Review
Eine plötzliche Querschnitzlähmung sowie der Verlust des Beziehungspartners wäre für die meisten Menschen ein schwerer Schicksalsschlag, welcher in ein tiefes Loch rutschen lässt. Depressionen und Suizidgedanken sind hier eine logische Folge. Doch was, wenn ein zurückgezogener und sozial unbeholfener Tech-Guru sowie Milliardär eine Rettungsleine in Form eines KI-Chips anbietet.
Diese Frage stellt sich der Film UPGRADE, welcher von Regisseur Leigh Whannell inszeniert und von Blumhouse im Jahr 2018 veröffentlicht wurde. Ein deutscher Kinostart blieb jedoch aus. Der Film kam mit einem minimalen Budget von gerade mal 3 Millionen Dollar aus und verspricht eine futuristische Cyberpunk-Welt, welche aber dennoch greifbar echt wirkt. Ob UPGRADE sein Versprechen halten kann, oder zu den gewöhnlichen Blumhouse-Gurken gehört, ist hier die spannende Frage.
Cyberpunk, aber richtig
UPGRADE schafft es von der ersten Sekunde an, das perfekte Cyberpunk-Gefühl zu vermitteln. Selbstfahrende Autos, die den selbstmörderischen Cybertruck von Tesla optisch inspiriert haben, Smart Home wie bei Iron Man, Smart Life mit futuristischen Prothesen und eine komplett vernetzte Welt sind hier nur der Anfang. Der Film überrascht auch immer wieder mit kreativen Schritten, wie eine Cloud in Form einer echten regnerischen Wolke darzustellen.
Da ist es konsequent, dass der Hauptcharakter (verkörpert von Logan Marshall-Green) als Gegenstück zu der komplett digitalen Welt versucht, so analog wie möglich zu leben. Damit sorgt UPGRADE automatisch für charakterliche Wandel und Veränderungen, wenn Grey Trace (Logan Marshall-Green) querschnittsgelähmt und damit doch auf die Technik angewiesen ist. Zudem entgeht es nicht einer gewissen Ironie, wenn der Protagonist, welcher die Cyberpunk-Dystopie hasst, dank KI ein ansatzweise alltägliches Leben bekommen kann.
Skepsis Blumhouse
Blumhouse und Jason Blum: Die Namen sorgen heutzutage für eher skeptische Blicke und das Wissen, dass der Kopf die nächsten 90 Minuten abgeschaltet werden kann. Doch UPGRADE ist anders und überrascht. Die Charaktere sind spannend und konsequent erzählt. Der Film gibt genug Raum für Liebe, Rache, Trauer und Hass. Dabei ist die Story bei weitem keine Oscarperformance, aber dennoch glaubhafte Arbeit, die bei dem Studio gern öfter gesehen werden kann.
![Eine Person sitzt mit verschränkten Händen auf einem niedrigen Hocker in einem futuristisch gestalteten Raum. Im Hintergrund sind mehrere digitale Bildschirme mit technischen Grafiken und schematischen Darstellungen von menschlichen Körpern und Daten zu sehen. Die Wand besteht aus geometrisch angeordneten, goldfarbenen Paneelen mit Glasflächen. [erstellt mit KI]](https://riecks-filmkritiken.de/wp-content/uploads/2025/12/5827091-1400x788.webp)
Upgrade ©Universal Pictures
Und auch, wenn Rachestorys im Filmmarkt inflationär vorhanden sind, hebt sich UPGRADE auf seine eigene Art aus der Masse ab. Denn das Cyberpunkszenario ist trotz Hype dank Spielen wie CYBERPUNK 2077 in der Filmwelt immer noch rar, wodurch auch die rettende KI, die dem Querschnittsgelähmten neue Wege bietet für sich stehen kann. Einzig die Polizistin Detective Cortez (Betty Gabriel) bleibt ein wenig zu blass.
