Review
JARHEAD – WILLKOMMEN IM DRECK ist ein US-Amerikanisches Kriegsdrama des britischen Regisseurs Sam Mendes, welcher für Filme wie 1917 oder JAMES BOND 007: SKYFALL bekannt ist, und beruht auf dem gleichnamigen Buch von Anthony Swofford, welcher in diesem seine Erlebnisse als Scout Sniper bei den Marines bei Operation Desert Shield und Operation Desert Storm im zweiten Golfkrieg schildert.
Der junge Anthony Swofford (Jake Gyllenhaal) steht mit Freundin und eigener Wohnung eigentlich mitten im Leben, weiß aber nichts wirklich mit sich anzufangen. Ohne lange zu überlegen was er sich von dieser Karriere erhoffen kann, beginnt er eine Scharfschützenausbildung bei den Marines. In dieser wird er vom Staff Seargent Sykes (Jamie Foxx) bis über den Abschluss hinaus gepeinigt und gemobbt.
Als dann im Jahr 1990 Saddam Hussein mit dem Einmarsch seiner Truppen in Kuwait den zweiten Golfkrieg auslöst, wird Swofford mit seinen Kameraden nach Saudi Arabien entsandt, um dieses zu schützen. Was ein kurzer Einsatz von wenigen Tagen werden sollte, entwickelt sich zum monatelangen Ausharren, wodurch die Marines ihren größten Feind kennen lernen: die Langeweile.
Pentagon? Nein danke!
JARHEAD – WILLKOMMEN IM DRECK hat im Gegensatz zu seinen Genrekollegen aus der Zeit, wie BLACK HAWK DOWN, keine Förderung vom Pentagon bekommen, wodurch der Film auf sich und ausrangierte Militärfahrzeuge gestellt war. Der Grund hierfür ist die Darstellung der Armee. Die Rezipienten sehen keine heroisch, patriotischen Killermaschinen, sondern einfache, junge sowie alberne Menschen, welche sich aufgrund des Geldes, des Adrenalins oder der Perspektivlosigkeit bei den Marines gemeldet haben.
Dementsprechend kann es sich JARHEAD – WILLKOMMEN IM DRECK auch erlauben, auf die toxisch gewaltvollen Strukturen innerhalb der Armee und insbesondere der Ausbildungszeit einzugehen. Mobbing, Schlägereien und das Heruntermachen durch die Ausbilder sind an der Tagesordnung. Selbst wenn es zu tödlichen Unfällen während des Trainings kommt, werden die Opfer von den Staff Seargents verhöhnt
Anti-Pathos, Anti-Ballerorgie
Anstatt die Handlung wie eine Mission aus dem Videospiel Call of Duty zu gestalten, zeigt JARHEAD – WILLKOMMEN IM DRECK worum es den USA im zweiten Golfkrieg wirklich ging: den Schutz des Öls im Saudischen Königreich und damit auch den Schutz US-Amerikanischer Ölkonzerne, welche mit kolonialer Politik sowie Hilfe der US-Regierung ein Vermögen mit fremden Ölquellen anhäufen konnten.
Dadurch verzichtet JARHEAD – WILLKOMMEN IM DRECK fast komplett auf den Einsatz von Blut oder Action und zeigt die größte Gefahr für Soldaten im Einsatz: Die Langeweile und Entfernung von Zuhause. Die eigenen Gedanken, der Abstand zu Partnern oder der Familie, Trennungsbriefe oder gar Rachepornos sind die Treffer, die sich die Marines eigentlich in Form von Kugeln von Husseins Soldaten erhofft haben. So verlieren diese ihr privates Leben für Interessen reicher Menschen und das Ausharren in einer leeren Wüste.
![Mehrere Personen in militärischer Uniform sitzen dicht beieinander. Sie tragen Tarnkleidung und halten Gewehre. Im Hintergrund sind gestapelte Ausrüstungsgegenstände zu erkennen. [erstellt mit KI]](https://riecks-filmkritiken.de/wp-content/uploads/2026/01/jarhead_6d4b4366-1400x933.webp)
Jarhead – Willkommen im Dreck © Plaion Pictures
Wie bei Saddam selbst
Ein Highlight der unmaskierten Warheit von JARHEAD – WILLKOMMEN IM DRECK ist wohl ein TV-Interview, in dem die Soldaten von fiktiven Heldentaten sprechen und darauf hinweisen sollen, dass die Marines die besten Scharfschützen haben. Auf die Frage, wo da die Redefreiheit bleibt und was das Vorgehen von Saddam Hussein unterscheide, erwidern die Befehlshaber nur, dass Marines keine Freiheit besitzen.
