Review
Die Formel 1 erfreut sich seit Jahren auch bei den jüngeren Generationen einer neuen und scheinbar nie dagewesenen Beliebtheit. Da ist es nicht verwunderlich, dass die Marke immer weiter wachsen will: Sammelkarten, der F1 Film mit Brad Pitt, die Spielereihe von Codemasters oder Lego-Sets sind hier nur der Anfang. Doch wer die letzte spannende Saison nochmal Revue passieren lassen will, hofft bei Netflix mit FORMEL 1: DRIVE TO SURVIVE STAFFEL 8 fündig zu werden, sofern über die Reality-TV-Aspekte der Serie hinweggesehen werden kann.
Staffel 8 bringt Hoffnung, da die Saison 2025 mehr als nur spannend war. Der siebenfache Weltmeister Lewis Hamilton wechselt von Mercedes zu Ferrari, die aktuelle Dominanz von Max Verstappen ist nicht nur wegen Christian Horner auf wackeligen Beinen, McLaren will um jeden Preis beide Weltmeisterschaften und die Formel 1 kann sich über gleich sechs neue Rookies freuen. Alles kann passieren, aber gleichzeitig fragen sich auch die Fans, ob das negative Framing gegenüber Max Verstappen bestehen bleibt und ob die Betrachtung der Rennen gerechter wird.
Die Rookies
FORMEL 1: DRIVE TO SURVIVE STAFFEL 8 gibt den Rookies Andrea Kimi Antonelli, Gabriel Bortoleto, Isack Hadjar, Jack Doohan, Oliver Bearman und Liam Lawson eine gerechte Aufmerksamkeit, in der Stichpunktartig ihre Karriere vor der Formel 1 abgehakt und ihnen Respekt gezollt wird. Gleichzeitig gibt es auch die Gelegenheit, in der die Rookies Ehrfurcht zeigen können. Denn viele der Fahrer auf dem Grid sind ihre Vorbilder aus dem Fernsehen gewesen und nun fahren sie Seite an Seite.
Zudem sehen die Rezipienten die Aufregung der Rookies in FORMEL 1: DRIVE TO SURVIVE STAFFEL 8. Aus Memes, F1 TV oder den von den Teams selbst hochgeladenen Videos kam diese nachvollziehbare und logische Nervosität nicht immer zur Geltung. Hier ist die Serie feinfühlig, da die Neulinge nicht in einem schlechten Licht dargestellt werden. Vielmehr werden sie dafür bewundert, dass sie sich dem Druck hingeben, diesem bewusst sind und versuchen, die Aufregung mit Humor herunterzuspielen. Schade nur, dass die Serie den Witz des Rookies Fernando Alonso unausgesprochen lässt.
Drive to Papaya
FORMEL 1: DRIVE TO SURVIVE STAFFEL 8 will zwar den Anspruch der Dokumentation wahren, weshalb weiterhin auf die Einzelinterviews mit Fahrern, Teamchefs und Journalisten gesetzt wird, schafft aber mittlerweile eher wie Reality-TV Feindbilder, die so nicht existieren. Neulinge werden somit abgeschreckt, manipuliert und bekommen ein viel zu aufgeblasenes sowie aufgesetztes Bild der Formel 1, während langjährige Fans, die die Teams und Fahrer schon förmlich studieren, von dem Framing der Netflix-Serie angenervt sind.
![Mehrere Personen mit Headsets sitzen an einer langen Schreibtischreihe vor mehreren großen Monitoren. Die Personen tragen schwarze und grüne Teamkleidung mit sichtbaren Sponsorenlogos. Auf den Monitoren sind technische Daten und grafische Darstellungen zu sehen. Auf dem Tisch stehen eine Getränkedose und ein Tetrapak. Im Hintergrund ist ein Teil der Boxengasse mit Tageslicht zu erkennen. [erstellt mit KI]](https://riecks-filmkritiken.de/wp-content/uploads/2026/03/Formula_1__Drive_to_Survive_n_S8_E2_00_19_41_02-1400x788.webp)
Formel 1: Drive to Survive Staffel 8 ©2026 Netflix
FORMEL 1: DRIVE TO SURVIVE STAFFEL 8 ist an einem Punkt angekommen, an dem die Serie über ihren Punkt auserzählt wirkt. Die Staffel hat mit 8 statt 10 Episoden weniger Folgen als die vorherigen Staffeln, was mittlerweile gut daran liegen kann, dass weniger Teams Lust auf eine Zusammenarbeit mit Netflix haben. Denn von internen Aufnahmen und direkten Gesprächen ist deutlich weniger zu sehen. Die Priorisierung der Gossip-Elemente über den Rennen selbst waren wohl die Spirale in das eigene Grab.
