Rezension
aus dem Programm der 76. Internationalen Filmfestspiele von Berlin
Eine Frage und ein schweres Ausatmen als Antwort ist in Xu Zaos LIGHT PILLAR häufig schon ein ganzer Dialog. Mehr haben sich die Figuren, die auf dem heruntergekommenen Gelände eines Filmstudios schuften, selten zu sagen. Von Flügen ins All, wie sie am Horizont der entschleunigt animierten Bilder immer wieder zu erkennen sind, können die meisten Figuren des eigenwilligen Ensembles nur träumen. Wenn sie in der Kälte des Winters, der nicht nur die auseinanderfallenden Kulissen, sondern auch die monotonen Leben der Mitarbeitenden fest im Griff hat, überhaupt solche hegen.
Zha, der Hausmeister, tut es, hegt sie in Gedanken, verliert aber kein Wort darüber. So wie über alles andere auch, er frisst es sich in sich hinein. Wenn, dann sind es Blicke oder kleine Gesten, mit denen er die Kommunikation mit seinen Mitmenschen und einer Katze, einer stummen, aber sehr loyalen und liebenswerten Begleiterin, aufrechterhält. Während es dieser und anderen Tieren, die in der postapokalyptisch anmutenden Kulisse leben, immer wieder gelingt, zusammenzuhalten, mindestens aber nicht allein zu sein, verharrt jeder menschliche Charakter in emotionaler Abgeschiedenheit.

Light Pillar © Fengduan Pictures
Human Dreams
Viel Ruhe und lakonischer Humor gestalten das dystopische Zukunftsbild, in dem Figuren auf unterschiedliche Art und Weise einsam sind. Während sie nur widerwillig miteinander agieren, wächst leise das Porträt einer ungewöhnlichen Gemeinschaft heran. Ebenso bedacht und detailliert baut LIGHT PILLAR seine Worldbuilding auf und erinnert nicht nur mit seiner Ruhe und so mancher Figur, sondern auch in Form einer versteckten Hommage (?) an den oscarnominierten ROBOT DREAMS. Xu Zaos dystopische Realität ist jedoch noch ein bisschen melancholischer.
Ausgerechnet durch ein Geschenk seines Chefs, der ihm statt mit einer gerechten Bezahlung mit einem gebrauchten VR-Headset entlohnt, steht Zha davor aus dieser auszubrechen. Und vor dem Zutritt in eine Welt, die sein Leben und auch die Gestaltung des Films schlagartig auf den Kopf stellt: In Zaos Zukunftsgeschichte besteht das VR-Erlebnis aus echten Menschen, echten Aufnahmen. Aus einer bonbonfarbenen Welt voller Jahrmarkt-Attraktionen, eingefangen in wackeligen Bildern, die einen klaren Kontrast zu den regungsarm und konzentriert konzipierten Animationen schaffen.

Light Pillar © Fengduan Pictures
Eine Welt, von der der nach Mut und Worten schöpfende Protagonist kaum genug bekommen kann. Von der die Erzählweise und die Atmosphäre des Films aber auch schon früh erahnen lassen, dass sie und die bedingungslose Freude nicht von ewiger Dauer sein können. Von jener ist in LIGHT PILLAR nicht einmal das zahlreichen Filmklassikern zur Kulisse gestandene Filmstudio, die vor dem Bankrott stehende Traumfabrik, deren Niedergang wie eine tickende Uhr über der Handlung liegt. Wo sich am Anfang noch die Innenleben einzelner Figuren herauslesen lassen, sind am Ende nur noch Trümmer übrig, aber auch ein Platz für Neuanfänge.
Fazit
Ein wortkarges und tragikomisches Kleinod vor verschneiter, auseinanderfallender Filmstudio-Kulisse. Für Animations- und Science-Fiction-Fans, ganz besonders auch für Katzenliebhaber*innen.
Wie hat Dir „Light Pillar“ gefallen?
| Originaltitel | 寒夜灯柱 |
| Kinostart | 14.2.2026 |
| Länge: | 90 minuten |
| Produktionsland | China |
| Genre: | Drama | Animation |
| Regie | Jingwei Xu |
| Executive Producer | Dong Chengpeng |
| Kamera | 郝嘉越 |
| Cast | Dong Chengpeng, 卿衣 |
Wie hat Dir „Light Pillar“ gefallen?


Hinterlasse einen Kommentar