Review Fakten + Credits


Rezension

Zu Beginn Maggie Gyllenhaals opportunistischen Mash-up von James Whales ikonischem BRIDE OF FRANKENSTEIN und Arthur Penns BONNIE AND CLYDE grölt Jessie Buckley in ihrer Tripe-Rolle als Mary Shelley, Gangster Moll Ida und THE BRIDE!, der technisch toten Titelfigur in einem schwarz-weißen Prolog-Monolog grölt, sie wolle, das Publikum schockieren, bis es “Hilfe!” schreit. Das mit dem Hilfe-Schrei klappt ganz gut, nur ist der Anlass mehr der riesige Holzhammer, mit dem die Regisseurin und Drehbuchautorin alles kurz und klein haut. Genre-Kino, Gangster-Movie, Love-on-the-run-Saga, Musical, Monster-Film, Horror, Historienbild, Kostümtheater, Tanzshow, RomCom, feministische Fanfare: THE BRIDE! will alles sein und ist auch deswegen nichts überzeugend. 

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Ein grandioses Scheitern wäre zumindest unterhaltsam gewesen, doch Gyllenhaals zweite Regiearbeit ist nur eine, mit den rhythmischen Reimen der Titelfigur ausgedrückt, Kopie – Kakophonie. Auf inszenatorischer und dramaturgischer Ebene, wohlgemerkt. Hildur Guðnadóttirs Musik ist gewohnt großartig und nicht die einzige plakative Verbindung zu JOKER: FOLIE À DEUX. Dessen Mix aus Medienkritik, Musical-Eskapismus und toxischer Romanze diente augenscheinlich als Blaupause der abstrusen Handlung. Darin spaziert Christian Bales Frankenstein aka Frank, der unerklärlicherweise den Namen seines Schöpfers trägt, in Dr. Euphronious (Annette Benning) Laborwohnung und bestellt sich eine Braut. Also reanimiert Frau Doktor ihm Sexworker Ida (Buckley), die episodisch von Mary Shelley besessen ist. 

Eine Frau aus der Unterschicht braucht erst den Geist einer gebildeten Mittelklasse-Dame, um überhaupt einen zu haben. Ida ist nach dem Ethos weißen mittelständischen straighten Feminismus Wegwerfware, eine attraktive Hülle für die Projektionen Shelleys, Franks und Gyllenhaals. Sie schickt das Monster-Match auf einen mörderischen BONNIE & CLYDE Trip von Chicago nach New York zu den Niagara Fällen. Verfolgt werden sie von Detektive Jake Wiles (Gyllenhaals Gatte Peter Sarsgaard) und seiner Sekretärin Myrna Mallow (Penelope Cruz), die tatsächlich die Ermittlungen übernimmt. Weil Frank für Feed-Astaire-Alter-Ego Ronnie Redd (Jake Gyllenhaal) schwärmt und THE ROCKY HORROR PICTURE SHOW auch abgekupfert werden muss, gibt es ekstatische Tanzeinlagen.

Innenansicht eines älteren Fahrzeugs mit geteiltem Frontfenster. Zwei Personen sitzen auf den Vordersitzen, eine am Steuer, die andere auf dem Beifahrersitz. Das Armaturenbrett und das Lenkrad sind sichtbar, das Licht fällt durch die Windschutzscheibe auf die Insassen. Die Szene vermittelt den Eindruck einer Autofahrt auf einer Landstraße. [erstellt mit KI]

The Bride © 2026 Warner Bros. Entertainment Inc.

Deren Choreographien sind gut, die Maske und Kostüme fabelhaft, die Retro-Studiobauten amüsant. Bale und Buckley sind ausreichend unterhaltsam, aber ohne jede romantische Chemie. Beide proklamieren ständig, sie seien Monster und vergessen davor das „Mainstream“, „Marketing“ und „Mittelschicht“. Monströs ist dafür der Plot, zusammengestückelt aus toten Teilen besserer Filme. Auch JOKER: FOLIE À DEUX. Dessen Medien-Mayhem ersetzt Gyllenhaal mit einem fadenscheinigen Feminismus, der mehr Opportunismus ist. Weibliche Ermächtigung zelebriert sie als etwas, für das privilegierte Frauen ihren Intellekt geben und unterprivilegierte ihren Körper. Der bleibt Konsumgut, buchstäblich in Männerhand. Da kann dessen ursprüngliche Eigentümerin zuvor noch so viel „Me, too!“ schreien. 

Fazit

Echt ist an Maggie Gyllenhaals morbider Monster-Maskerade und Modenschau nur das Ausrufungszeichen. Der Rest ist schauspielerisch solides, doch seelenlose Spektakel. Ein narzisstischer Nachruf auf die MeToo-Bewegung, die Trad Wives und Transphobie längst ins restaurative Gegenteil verkehrt haben. Eine heteronormative Hommage Gyllenhaals an sich selbst und ihre Sippe. Eine sinnleere Straightification eines queeren cineastischen Kult-Klassikers, die nicht an dessen Subtext, Sensibilität und Sarkasmus interessiert ist, sondern dessen ikonischen Status. THE BRIDE!, der Film und seine Protagonistin, erklärt sich zum Sprachrohr der zum Schweigen gebrachten, nur um von sich selbst zu schreien. MeToo ist hier nur noch Me, Me, Me. 

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Review Fakten + Credits


Originaltitel The Bride!
Kinostart 4.3.2026
Länge: 127 minuten
Produktionsland United States of America
Genre: Science Fiction | Horror | Komödie
Regie Maggie Gyllenhaal
Executive Producer Courtney Kivowitz | Carla Raij | David Webb | Pete Chiappetta | Andrew Lary | Anthony Tittanegro
Producer Emma Tillinger Koskoff | Talia Kleinhendler | Maggie Gyllenhaal | Osnat Handelsman-Keren
Kamera Lawrence Sher
Visual Effects Mark Russell
Musik Hildur Guðnadóttir
Cast Jessie Buckley, Christian Bale, Annette Bening, Penélope Cruz, Peter Sarsgaard, Jake Gyllenhaal, John Magaro, Matthew Maher, Jeannie Berlin, Zlatko Burić, Louis Cancelmi, Julianne Hough, Linda Emond, Ben Green, Massiel Mordan, Stephanie Troyak, Karin Dreijer, William Hill, Alex Morf, Sofia Ko

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