Review Fakten + Credits


Rezension

Es ist der 11. November 1975 um 22 Uhr in New York City. Es bleiben genau 1,5 Stunden, bis die amerikanische TV-Landschaft für immer verändert wird – was zu dem Zeitpunkt natürlich noch niemand wusste. SATURDAY NIGHT (welches heute unter dem Titel „Saturday Night Live“ ausgestrahlt wird) ist ein zu dieser Zeit neuartiges Spätabendprogramm auf dem amerikanischen Sender NBC. Live-Sketche, Monologe, Standup-Auftritte, musikalische Performances – so ziemlich für jeden ist was dabei. An eben diesem Abend erfolgte die allererste Ausstrahlung, mit der sich der Film befasst. Im Mittelpunkt: Produzent Lorne Michaels (gespielt von Gabriel LaBelle). Er und seine üppige Crew mit zahlreichen jungen Comedians und Talenten aus dem Show-Bereich wagen das schier Unglaubliche: diese Show, an deren Erfolg keiner so wirklich glaubt (nicht mal die Crew selbst), auf die Beine zu stellen. Chaos ist da natürlich, nicht nur aufgrund der mangelnden Erfahrung in allen Bereichen, vorprogrammiert.

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Zugegeben, es ist etwas kompliziert, sich aus einer nicht-amerikanischen Sicht mit diesem Film und dieser Show auseinanderzusetzen, die in den USA längst einen Kultstatus erreicht hat. In einigen wenigen Tagen feiert „Saturday Night Live“ sein 50-jähriges Bestehen: Zu speziellen Folgen, in denen die ikonische Late-Night-Show zelebriert wird, sind besondere Schauspieler*innen und vergangene Crew-Mitglieder*innen zu Gast. Besonders familiär und vertraut bin ich mit dem Phänomen SNL allerdings nicht. Meistens bekomme ich durch virale Sketche und besonders gelungene Gastauftritte von Hollywood-Stars in den sozialen Medien etwas von der Sendung mit. Oft finde ich das Gebotene sogar witzig. Dennoch war es – zumindest größtenteils – spannend zu sehen, wie SATURDAY NIGHT seinen Ursprung hatte.

SATURDAY NIGHT ist vor allem eins: chaotisch. Darsteller*innen rennen konstant unübersichtlich durchs Bild, Probleme entstehen am laufenden Band, und über den endgültigen Ablauf und sogar den Sinn der Show wird noch in den letzten Minuten vor Sendungsstart diskutiert. Kurzum: Dass SATURDAY NIGHT überhaupt live auf Sendung gehen konnte, grenzt schon an ein mittelgroßes Wunder. Diesen Stress und das Durcheinander in jeglichen Abteilungen spüren die Zuschauer*innen aufgrund vieler filmischer Entscheidungen am eigenen Leib.

zwei Männer und eine Frau unterhalten sich auf einem Gang

Saturday Night ©2024 Plaion Pictures

Filmmusik als zusätzlichen Akteur

Einen großen Beitrag zur außergewöhnlich hektischen Atmosphäre trägt die Musik, wirkt sie doch fast wie ein zusätzlicher Hauptcharakter, so dominant ist ihre Rolle im Film. Sie fühlt sich lebendig an, als würde sie unter Strom stehen. Mit markanten Percussion-Elementen vergibt sie unaufhörlich Impulse, auf die man unweigerlich reagiert. Große Teile des Soundtracks wurden live am Set mit einer Band improvisiert: Diesen Einfluss merkt man deutlich. Das Gefühl der live aufgenommenen Musik versetzt einen geschickt in die Umgebung des Films, in der sich alle Schauspieler*innen gerade auch auf ihre ersten Live-Auftritte vorbereiten. Darüber hinaus werden die einzelnen Orte hinter den Kulissen von SATURDAY NIGHT, wo alles auf den Sendestart vorbereitet wird, in einer hohen Frequenz abwechselnd gezeigt. Dadurch, dass die unterlegte Filmmusik auch sehr kicklastig und sprunghaft daherkommt, unterstreicht sie die sich schnell ändernden Szenen und Bühnenorte gekonnt.

