Review
DER MAGIER IM KREML ist der neueste Film von Olivier Assayas und beruht auf der Buchvorlage von Giuliano Da Empoli. Die Geschichte beginnt mit dem Journalisten Rowland (Jeffrey Wright), welcher die Ehre hat, dass Vadim Baranow (Paul Dano) dem Journalisten seine Geschichte erzählt hat. Diese beginnt im Russland der 90er. Die Freiheit sowie Kunst regierten das Geschehen und Vadim wollte sich erst als Theater- und dann als Fernsehregisseur einen Namen machen.
Doch schnell bekommt Vadim Baranov von dem Oligarchen und Besitzer des größten Fernsehsenders Russlands – Boris Berezovsky (Will Keen) – das Angebot, nicht nur die Kunst, sondern das politische Geschehen des ehemaligen Sowjetreichs zu gestalten. Es geht um das Etablieren eines neuen Präsidenten, von dem sich die Oligarchen erhoffen, dass dieser loyal ist. Schnell fällt die Wahl auf einen Bürohengst und dem Chef des FSB: Vladimir Putin (Jude Law). Doch dieser ist gerissener, als es scheint und Vadim findet seinen Platz in der neuen russischen Welt schnell, sodass dieser den Spitznamen Magier im Kreml genießt.
Selbstredend fiktiv…
DER MAGIER IM KREML betont zwar, dass der Film auf der gleichnamigen Buchvorlage beruht und damit fiktiv ist, arbeitet dennoch die Fakten von Putins Aufstieg bis zur Annexion der Krim detailreich ab. Dabei wirkt der Film jedoch nicht wie ein Wikipedia Artikel oder gar eine Dokumentation, sondern wie ein astreiner Politthriller, welcher mit seinen Intrigen an Netflix HOUSE OF CARDS oder die Teenie-Spionagethriller von Anthony Horowitz erinnert.
Damit der Film dynamischer ist und das Gefühl einer Dokumentation vollumfassend untergraben wird, ist DER MAGIER IM KREML in Kapitel unterteilt, die von dem Interview zwischen Jeffrey Wright und Paul Dano eingeleitet werden. Kritiker können von Second Screening sprechen, aber da Paul Dano als Protagonist aus seinem Leben erzählt, können die Rezipienten dies mit einem Augenzwinkern akzeptieren, was nicht zuletzt daran liegt, dass sich DER MAGIER IM KREML trotz einer Lauflänge von 152 Minuten entspannt runter schaut und nie zu lang anfühlt.
Putin himself?
Das Schauspiel von DER MAGIER IM KREML lässt auch wenig Raum für Langeweile, da Paul Dano seine Rolle als Vadim Baranow glaubhaft verkörpert. Der von Tarantino zu Unrecht schlechtgeredete Darsteller wirkt jederzeit wie der stille Beobachter, der umgestaltet, die Macht mit formt und nicht nur miterleben will. Sein Aufstieg in Putins Kreis nutzt DER MAGIER IM KREML geschickt, um bekannte Gesichter wie die Nachtwölfe, Yevgeny Prigozhin (Andris Keiss), aber auch Putins Antagonisten wie Pussy Riot oder ungeliebten Oligarchen wie Dmitri Sidorov (Tom Sturridge) eine Bühne zu bieten.

Der Magier im Kreml ©2026 Constantin Film
Doch der Star in DER MAGIER IM KREML ist Jude Law als Vladimir Putin. Der britische Schauspieler verkörpert den Präsidenten, welcher im Film respektvoll Zar genannt wird, treffend und wirkt dank der Maske in vereinzelten Szenen wie der echte Putin. Die Sets wie das Sommerhaus in Sochi, der Kreml und weitere Bauten der russischen Upper Class tragen ihr Übriges dazu bei, dass sich das Schauspiel entfalten kann und die Rezipienten begeistert sind.
Ost vs. West
Trotz der gerechtfertigten Kritik am russischen Regime, ist DER MAGIER IM KREML keine billige Schwarz-Weiß-Zeichnung, die den Westen als unendlich moralisch überlegen Instanz zeichnet. Vielmehr hat Paul Danos Charakter auf jeden westlichen Vorwurf durch Jeffrey Wright mindestens einen Konter, der zeigt, dass der Westen ähnlich handelt. Die Chance, Snowden einzubauen, wurde hier jedoch vertan. Dennoch zeigt der Film den negativen Einfluss aller Supermächte, ohne sich zu klar auf eine Seite zu stellen.
Die Vorlage
Fans der Buchvorlage von Giuliano Da Empoli werden mit DER MAGIER IM KREML definitiv auf ihre Kosten kommen. Wichtige Passagen des Buches wirken teils 1 zu 1 abgefilmt, während Momente, die für ein Buch wichtig, für einen Film jedoch irrelevant sind, weggelassen werden. Dadurch ist der Film trotz seiner Länge knackig, schaut sich gut herunter und lädt zu einer erneuten Sichtung ein.
![Zwei Personen stehen nachts im Freien vor unscharf leuchtenden Stadtlichtern. Die linke Person trägt einen auffälligen, mehrfarbigen Pelzmantel und hält ein Glas in der Hand. Die rechte Person trägt einen dunklen Mantel über einem weißen Hemd mit Krawatte. Beide sind einander zugewandt und scheinen sich zu unterhalten. [erstellt mit KI]](https://riecks-filmkritiken.de/wp-content/uploads/2026/04/SZENENBILD_10-1400x867.webp)
Der Magier im Kreml ©2026 Constantin Film
Fazit
DER MAGIER IM KREML ist zwar kein perfekt auserzählter Politthriller wie Netflix HOUSE OF CARDS, kann aber der Filmwelt des Genres mehr als nur das Wasser reichen. Statt auf eine billige Gut-gegen-Böse Erzählung zu setzten, bietet der Film den Blick auf die wahre politische Welt, in der keine Supermacht im Wohle aller Menschen agiert und adaptiert damit seine Buchvorlage treffend. Und auch, wenn dies einen Quentin Tarantino missfallen wird, ist Paul Dano allein Grund für eine Empfehlung für DER MAGIER IM KREML.
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| Originaltitel | Le mage du Kremlin |
| Kinostart | 21.1.2026 |
| Länge: | 156 minuten |
| Produktionsland | France |
| Genre: | Drama |
| Regie | Olivier Assayas |
| Executive Producer | Thomas Pierce | Scott Weber | Alexandra Abrams | Lee Broda | Robert K. MacLean | Stuart Manashil | Michael Paletta | Jeff Rice |
| Producer | Olivier Delbosc | Sidonie Dumas |
| Kamera | Yorick Le Saux |
| Cast | Paul Dano, Jude Law, Alicia Vikander, Tom Sturridge, Will Keen, Jeffrey Wright, Andris Keišs, Magne-Håvard Brekke, Matthew Baunsgard, Anton Lytvynov, Alexander M. Johnson, Anastasia Sutter, Dan Cade, Tom J. Benedict, Emmanuel Carrère, Varvara Chekhs, Kaspars Kambala, Polina Karnicka, Sergey Podymin, Andreas Pumilia |
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