Review Fakten + Credits


Rezension

aus dem Programm der 76. Internationalen Filmfestspiele von Berlin

Mitgestaltet wurde THE FABULOUS TIME MACHINE, der diesjährige Eröffnungsfilm des Generation Kplus-Wettbewerbes, zum großen Teil von seinen jungen Akteur*innen selbst: von Manu, Sophia, Manuellinha, Alice, Ana Vitoria und einer Handvoll anderer Mädchen, die alle in derselben Gegend, in Guaribas, Brasilien leben. Wie vielerorts sind ihre Gedanken und ihr Alltag von der ökonomischen Lage ihres Heimatdorfes, festen Geschlechterrollen und religiösen Einflüsse geprägt, – aber auch vom Widerstand dagegen.

Was als Stipendium zur Erforschung der Auswirkungen des staatlichen Sozialhilfeprogramms Bolsa Família auf Geschlechterverhältnisse begann, entwickelte sich in über zehn Jahren zu einem ambitionierten Filmprojekt. Statt einer tiefen Analyse ihrer Beobachtungen oder der marginalisierenden Strukturen stellt Eliza Capai in ihrer Dokumentation vor allem die Perspektiven der jungen, weiblichen Protagonist*innen in den Vordergrund, deren Lebenswelt sich im Vergleich zu der ihrer Mütter schon ins Positive entwickelt hat.

Aus datenschutzrechtlichen Gründen benötigt YouTube Ihre Einwilligung um geladen zu werden. Mehr Informationen finden Sie unter Datenschutzerklärung.

Die Köpfe und ein Film voller Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Mann und Frau?, stellt der Film als eine von mehreren wiederkehrenden Fragen in den Raum, findet aber selten nachhaltige, ausführliche Antworten darauf, schon gar keine die ein binäres System verlassen. Vielmehr dienen Fragen wie jene als Anknüpfungspunkte für die kindlichen Gedanken der Mädchen*, die unverstellt von ihrem Leben, von ihren Ängsten berichten, Traditionen und Unterschiede zwischen den Geschlechtern zu hinterfragen beginnen und von ihren Träumen erzählen.

Einiges davon erwacht in bunt kostümierten, improvisierten Spielfilm-Miniaturen zum Leben, die die Verspieltheit der jungen Menschen aufgreifen, sie mitgestalten lassen und Augenhöhe schaffen. Sie stehen im Kontrast zu all den herkömmlich eingefangenen Interviewschnipseln, in denen sie oder auch deren Mütter ihre Gedanken und Erlebnisse schildern. Das Ausmaß und die Wirkung bestehender patriarchaler Gewalt und sexueller Übergriffe wird dabei  zwar angetastet, von dem optimistischen, hoffnungsvollen Grundtenor aber klein gehalten.

Eine Person blickt durch ein rundes Loch in einer blauen Fläche. Man sieht ein Auge und einen Teil des Gesichts. Eine Hand ist unscharf im Vordergrund erhoben. [erstellt mit KI]

The Fabulous Time Machine © Carol Quintanilha

Eher hält die Dokumentation für ein jüngeres Zielpublikum universelle Anknüpfungspunkte bereit. Sei es inhaltlich mit Blicken aufs Erwachsenwerden und die Angst vor dem Tod oder sei es die Inszenierung, die keineswegs nüchtern oder zurückhaltend, sondern kindgerecht auffallend und farbenfroh ist. So quirlig die Doku die Perspektiven ihrer Protagonistinnen jedoch immer wieder aufzugreifen weiß, so zurückhaltend wirkt sie dann, wenn strukturelle, religiöse Einflüsse ihr Diskussionspotential zeigen.

Biblische Geschichten und Symbolik etablieren sich früh mit einer freien Interpretation der Schöpfungsgeschichte, sind aber selten Teil kritischer Beobachtungen. Ebenso wenig, wie sich der Film auf nachhaltige Ursachensuche für die anhaltende Armut begibt oder eine weitere Auseinandersetzung mit dem Bolsa-Família-Programm anstrebt. Dafür scheint das Porträt der jungen weiblichen Generation, die mit ihrer lebendigen Art auch mal Thema und Rhythmus des Films bestimmt, schon für sich allein betrachtet zu vielstimmig.

Fazit

Interviews, Spielfilmszenen und Alltagsausschnitte ihrer jungen Protagonist*innen verbindet Eliza Capai zu einem bunt zusammengewürfelten Dokumentarfilm für ein junges Publikum. Vielen anderen dürfte eine wirkliche nachhaltige Auseinandersetzung mit der Lebenssituation in der mal märchenhaften, mal naiven, aber stets lebendigen Aneinanderreihung zu kurz kommen.

Wie hat Dir der Film gefallen?
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne6 Sterne7 Sterne8 Sterne9 Sterne10 Sterne (Bisher gibt es keine User-Bewertung zu diesem Film)

Loading...

Review Fakten + Credits


Originaltitel A Fabulosa Máquina do Tempo
Kinostart 13.2.2026
Länge: 70 minuten
Produktionsland Brazil
Genre: Dokumentarfilm
Regie Eliza Capai
Cast Manuellinha, Manu, Sophia