Review
PFERD AM STIEL ist ein deutscher Kinderfilm in Koproduktion mit KIKA, in dem die 13 jährige Sarah (Manon Debaille) mit ihrer besten Freundin Dilek (Chiara Kitsopoulou) die Sportart Hobby Horsing entdecken. Während Dilek dem Sport eher skeptisch gegenübersteht, um bei den coolen Klassenkameradinnen besser anzukommen, verliert sich Sarah im Hobby Horsing und möchte mit ihrer Mentorin Beatrice (Aurelia Ott) sogar an einer finnischen Meisterschaft teilnehmen.
Die ganze Farbpalette
Wer sich fragt, warum Bild- sowie Videoschnittprogramme eine solch üppige Auswahl an Farbfiltern haben findet in PFERD AM STIEL die Antwort: Der Film spielt mit krassen Kontrasten sowie Filterwechseln, die das Bild wie ein Negativ einer Aufnahme oder manchmal auch ein performatives Analogbild wirken lassen. Der Einsatz ist hierbei Geschmackssache, aber Rezipienten, die von diesem Stilmittel eher abgeneigt sind, könnten damit viel mehr leben, wenn dieses nicht willkürlich und ohne erkennbaren Grund eingesetzt worden wär.
Hinzu kommt ein Schnitt, welcher das jüngere Publikum an die Jumpcut-Ära deutscher Vlogger sowie Influencer auf YouTube erinnert. Selbst wenn das als hippes Stilmittel für die Jugend gemeint ist, ist es für PFERD AM STIEL nicht dienlich, da immer wieder Bewegungen im Schnitt fehlen und das Geschehen selbst zu steif wirkt. Selbst, wenn es sich „nur“ um einen Kinderfilm handelt, darf dennoch mehr Qualität erwartet werden. Denn Kinder sind mit etwas Glück die Cineasten von Morgen.
Der KIKA-Nachmittagsfilm
Um den Wahnsinn der Verwirrung zu vervollständigen, weist PFERD AM STIEL ein nicht nachvollziehbares Erzähltempo und einen Tenor auf, der nicht sinnhaft erscheint. Das erste Drittel plätschert zu sehr vor sich hin und langweilt die Rezipienten mit übertriebener Auserzählung der Charaktere, währenddessen der zweite Akt wie eine unaufhaltsame Flut aus Ereignissen wirkt. Dass nicht gleich viel geschehen kann, steht außer Frage, aber PFERD AM STIEL bietet einen zu krassen Kontrast im Erzähltempo.
![Zwei Personen stehen im Vordergrund und formen mit ihren Händen ein Herz. Beide tragen lässige Kleidung, eine Person trägt große Creolen. Die Szene ist in kräftige, bunte Farben getaucht, wodurch ein auffälliger Farbeffekt entsteht. Im Hintergrund sind weitere Menschen auf einem gepflasterten Platz zu sehen, Bäume spenden Schatten. [erstellt mit KI]](https://riecks-filmkritiken.de/wp-content/uploads/2026/03/04_PferdAmStiel_PortauPrincePictures_Lieblingsfilm-1400x587.webp)
Pferd am Stiel ©2026 Lieblingsfilm
Für einen Fernsehfilm spielen die Darstellenden solide, aber PFERD AM STIEL versteht sich als Kinofilm, der eine jüngere Zielgruppe ansprechen will. Und für einen Film, für den an der Kasse pro Person ein Ticket bezahlt werden muss, ist die Darstellung der Charaktere zu steif. Zwar gibt es vereinzelte Lacher im Saal, diese sind aber weniger dem Schauspiel oder feinfühligen Humor, sondern mehr dem Fremdscham geschuldet.
Der Elefant im Raum
Immerhin schafft PFERD AM STIEL es, vereinzelte Klischees anzusprechen und diese beseitigen zu wollen. Der angesprochene Klassenunterschied ist zwar aus einer liberal verträumten Sicht geschrieben und die Systemkritik bleibt rein performativ, aber der Film kriegt es hin, die Arroganz von Akademikern gegenüber Menschen mit niedrigeren Schulabschlüssen, treffend darzustellen. Doch der Fokus liegt auf Hobby Horsing und PFERD AM STIEL schafft es aufzuzeigen, dass der Sport fordernd sowie anstrengend ist und kein gequältes Pferd erfordert.
Doch das größte Problem von PFERD AM STIEL ist der Name selbst. Dieser wirkt wie ein billiger Pornotitel und erinnert zudem an den Titel des schlüpfrigen Films EIS AM STIEL. Doch gerade, wenn bedacht wird, dass pädophile (zumeist) Männer sich an Hobby Horsing Inhalten erfreuen, da vor allem junge Mädchen bei diesem Sport partizipieren, wäre ein anderer Titel ohne solch einen Interpretationsspielraum erstrebenswerter gewesen. Hobby Horsing hätte als Titel allemal gereicht.
![Vier Personen in blauen Trainingsanzügen sitzen eng beieinander auf dem Boden vor einem Supermarkt mit rotem Schriftzug. Sie schauen gemeinsam auf ein hellblaues Smartphone, das eine von ihnen in den Händen hält. Im Hintergrund sind ein geschwungenes Betondach und ein mehrstöckiges Gebäude zu sehen. [erstellt mit KI]](https://riecks-filmkritiken.de/wp-content/uploads/2026/03/06_PferdAmStiel_PortauPrincePictures_Lieblingsfilm-1400x587.webp)
Pferd am Stiel ©2026 Lieblingsfilm
Fazit
PFERD AM STIEL wird hauptsächlich die junge Zielgruppe ansprechen, den erwachsenen Rezipienten aber wenig Unterhaltung bieten. Die Bilder bedienen die ganze Farbpalette, der Schnitt ist zu hektisch, das Schauspiel zum Fremdschämen und der Titel mehr als ungünstig gewählt. Und dennoch schafft der Film es, das Thema Hobby Horsing gerecht zu betrachten, ohne in eine Vorverurteilung oder Stigmatisierung verfallen zu wollen.
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| Originaltitel | Pferd am Stiel |
| Kinostart | 23.4.2026 |
| Länge: | 80 minuten |
| Produktionsland | Germany |
| Genre: | Familie | Komödie |
| Regie | Sonja Kröner |
| Producer | Anna-Lena Freiling |
| Kamera | Julia Daschner |
| Cast | Manon Debaille, Chiara Kitsopoulou, Aurelia Ott, Arton Malaj, Lana Cooper, Gonca de Haas, Aziz Çapkurt, Doguhan Kabadayi, Valerie Koch, Anna Gesa-Raija Lappe, Thomas Loibl, Claudia Schlenger, Sara Huseinbasic |
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![Szenenbild aus Pferd am Stiel: Drei junge Menschen stehen eng beieinander auf einem gepflasterten Platz im Freien. Die Person links hält ein Steckenpferd mit weißem Kopf und schwarzem Zaumzeug. Alle drei tragen sommerliche Kleidung, darunter bauchfreie Oberteile und Hosen mit auffälligen Gürteln. Sie halten jeweils ein Blatt Papier oder eine Karte in der Hand. Im Hintergrund sind ein großer Baum, ein Gebäude mit blauer Fassade, ein Sonnenschirm und ein buntes Zielscheibenmotiv zu sehen. [erstellt mit KI]](https://riecks-filmkritiken.de/wp-content/uploads/2026/03/02_PferdAmStiel_PortauPrincePictures_Lieblingsfilm_LarsNitsch.webp)

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