Review Fakten + Credits


Rezension

aus dem Programm der 76. Internationalen Filmfestspiele von Berlin

So eng wie sich in LUST die Glasscheiben des Terrariums um eine Schlange schieben, fühlt sich Lilians Rückkehr in ihr Heimatdorf an. Eng und leer. Als Gefängnispsychologin steht sie regelmäßig gebeutelten Menschen gegenüber, nun ihrer eigenen Vergangenheit und Gegenwart. Ihr Vater, den sie kaum kannte, ist tot, hinterlassen hat er ihr eine Wohnung und jede Menge Schulden. In den kargen Wänden ihres möglichen Erbes, sieht sich Lilian nicht nur mit allerhand unausgesprochenen Dingen, sondern auch mit innersten Bedürfnissen konfrontiert.

Splitterhaft offenbaren sich ihre Vergangenheit und die fragile Familiendynamik, die die psychologischen Skizzen der stoischen Hauptfigur leise unterfüttert. Ebenso klamm und heimlich schleichen sich Lust und Verlangen in die schmucklosen Bilder, die selten einmal aus engen, kahlen Zimmern, noch seltener von ihrer Hauptfigur weichen. Snejanka Mihaylova trägt das Solostück von Ralitza Petrova mit regungsarmen Mimiken. Wie die Spannung des kleinen Dramas selbst, sind die Gesichtszüge oft nicht mehr als subtile Bewegungen.

Eine Person mit langen, dunklen Haaren trägt einen beigefarbenen Mantel und steht in einem Raum mit gemusterter Tapete. Im Vordergrund befindet sich eine große, dunkle Skulptur in Form einer Hand mit ausgestreckten Fingern. [erstellt mit KI]

Lust © Aporia Filmworks, Screening Emotions

Leise Bewegungen, die zu vielen Elementen des Films im wiederkehrenden Kontrast stehen: Auf der einen Seite der Stillstand, die ruhige, fast spirituelle Reise der Hauptfigur, das Festgehalten-Werden von familiären Wurzeln, das Loslassen im Bondage. Und auf der anderen Seite das Verlangen nach Bewegung, nach Voranschreiten, nach dem Hinter-sich-lassen. Weder in seiner Persönlichkeitsstudie sonderlich ausführlich, noch eine saubere Annäherung an verantwortungsvolles Shihabiri. In beiden Fällen und in seiner Schlicht- und Nüchternheit aber auch keineswegs voreingenommen oder vollkommen reizlos.

Fazit

In schummrigen Zimmern werfen nicht nur Vergangen- und Abwesenheit ihre Schatten, sondern liegt auch hin und wieder eine Verlockung verborgen. Im Falle Ralitza Petrovas zweitem Spielfilm LUST auch ein stoisches, schmucklos inszeniertes Figurendrama.

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Review Fakten + Credits


Originaltitel Lust
Kinostart 16.2.2026
Länge: 77 minuten
Produktionsland Bulgaria
Genre: Drama
Regie Ralitza Petrova
Producer Ralitza Petrova | Poli Angelova
Cast

 


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