Doch so sehr sich Sam Mendes bemüht zu zeigen, dass es sich um einen Medienkrieg für die Heimat handelt und dabei eine kreative Idee an die andere aneinanderreiht, geht JARHEAD – WILLKOMMEN IM DRECK mit 117 Minuten zu lange. Denn die Langeweile der Soldaten überträgt sich durch repetitive Szenen zu sehr auf die Rezipienten. Da können auch Jake Gyllenhaals philosophischen Kommentare oder spaßige Erlebnisse wenig raus reißen.
Minimalismus schlägt Heldendrang
JARHEAD – WILLKOMMEN IM DRECK verwöhnt die Zuschauenden jedoch mit einer herausragenden Performance von Jake Gyllenhaal. Dieser verkörpert den gelangweilten Marine auf eine minimalistisch, scheinbar schon einfache, jedoch treffende Weise und weiß damit von sich zu überzeugen. Der Schauspieler bleibt mit seinen beiden Kollegen Peter Sarsgaard sowie Jamie Foxx noch Tage später in Erinnerung und zählt definitiv zum Highlight des Films.
Zudem bietet JARHEAD – WILLKOMMEN IM DRECK in der zweiten Hälfte des Films, welche sich auf Operation Desert Storm konzentriert, beeindruckende Bilder des Kameramanns Roger Deakins, wie brennende Ölfelder mit Ölregen, welche den Rezipienten noch lange in Erinnerung bleiben werden. Doch ob es hierfür wirklich eine 4K-Restaurierung gebraucht hätte, bleibt fraglich. Denn mit seinem gewollten Camcorder-Look sah JARHEAD – WILLKOMMEN IM DRECK bereits auf Blu-Ray fantastisch aus.
![Eine Person mit kahlrasiertem Kopf sitzt in einem sandfarbenen, militärisch wirkenden Overall auf dem Boden. Die Szene ist in warmes, gelbliches Licht getaucht. Im Vordergrund ist ein Gewehr mit markantem Schaft zu erkennen, das an die Schulter der Person gelehnt ist. [erstellt mit KI]](https://riecks-filmkritiken.de/wp-content/uploads/2026/01/jarhead_81W4Dx-1400x933.webp)
Jarhead – Willkommen im Dreck © Plaion Pictures
Das Manko
Die deutsche Synchronfassung von JARHEAD – WILLKOMMEN IM DRECK ist in Sachen Übersetzung an sich grundsolide, in manchen Momenten vielleicht ein wenig zu deutsch. Jedoch gibt es gerade am Anfang und Ende des Films Szenen, welche deutlich erkennbar asynchron sind. Teils liegt eine ganze Sekunde zwischen Gesagtem und Lippenbewegung. Das reißt die Rezipienten raus.
Fazit
JARHEAD – WILLKOMMEN IM DRECK verzichtet löblicherweise auf Pathos oder heroische Opferinszenierung von US-Soldaten und konzentriert sich viel lieber auf den psychischen Zerfall und die Konflikte, welche durch Langeweile entstehen. Doch dabei übernimmt sich Sam Mendes Film durch repetitive Szenen ein wenig zu sehr. 15 Minuten weniger hätten dem Antikriegsfilm nicht geschadet. Dennoch ist JARHEAD – WILLKOMMEN IM DRECK allein wegen Jake Gyllenhaal eine klare Empfehlung.
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| Originaltitel | Jarhead |
| Kinostart | 4.11.2005 |
| Länge: | 123 minuten |
| Produktionsland | United Kingdom |
| Genre: | Drama | Kriegsfilm |
| Regie | Sam Mendes |
| Executive Producer | Bobby Cohen | Sam Mercer |
| Producer | Lucy Fisher | Douglas Wick | Pippa Harris |
| Kamera | Roger Deakins |
| Visual Effects | Pablo Helman |
| Musik | Thomas Newman |
| Cast | Jake Gyllenhaal, Jamie Foxx, Peter Sarsgaard, Scott MacDonald, Chris Cooper, Laz Alonso, Lucas Black, Brian Geraghty, Damion Poitier, Jocko Sims, Dennis Haysbert, John Krasinski, Kevin Foster, Riad Galayini, Craig Coyne, Katherine Randolph, Rini Bell, Dendrie Taylor, James Morrison, Ming Lo |
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![Eine Person in Tarnuniform und Helm steht zwischen ausgebrannten Fahrzeugwracks auf einer zerstörten Straße. Die Person trägt einen großen, länglichen Rucksack auf dem Rücken. Im Hintergrund sind mehrere zerstörte Fahrzeuge und aufsteigende Rauchwolken zu sehen. [erstellt mit KI]](https://riecks-filmkritiken.de/wp-content/uploads/2026/01/jarhead_50e2655e.webp)

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