte durch den Rückblenden-Einsatz von Spielzeug-Eisenbahnen unterstreicht, ist erzählt zum einen von einem (angeblichen) Helden, zum anderen von einer Heldengeschichte und deren Entstehung.

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So hintersinnig und humorvoll, wie die parodistische Prämisse klingt, ist das Ganze allerdings bei weitem nicht. Dazu ist die milde medienkritische Mär vom abgehalfterten Videothekar Micha (Charly Hübner), den Schmieren-Journalist Alexander Landmann (Leon Ullrich) zum Protagonisten einer aberwitzigen Sensationsstory von einer DDR-Massenflucht stilisiert, zu mutlos und mainstreamig. Becker will nicht nur gewichtige Themen a la John Ford abhandeln, sondern auch das populäre Prestige von GOOD BYE, LENIN!. So sorgen Daniel Brühl als Star-Kandidat für eine geplante Verfilmung Michas Story und Katarina Witt in einer Talk-Show-Cameo Wiedererkennungswert.

Doch statt sich darauf zu konzentrieren, wie Micha sich immer mehr in der aufgedrängten Helden-Rolle verliert, und die Lüge immer weitere Kreise zieht, verliert sich das zerfaserte Skript in einer ungelenken Romanze. Michas Affäre mit der neurotischen Paula (Christiane Paul), die in einer von ihm während seiner DDR-Arbeit als Stellwerker vorgeblich heroisch, tatsächlich versehentlich in den Westen gelenkten S-Bahn saß, entbehrt jeder amouröse Chemie. Jene überflüssige Nebenhandlung verwässert die Kernthemen von falschem Ruhm, Legenden-Bildung und Geschichtsklitterung. Noch harmloser als der fabrizierte Helden-Mythos ist die handzahme Satire. 

Vor einem Gebäude mit grüner Fassade steht eine Person in einem offenen Türrahmen. Vor der Person versammeln sich zahlreiche Fotografen und Kameraleute mit Kameras, Mikrofonen und Blitzgeräten, die auf die Person gerichtet sind. An der Fassade sind verschiedene Fotos und Filmstreifen als Dekoration angebracht. [erstellt mit KI]

Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße ©2025 X Verleih AG | Frédéric Batier

Fazit

Dass ein augenzwinkernder Auftritt Kati Witts den humoristischen Höhepunkt Wolfgang Beckers gefällige Historie(n)-Komödie darstellt, zeigt deren verschwenderischen Umgang mit dem parodistischen Potenzial. Obwohl die naive Inszenierung beständig die Banalität der titelgebenden Fake-Story betont, geht das brave Drehbuch damit übervorsichtig um. Charly Hübner gibt einen gewohnt soliden Auftritt als Berliner BIG LEBOWSKI Verschnitt, als dessen Tochter Leonie Benesch mit dem Wenigen, das sie zu tun hat, überzeugt. Tragische Facetten und ein Versuch zu Tiefgang sind nur ein Nachgedanke in dem kompetenten Konventionskino.

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Originaltitel Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße
Kinostart 11.12.2025
Länge: 113 minuten
Produktionsland Germany
Genre: Komödie
Regie Wolfgang Becker
Producer Stefan Arndt
Kamera Bernd Fischer
Musik Lorenz Dangel
Cast Charly Hübner, Christiane Paul, Leonie Benesch, Daniel Brühl, Jürgen Vogel, Leon Ullrich, Thorsten Merten, Peter Kurth, Eva Löbau, Dirk Martens, Steffen Jürgens, Helena Landau, Jörn Hentschel, Holger Handtke, Annabelle Mandeng, Leslie Malton, Bernhard Schütz, Claudia Eisinger, Lilli Fichtner, Yvon Sable Moltzen

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