Detailliebe pur
Logan Marshall-Green spielt sich einen ab, was Grund allein für UPGRADE ist. Selten hat ein Darsteller eine Lähmung so glaubhaft präsentiert. Die Machtlosigkeit ist für die Rezipienten zum Greifen nahe. Das Highlight beginnt aber, wenn der KI-Chip Stem (gesprochen von Simon Maiden) als Brücke fungiert. Dann bewegt sich der Hauptdarsteller agil, aber erkennbar robotisch, was mit der Zeit immer mehr abnimmt. Ein kleines Detail, welches zeigt, dass die KI lernt.
Die Kameraarbeit von Stefan Duscio lässt UPGRADE in einem Glanz erstrahlen, welcher bei Blumhouse-Filmen zumeist vermisst wird. Schnittgewitter, Wackelfahrten oder billige Tricks sind hier Fehlanzeige. Gerade für solch einen modernen Actionthriller ist das Bild auffällig, aber angenehm ruhig. Das zahlt sich besonders in der bewegungsreichen Action aus, denn UPGRADE dreht in Sachen Kreativität richtig auf und bietet Bilder, die lange in Erinnerung bleiben.

Upgrade ©Universal Pictures
Besonderes Lob haben hier aber Kostüm und CGI verdient. Denn trotz dem minimalen Budget ist UPGRADE das Cyberpunk-Szenario sofort anzusehen. Sein des die Computerimplantate, in den Körper eingebaute Waffen, smarte Autos oder kleine Dinge wie Nanobots. Sie schaffen eine greifbare Welt, die bei den Rezipienten für die Frage sorgt, warum aktuelle Hollywood-Blockbuster immer weniger solch kreative Welten schaffen können.
Fazit
UPGRADE ist eine klare Empfehlung und überzeugt mit beeindruckenden Effekten, einer ruhigen Kamera und einem Schauspiel, bei dem besonders Logan Marshall-Green mit der facettenreichen Darstellung überzeugen kann. Und auch die Lauflänge von 100 Minuten ist kurzweilig, der Film schaut sich gut runter. Wer Cyberpunk-Welten liebt, sollte sich UPGRADE definitiv sichten. Denn das ist kein second-Screen-Film und belohnt Rezipienten, die aufmerksam zusehen.
UPGRADE schaut sich schnell runter. Nur schade, dass Blumhouse mit dem Film eine Kampfansage an Hollywood liefern wollte, aber krachend gescheitert ist. Seitdem fokussiert sich das Studio ja vermehrt auf 0815-Geisterbahnhorror, auch wenn Filme wie US, GET OUT oder WHIPLASH positive Ausreißer sind. Diese sind aber schon älter und eher die Ausnahme. Rezipienten vermissen vermehrt die Kreativität anstatt den schnellen Cashgrab.
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| Originaltitel | Upgrade |
| Kinostart | 31.5.2018 |
| Länge: | 100 minuten |
| Produktionsland | Australia |
| Genre: | Action | Thriller | Science Fiction |
| Regie | Leigh Whannell |
| Executive Producer | Couper Samuelson | Jeanette Volturno | Rosemary Blight | Ben Grant | Leigh Whannell | Charles Layton |
| Producer | Brian Kavanaugh-Jones | Kylie du Fresne | Jason Blum | Phillip Dawe | Beatriz Sequeira | Bailey Conway |
| Kamera | Stefan Duscio |
| Visual Effects | Jonathan Dearing |
| Musik | Jed Palmer |
| Cast | Logan Marshall-Green, Betty Gabriel, Harrison Gilbertson, Melanie Vallejo, Benedict Hardie, Linda Cropper, Simon Maiden, Steve Danielsen, Richard Cawthorne, Christopher Kirby, Abby Craden, Richard Anastasios, Kenny Low, Emily Havea, Ming-Zhu Hii, Stephanie Demkiw, Manjot Jassal, Esther Joseph, Sachin Joab, Matt Davis |
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![Eine Person mit dunkler Jacke und Hose geht eine breite Treppe in einem schmalen, hohen Gang hinunter. Die Wände und Stufen bestehen aus Beton, das Licht ist kühl und bläulich. Am oberen Ende der Treppe ist ein heller, rechteckiger Lichtschein sichtbar. [erstellt mit KI]](https://riecks-filmkritiken.de/wp-content/uploads/2025/12/3755398-1.webp)

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