Die Rennen selbst
Und somit fokussiert sich Netflix mit FORMEL 1: DRIVE TO SURVIVE STAFFEL 8 lieber auf eine zahnlose Erzählung der Heldenreise von Zak Brown und McLaren sowie eine Heroisierung und Heiligsprechung von Christian Horner. Damit wird die Serie jedoch einseitig, da wichtige Podien wie das von Antonelli in Kanada oder interessante Teamkämpfe zugunsten der Papaya-Rules und dem McLaren-Zweikampf kaum beachtet werden.
Denn obwohl FORMEL 1: DRIVE TO SURVIVE STAFFEL 8 auf die bestehenden Rennszenen der TV-Übertragungen zurückgreifen kann, sind Rennen zu sehr zerschnitten, aus dem Kontext genommen, oder werden ohne ersichtlichen Grung mit weiteren Rennen kombiniert. In den letzten Staffeln diente die Serie noch als Zusammenfassung der letzten Saison, doch diesen Status verliert FORMEL 1: DRIVE TO SURVIVE STAFFEL 8 immer mehr. Wer die Spannung, Kopf-an-Kopf Rennen sowie das Adrenalin haben will, sollte auf die echten Rennen oder Zusammenfassungen wie die von Sky oder F1 TV setzen.
![Mehrere Personen stehen dicht beieinander in einem schwach beleuchteten Raum. Im Vordergrund sind Rennanzüge in Pink mit dem Schriftzug 'BWT' sowie in Grün mit verschiedenen Sponsorenlogos zu sehen. Die Szene wirkt angespannt und konzentriert, typische Atmosphäre im Motorsportumfeld. [erstellt mit KI]](https://riecks-filmkritiken.de/wp-content/uploads/2026/03/Formula_1__Drive_to_Survive_n_S8_E1_00_09_56_00-1400x788.webp)
Formel 1: Drive to Survive Staffel 8 ©2026 Netflix
Die Machos der F1
Dass FORMEL 1: DRIVE TO SURVIVE STAFFEL 8 die Buhrufe und Ablehnung dem Ex-Red-Bull-Teamchef aufzeigt ist zwar schön, aber Netflix verschiebt die Debatte zugunsten von Horner. Denn gegen den Briten stehen immer noch belastbare Anschuldigungen sexueller Übergriffe im Raum, die – nur weil Red Bulls interne „Ermittlung“ innerhalb der Saison 2024 nichts ergeben hat – nicht vom Tisch sind. Doch Netflix verteidigt ihn und stellt es so dar, als ob die Ablehnung nur an der Verstappen-Dominanz liegen würde. Das ist nicht nur Täterschutz, sondern sorgt dafür, dass die F1 langfristig eine Männerdomäne bleiben wird.
Auch die Darstellung von Zak Brown ist nicht realistisch und FORMEL 1: DRIVE TO SURVIVE STAFFEL 8 sorgt Hand in Hand mit dem CEO von McLaren für ein verzerrtes Bild der Machtstruktur bei Papaya. Denn der Amerikaner inszeniert sich gern als der Teamchef von McLaren, wobei der Italiener Andrea Stella seit 2023 diese Rolle ausführt. Doch das Ignorieren und Ausblenden von Stella verschiebt das Bild für den Architekten der doppelten Weltmeisterschaft. Zak Brown heimst sich mit Unterstützung von Netflix die Lorbeeren anderer Menschen ein.
Damit unterstützt Netflix den selbsternannten Piranha-Club – eine Gruppe konservativer Teamchefs, die Fehler als Schwäche und Fahrer als leicht ersetzbares Material betrachten. FORMEL 1: DRIVE TO SURVIVE STAFFEL 8 schafft Bewunderung für diese Machos, die Fahrer wie Unterhosen wechseln. Dabei zeigt die Serie sogar mit Jonathan Wheatley (Teamchef von Stake F1 Team Kick Sauber, jetzt Audi Revolut F1 Team), dass Positivität, in der alle an einen Strang ziehen deutlich erstrebenswerter ist. Die Dynamiken sind deutlich entspannter und Fahrer gehen mehr Risiken ein, die belohnt werden können.
