Review
ONCE UPON A TIME IN GAZA ist der neue Film der Zwillingsbrüder Tarzan und Arab Nasser, welche bildende Kunst an der al-Aqsa-Universität in Gaza studiert haben und bei der internationalen Filmgemeinschaft für ihre Filme DÉGRADÉ sowie GAZA MON AMOUR Bekanntheit erlangten. Ihr neuer Film erzählt das Überleben der Menschen in Gaza im Stile des Westerngenres und hat bei den Filmfestspielen von Cannes 2025 in der Sektion „Un Certain Regard“ den Preis für die beste Regie gewonnen.
Es ist das Jahr 2007 im Gazastreifen. Yahya (Nader Abd Alhay) ist ein junger Student, welcher gerade auf dem Weg zur Universität in Gaza ist, als ihm der charismatische Osama (Majd Eid) über den Weg läuft. Beide freunden sich schnell an und betreiben einen Falafel Laden mit einem kleinen Geheimnis: In den Sandwiches versteckt verkaufen sie Drogen. Doch als der korrupte Polizist Abou Sami (Ramzi Maqdisi) den Beiden auf der Spur ist, zieht sich Yahya aus dem Geschäft und startet eine Filmkarriere als Actionstar, welche von der Hamas mit Geldern und echten Waffen gefördert wird. Denn Geld für Spezialeffekte ist nicht da.
Falafel-Yearning
Obwohl der Film mit Donald Trumps Rede über Gaza und dessen Las-Vegas-Like Plänen für diesen beginnt, lässt ONCE UPON A TIME IN GAZA die Bilder der gezielten Zerstörung sowie des Leidens bewusst aus. Denn der Film will keine aktuelle Dokumentation sein, sondern sich auf seine Geschichte der beiden Falafel- und Drogenhändler fokussieren, welche zwischen 2007 und 2010 spielt.
Dadurch steht der Alltag der Protagonisten im Fokus von ONCE UPON A TIME IN GAZA, was für diese Art Geschichte deutlich angenehmer ist. Denn so sehen die Rezipienten, dass das Leben auch im Krieg weitergeht und ein mehr oder weniger geregelter Tagesablauf in Form des Falafelverkaufs oder Drogenhandels stattfinden muss. Nur vereinzelt schlagen die Bomben in der Nacht ein, was aber zumeist zu hören und nicht zu sehen ist. Denn diese sind auch der Alltag in Gaza, werden von den Protagonisten zu der Zeit aber noch gleichgültig kommentiert.
Zwei für Eins
Die Story von ONCE UPON A TIME IN GAZA ist in zwei verschiedene Handlungsstränge und zwei Protagonisten aufgeteilt. Die erste Hälfte des knapp 90-Minüters ist aus der Perspektive von Majd Eid erzählt und fokussiert sich deutlich auf den Gangsterpart, in dem es um den Traum von ein bisschen Mehr im gefangenen Leben in Gaza geht, während sich der zweite Part auf Nader Abd Alhay und sein Leben als Schauspieler und damit den Freiheitskämpfer durch Bilder fokussiert.
![Mehrere Personen in Militäruniformen stehen in einem abgedunkelten Raum mit beschädigten Wänden. Einige tragen Helme und halten Gewehre. Weitere Personen tragen Alltagskleidung und bedienen Filmtechnik wie eine Tonangel, eine Filmklappe und Kameras. Im Hintergrund hängt ein gemustertes Tuch an der Wand, davor stehen elektronische Geräte auf einem Tisch. Sandsäcke sind im Hintergrund gestapelt. [erstellt mit KI]](https://riecks-filmkritiken.de/wp-content/uploads/2026/01/Still-2025-04-29-161911_1.564.1-1400x755.webp)
Once Upon a Time in Gaza ©2026 Immer Gute Filme
Da die beiden Protagonisten von ONCE UPON A TIME IN GAZA beste freunde sind, sind die Handlungen miteinander verbunden und treiben sich gegenseitig voran. Majd Eid sorgt dafür, dass Nader Abd Alhay mehr Selbstbewusstsein besitzt und für sich einstehen kann, während Nader Abd Alhay seinen Freund im Umkehrschluss verteidigt und rächt. Die Protagonisten wachsen dem Publikum ans Herz und drücken beide auf ihre Art den Freiheitsdrang sowie den Traum eines freien Palästina aus.