Gesamte Besetzung in Bestform

SATURDAY NIGHT lebt von den Schauspielleistungen des gesamten Ensembles. Die Energie aller Akteure ist immer auf den Punkt genau, dazu spielen sie raffiniert innerhalb der Dialoge mit dem gegebenen schauspielerischen Material des Gegenübers. Obwohl die gesamte Besetzung brilliert, stechen unter anderem Gabriel LaBelle in seiner Hauptrolle als Lorne Michaels, aber auch Cooper Hoffman als Michaels‘ Boss Dick Ebersol hervor und sind eine eigene Nennung wert. Dieser ist übrigens Sohn der Schauspiellegende Philip Seymour Hoffman – das Talent kommt also nicht von ungefähr. Auch Cory Michael Smith als der aneckende Chevy Chase und Rachel Sennott, die ihre Rolle als Michaels‘ Ehefrau und Drehbuchautorin mit ihrem gewohnt eigenen und trockenen komödiantischen Timing inszeniert, tragen zur glänzenden Gesamtleistung des Ensembles bei.

eine Gruppe Menschen in einem TV-Studio schaut begeistert in die Kamera

Saturday Night ©2024 Plaion Pictures

Trotz aller technisch überzeugenden Komponenten bleibt ein Gefühl zurück, dass ein gewisses Extra fehlt, um einen langanhaltenden Wow-Faktor von SATURDAY NIGHT zu bekommen. Die Gründe dafür sind vielseitig. Der Fakt, dass wir als Zuschauer*innen bereits im Voraus wissen, wie das Ganze ausgeht – mit einer erfolgreichen Erstausstrahlung – ist nur einer davon. Für einen tragikomischen Film, der von einer Comedy-Show handelt, ist er erstaunlich… unlustig? Momente, an denen ich herzlich lachen muss, gibt es kaum. Möglicherweise liegt das zum Teil an vielen Sketchen und Momenten im Film, für die man als begeisterter „Saturday Night Live“ Fan besser aufnahmefähig wäre. Da das eben angesprochene Ensemble zudem auch noch eine stattliche Größe mit vielen bekannten Gesichtern hat, ist es schwierig, eine emotionale Bindung zu den Charakteren aufzubauen. Eine besondere Tiefe vermisst man bei allen Figuren – bis auf die des Lorne Michaels – ebenfalls gänzlich. Zu oft springt dafür die Erzählperspektive zwischen den einzelnen Charakteren umher, wodurch man am Ende nur eine (zu) kurze Zeit mit jeder einzelnen Persönlichkeit verbringt.

Fazit

In vielen Aspekten ist SATURDAY NIGHT genau das, was man sich von einem Film dieser Art erhofft. Er sieht (dank der 16-mm-Kamera) gut aus, hat einen großartigen Cast, einen tollen Schnitt und eine einprägsame Filmmusik. Für die Dauer der Spiellänge bietet er auch einiges an Unterhaltung in Addition zu dem neu gewonnenen Wissen, wie die erste Folge Saturday Night (Live) eigentlich zustande kam. Doch die fehlende Spannung durch den bereits bekannten Ausgang, gepaart mit der mangelhaften Komik und einem Drehbuch, welches zu unfokussiert und zerstreut daherkommt, beeinträchtigen den Genuss des Seherlebnisses leider zum gleichen Teil. Für Fans von SNL ist SATURDAY NIGHT natürlich trotzdem ein Muss – und auch für weniger Vertraute, wie mich, gibt es einige Aspekte, die den Film lohnend gestalten.

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Originaltitel Saturday Night
Kinostart 27.9.2024
Länge: 109 minuten
Produktionsland United States of America
Genre: Komödie | Drama
Regie Jason Reitman
Executive Producer Erica Mills | JoAnn Perritano
Producer Peter Rice | Jason Blumenfeld | Gil Kenan | Jason Reitman
Kamera Eric Steelberg
Visual Effects Christian Wood
Musik Jon Batiste
Cast Gabriel LaBelle, Rachel Sennott, Cory Michael Smith, Ella Hunt, Dylan O'Brien, Emily Fairn, Matt Wood, Lamorne Morris, Kim Matula, Tommy Dewey, Cooper Hoffman, Nicholas Braun, Andrew Barth Feldman, Finn Wolfhard, Willem Dafoe, Stephen Badalamenti, Ellen Boscov, John Dinello, J.K. Simmons, Presley Coley

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