![Mehrere Personen tragen blaue Teamjacken mit sichtbaren Sponsorenlogos und Headsets. Im Hintergrund sind weitere Teammitglieder und technische Ausrüstung in einer hell beleuchteten Werkstattumgebung zu sehen. [erstellt mit KI]](https://riecks-filmkritiken.de/wp-content/uploads/2026/03/Formula_1__Drive_to_Survive_n_S8_E1_00_03_05_04-1400x788.webp)
Formel 1: Drive to Survive Staffel 8 ©2026 Netflix
Der Schutz der Männerdomäne
Die Formel 1 ist eine absolute Männerdomäne, was mittlerweile oft genug von Fahrern wie Max Verstappen und Lewis Hamilton sowie dem Mercedes Teamchef Toto Wolff kritisiert wird. Letzterer engagiert sich auch herzlich für Mercedes bei der weiblichen F1 Academy. Der Wandel zur Gleichstellung ist kriechend langsam, aber daran ist Netflix mit FORMEL 1: DRIVE TO SURVIVE nicht ganz unschuldig. Denn mit Hannah Schmitz hat Red Bull eine Rennstrategin, die von Netflix gekonnt ignoriert wird, um das Feindbild Red Bull aufrecht zu erhalten. Doch genau diese kleinen Schritte brauchen mehr Aufmerksamkeit.
Wenn Netflix mit FORMEL 1: DRIVE TO SURVIVE langfristig einen echten Mehrwert bieten und zu einem feministischen Wandel beitragen will, dann muss eine potentielle neunte Staffel unbequem für einige Teamchefs werden. Denn Lawrence Stroll (Aston Martin), Bernie Ecclestone (ehemaliger F1 Chef), Flavio Briatore (Alpine), Eddie Irvine (Ehemaliger Ferrari-Fahrer), Sultan Ahmed bin Sulayem (Vorsitzender DP-World und Bruder des FIA-Präsidenten) finden sich alle in den Epstein-Files mit einem direkten Bezug zu Jeffrey Epstein, seinen Partys und/oder Geschäften. Das geht soweit, dass Epstein angeblich die britische Rennstrecke Silverstone kaufen wollte.
Wichtig ist hierbei zu erwähnen, dass die Erwähnung in den Files selbst nicht zwangsweise dafür spricht, dass die Person an den Sexualverbrechen von Jeffrey Epstein beteiligt gewesen sein muss, aber es zeigt wie sehr der Milliardär geschäftlich in der Formel 1 vertieft war. Zudem hat Eddie Irvine zugegeben, dass er auf Epstein Partys war, Briatore wird als Epsteins italienischer Freund bezeichnet und aus den Files geht hervor, dass sich Lawrence Stroll damals entschuldigte, Epsteins Privatinsel nicht besucht zu haben.
Fazit
FORMEL 1: DRIVE TO SURVIVE STAFFEL 8 zeigt, dass Netflix sich mit seiner Serie über den Olymp des Motorsports nicht mehr nur im Kreis dreht, sondern qualitativ abbaut. Noch mehr Framing, weniger Teams, weniger Inhalt, weniger echte Rennen, Auslassen von Fakten und überdramatisches Überspitzen zeichnen die Staffel aus. Dabei ist die Serie so zahnlos und parteiisch, dass mit einer Kritik bezüglich der Epstein-Files nicht zu rechnen ist. Selbst bei Horner hat Netflix keine wirkliche Kritik bieten können. Doch ohne Mehrwert braucht es keine weiteren Staffeln. Denn mit Sichtung der echten Rennen und einen F1-orientierten Algorithmus auf Instagram bekommen Rezipienten die deutlich bessere Show.
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Formula 1: Drive to Survive |
| Netzwerk: NetflixGenre: DocumentaryStaffeln: 8Episoden: 78 | |
ÜbersichtDrivers, managers and team owners live life in the fast lane - both on and off the track - during one cutthroat season of Formula 1 racing. |
Wie hat Dir der Film gefallen?
![Bild aus Formel 1: Drive to Survive Staffel 8: Zwei Personen stehen nebeneinander vor einer Wand mit zahlreichen Sponsorenlogos. Eine Person trägt ein rotes Ferrari-Teamshirt und eine passende Kappe, auf dem Oberarm sind mehrere Tätowierungen sichtbar. Die andere Person hält ein Mikrofon und trägt ein Oberteil mit verschiedenen Sponsorenaufnähern. Im Hintergrund sind unter anderem die Logos von Ferrari, Shell, AWS und Pirelli zu erkennen. [erstellt mit KI]](https://riecks-filmkritiken.de/wp-content/uploads/2026/03/Formula_1__Drive_to_Survive_n_S8_E6_00_23_27_36.webp)


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