The Godfather of Gaza
Musikalisch werden beide Handlungsstränge treffend von den Kompositionen von Amine Bouhafa begleitet, wobei die Musik der ersten Hälfte am meisten in Erinnerung bleibt. Denn hier erinnert der Score von ONCE UPON A TIME IN GAZA die Rezipienten an das musikalische Grundthema von Francis Ford Coppolas DER PATE, ohne dabei aber wie eine billige Kopie zu wirken. Vielmehr ist es eine Hommage, mit der die Protagonisten ihre Helden zitieren, welche sich ein freies Leben ermöglicht haben.
Diese Augen Baby!
ONCE UPON A TIME IN GAZA schafft es zudem, die Rezipienten mit seinem facettenreichen Schauspiel zu überzeugen. Die Stimmungen, Charaktereigenschaften sowie die Emotionen der Darstellenden sind sofort zu spüren, ohne dass dies comichaft überzeichnet geschieht. Es kommt so sofort durch, dass Majd Eid eigentlich der lockere sowie freundliche Typ ist, der aber wegen der israelischen Armee und nicht zuletzt wegen dem Polizisten gespielt von Ramzi Maqdisi einen harten Kern braucht.

Once Upon a Time in Gaza ©2026 Immer Gute Filme
Doch das größte Lob gilt Nader Abd Alhay. Er ist der Star von ONCE UPON A TIME IN GAZA und bietet den Rezipienten eine Charakterentwicklung die so in Hollywood immer mehr vermisst wird. Der Wandel zum Selbstbewusstsein, die Hoffnung auf Freiheit sowie der Zuwachs der Trauer in den Augen sind ausdrucksstark und lassen auf mehr Filme mit der Beteiligung von Nader Abd Alhay hoffen.
Fazit
ONCE UPON A TIME IN GAZA überzeugt, begeistert und schafft mit dem Wegfall der Massenzerstörung einen gerechten Einblick in den Alltag der Menschen im Gaza der 2010er Jahre. Doch dieser Alltag sowie die Träume liegen nochmal mehr im Magen, wenn Rezipienten heute die Bilder des zerstörten Gazastreifens und damit der zerstörten Träume sehen. Damit schafft ONCE UPON A TIME IN GAZA mehr Bewusstsein sowie Gedankenanregungen als manch eine Reportage und ist trotz manch trockener Passagen eine klare Empfehlung.
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| Originaltitel | كان ياما كان في غزة |
| Kinostart | 25.6.2025 |
| Länge: | 87 minuten |
| Produktionsland | France |
| Genre: | Drama |
| Regie | Tarzan Nasser | Arab Nasser |
| Producer | Rani Massalha | Marie Legrand | Rashid Abdelhamid |
| Kamera | Christophe Graillot |
| Musik | Amine Bouhafa |
| Cast | Nader Abd Alhay, Majd Eid, Ramzi Maqdisi, Is'haq Elias, سعيد سعادة, Hussein Nakhleh, Osama Malhas, Abood Obeid, Michael Zananiri, Hayfa Alrabee, Mohammed Theyab, Reem Hassouneh, Batoul Abu Jafar, Omar Al-Joukhi |
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![Zwei Personen befinden sich an einer Theke in einem Imbiss oder Restaurant. Eine Person sitzt auf der rechten Seite und trägt einen gestreiften Pullover. Die andere Person lehnt auf der linken Seite an der Theke und hält eine Zigarette in der Hand. Auf der Theke liegen ein Stapel Papiere und ein rundes Tablett. Im Vordergrund sind mehrere Edelstahlschalen mit Speisen in einer Auslage zu sehen. Die Szene ist schwach beleuchtet und wirkt kühl. [erstellt mit KI]](https://riecks-filmkritiken.de/wp-content/uploads/2026/01/Still-2025-04-29-161911_1.138.1.webp)

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