Review Fakten + Credits


Einleitung der Rezension. Singend vorgetragen, beschwingte Musik. Nachfolgend zu lesen: von großen und von kleinen Vögeln, rabenschwarzen Begegnungen, einem ungleichen Männerduo und dem dritten Film der neuen Pier Paolo Pasolini Collection. Nur wenige Jahre nach einem seiner bekanntesten Werke, der biblischen Verfilmung DAS 1. EVANGELIUM – MATTHÄUS, zwitscherte sein surreales Drama mit Komödiant, Liedtexter und Schauspieler Totó über die Leinwand. Ins Ohr geht in diesem nicht nur eine ungewöhnliche Eröffnungssequenz, sondern durchweg die Musik des Großmeisters Ennio Morricone. Nach dem Milieusdrama ACCATTONE und der dokumentarischen Reise in GASTMAHL DER LIEBE, ist GROẞE VÖGEL, KLEINE VÖGEL die erste Groteske in der 5-Film-starken Veröffentlichung von Plaion Pictures. Ende der Einleitung. Ende von Musik und Gesang.

Darum geht es

Zwei Männer auf Wanderschaft: Marcellino, Kleinbürger und Vater von 18 Kindern und Ninetto, sein ältester Sohn, der ihn auf einen langen Fußweg begleitet. Den beiden Weggefährten schließt sich ein sprechender Rabe an, der sie in ein Gespräch verwickelt. Unter anderem erzählt der Rabe eine Geschichte aus dem Jahr 1200 und rüttelt am Weltbild der überzeugten Herrschaften …

Rezension

Pier Paolo Pasolini Collection Cover

Pier Paolo Pasolini Collection ©2022 Plaion Pictures

Von der eingesungenen Opening-Credits-Begrüßung entspinnt sich GROẞE VÖGEL, KLEINE VÖGEL als ungewöhnliches Roadmovie mit gegensätzlichen Vater-Sohn-Gespann. In einer Aneinanderreihung verschiedener Episoden folgt der Film der Wanderschaft des blauäugigen, schamlosen und einfältigen Sohnemanns und dessen erfahreneren und abgeklärteren Vaters, denen sich alsbald ein tierischer Wegbegleiter anschließt. Der Rabe, konsequent gesiezt und mittels Voice-Over zum Leben erweckt, ist nur eines von vielen Puzzlestücken, welches die Vogelmetaphern im Film aufgreift.

Auf schmalen Grat zwischen oberflächlichen Klamauk und Gesellschaftskritik philosophiert der Film zeitweise über den Zustand des Menschen und der Welt, spottet und illustriert fragmentarisch Konflikte. Einzelne herausgegriffene Themen rundum Leben und Tod schürfen an kleinbürgerlichen Sichtweisen der simpel gestrickten Protagonisten, jedoch ohne Erfolg, wie der tierische Überbringer am Ende bitter feststellen muss. Ein böser und konsequenter Schluss, gegenüber welchem deutlich wird, wie zurückhaltend und zahm vorangegangene Szenen waren, die häufig Slapstick- oder Stummfilmanleihen adaptierten.




Grotesken bleiben glücklicherweise ungeklärt, die Bilder aufgeladen mit allerlei (religiöser) Symbolik. Von vorneherein sind die Figuren leicht entrückt: sich am äußersten Bildrand bewegend, abgeschnitten oder im Gespräch aneinander vorbei blickend. Zudem zeugen weite Aufnahmen von Mario Bernardo und Tonino Delli Colli, der bereits bei ACCATONE und GASTMAHL DER LIEBE mit Pasolini zusammenarbeitete und auch Klassiker wie ZWEI GLORREICHE HALUNKEN und SPIEL MIR DAS LIED VOM TOD fotografierte, von interessanten Bildkompositionen und monochromer Wirkungskraft. Ergänzt wird die überwiegend dynamische Inszenierung, die erst in der zweiten Hälfte die Laufzeit spüren lässt, von der eingangs erwähnten Musik Morricones, die sich motivisch und erzählerisch einfügt, als wäre sie eine eigenständige Nebenfigur.

FazitStilisierter Negativfilm mit roter Ziffer 6

GROẞE VÖGEL, KLEINE VÖGEL wirft mit seinen Flügeln weniger große Schatten als andere Werke des italienischen Filmemachers, ist für Fans von Pasolini und dem italienischen Kino aber allemal interessant. Versponnene und verspielte Groteske zwischen Klamauk und Ernsthaftigkeit.

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