Kurzreview
aus dem Programm der 76. Internationalen Filmfestspiele von Berlin
Dreams can show up anywhere, trällert es aus dem Radio, ist für den jungen Protagonisten von Jingkai Qus Kurzfilm KLEPTOMANIA jedoch nicht mehr als ein leeres Versprechen. In den engen Zimmern des Wohnblocks durch deren Decken Klavierklimpern sickert, durch die Schläge mit dem Mauskabel zischen, ist kein Platz für Träume, noch nicht einmal wirklich Platz für ihn selbst.
Kleine Schnipsel, in denen nie die Sonne scheint, in denen der Frost nicht nur die Straßen, sondern auch einige erwachsene Figuren fest im Griff zu haben scheint, erkunden seinen tristen Alltag. Eines Abends verliert er einige wertvolle Sammelkarten an einen älteren Schüler. Durch milchiges Glas schimmert rotes Licht und scheint seine aufgestauten Gefühle signalartig zu visualisieren, – nur eine von einer Handvoll eindringlichen Aufnahmen, die die Lebenswelt und den emotionalen Kern des Protagonisten greifbarer machen.
![Eine Person sitzt auf einem dunklen Stuhl in einem schwach beleuchteten Raum. Im Hintergrund sind unscharfe Gegenstände auf einer Oberfläche zu erkennen. Die Lichtstimmung ist gedämpft und kühl. [erstellt mit KI]](https://riecks-filmkritiken.de/wp-content/uploads/2026/02/202611068_2-1400x843.jpg)
Kleptomania © Parallax
Mit kleinen Diebstählen schleicht der junge Protagonist (Zhiye Wang) durch sein tristes Umfeld, ertastet Grenzen, beginnt zu verstehen. Eine Welt, die nicht nur von häuslicher, sondern von vieler Art Gewalt geprägt ist, welche ihren Weg immer wieder in die ruhigen, kühlen Aufnahmen findet. Sei es in beiläufigen Gesprächen, in Videospielen, in Form abgekauter Hänchenknochen, riesiger Tiergerippe, Schlägen auf die Handfläche. Oder in Form fehlender Wärme, fehlender Zuneigung. Jingkai Qus kühle zwanzig Minuten suchen keine analytischen Erklärungen, sondern in ihrer Stille und Zurückhaltung unheimlich aufgewühlte Gesellschafts- und Figurenskizzen. Und das auf einnehmende, fein konstruierte Art und Weise.
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| Originaltitel | 地三鲜 |
| Kinostart | 16.6.2025 |
| Länge: | 23 minuten |
| Produktionsland | China |
| Genre: | Drama |
| Regie | Qu Jingkai |
| Cast | Wang Zhiye, Dai Pali |
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![Szenenbild zu Kleptomania: Ein Kind steht mit dem Rücken zur Kamera in einem dunklen Raum und blickt durch eine geöffnete Tür in einen helleren Raum. Die Silhouette des Kindes ist deutlich erkennbar, Details des Gesichts und der Kleidung sind durch die Beleuchtung nicht sichtbar. Im Hintergrund sind ein Schreibtisch und ein Stuhl zu sehen, die von Tageslicht beleuchtet werden. [erstellt mit KI]](https://riecks-filmkritiken.de/wp-content/uploads/2026/02/©-Parallax-202611068_1.jpg)



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