Review Fakten + Credits


Rezension

aus dem Programm des 41. Dok.fest München

Immer, wenn Soraya mit anderen Menschen zu einem „Spiel“ aufbricht, riskiert die Teenagerin ihr Leben. Gemeint sind damit in A FOX UNDER A PINK MOON vor allem Fluchtversuche wie etwa von der Türkei nach Griechenland. Zusammengepfercht in engen Transportern oder stundenlang zu Fuß im Grenzgebiet, riskante Aktionen bei Tag oder bei Nacht. Solche hält die junge Soraya, geboren in Afghanistan, mit ihrem Handy fest und dokumentiert ein Stück ihres Lebens und Erwachsenwerdens auf der Flucht.

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Andere Ausschnitte des bruchstückhaften Videotagebuches zeigen ihren Alltag, das Zusammenleben mit ihrem gewalttätigen Ehemann und: ihre Kunst. Immer wieder stehen die Bilder und Skulpturen der jungen Künstlerin im Vordergrund und werden nicht nur in Form des titelgebenden Fuchses, sondern auch durch eine Clownsfigur und surreale Bilderwelten zu eindrucksvollen wie gespenstischen Wegbegleiterinnen.

„I have expierenced drowning in my life“

In einem dokumentarischen Mosaik setzt Mehrdad Oskouei, hinter dem Soraya lediglich als Co-Regisseurin aufgeführt wird, die Einblicke ungeschönt zusammen. Jene durchdringen nicht nur Fragen nach einem sicheren Ort zum (Über-)Leben, sondern auch grundsätzliche Identitäts- und Zugehörigkeitskonflikte. Sorayas Perspektive, gezeichnet von Marginalisierungen aufgrund ihres Geschlechts, ihres Alters, des Geburtslandes und ihres Status als Geflüchtete, bleibt dabei immer unmittelbar; ihr kontrolliertes, aber einfühlsames Voice-Over durchweg unaufdringlich.

Eine junge Frau sitzt bei Nacht mit dem Rücken zur Kamera. Ein pinker Mond steht am Himmel, rechts neben ihr sitzt ein animierter Fuchs.

A Fox under a Pink Moon © DOK.fest München

Mehrdad Oskouei führte zwar aus der Ferne Regie, viel öfter ist A FOX UNDER A PINK MOON aber ein Selbstporträt geworden, in dem die unpolierten Smartphone-Aufnahmen Distanz verlieren und die Kamera, wie Soraya selbst beschreibt, zur engen Freundin wird. Im Widerstand gegen die patriarchalen und andere repressive Strukturen wird ihre Videodokumentation zur Zeugin misogyner und rassistischer Gewalt, zum Sprachrohr vieler marginalisierter Menschen sowie zum mehrere Jahre umspannenden Zeitdokument, das fremdenfeindliche westliche Narrative über Schutzsuchende wirksam aushöhlt.

Fazit

Für Soraya selbst wurde die Arbeit an der Dokumentation und ihrer eigenen künstlerischen Sprache zur existentiellen Verarbeitungs-, Überlebens- und Ermächtigungsstrategie. A FOX UNDER A PINK MOON wächst mit seiner Protagonistin und ihrem Schaffen, befindet sich genauso oft wie sie auf der Flucht und in erwartungsvoller Bewegung und steht genau so oft regungslos still wie sie. Ein intimes, poetisch wie schonungsloses Videotagebuch.

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Review Fakten + Credits


Originaltitel روباه و ماه صورتی
Kinostart 15.11.2025
Länge: 76 minuten
Produktionsland Iran
Genre: Dokumentarfilm
Regie Mehrdad Oskouei
Executive Producer Siavash Jamali | Tony Tabatznik | Rebecca Lichtenfeld | Chandra Jessee
Producer Mehrdad Oskouei
Kamera Soraya Akhalaghi
Musik Afshin Azizi
Cast

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