Rezension
Fast sah es aus, als würde WOODWALKERS 2, die geplante Fortsetzung der Kino-Adaption Katja Brandis erfolgreicher Kinderbuchreihe auf halber Strecke doch noch versanden. Immerhin spielte der erste Teil der als Trilogie angelegten Leinwand-Version der Fantasy-Abenteuer um eine Gruppe Highschool-Kids – weil das so viel cooler wirkt als Internat – mit magischen Metamorphose-Fähigkeiten nur einen Bruchteil des Budgets wieder ein. Dabei landete die heftig beworbene Prestige-Produktion sogar auf Platz drei der deutschen Kino-Charts. Allerdings herrschen national und international offenbar unterschiedliche Maßstäbe. Deren Diskrepanz zeigte auch die Nominierung für den Deutschen Filmpreis in der Kategorie Visuelle Effekte, die den qualitativen Abstand zum internationalen Standard am deutlichsten zeigen.
Der Streaming-Erfolg zeigte aber doch noch kommerzielles Potenzial und optimistischere Aussichten für den zweiten Teil. Anstelle Damian John Harpers inszeniert nun Sven Unterwaldt. Der bewährte sich mit zwei Sequels der Fantasy-Kinderbuch-Serien-Adaption DIE SCHULE DER MAGISCHEN TIERE bereits bei einem auffällig ähnlichen Stoff. Das Drehbuch verfasste erneut David Sandreuter, der einmal mehr mit Abstrusität und Aberwitz der Buchvorlage kämpft. Da begeben sich Gestaltwandler in Tierform vor der Verwandlung erstmal in Umkleidekabinen. Und wenn ein Tier-Teenager spontan auf der Landstraße wieder Mensch wird, sind genau dort natürlich „Kisten mit Klamotten“ vergraben. Solche konzeptionellen Patzer sind allerdings harmlos im Vergleich zu den dramaturgischen Schwächen.
Puma-Wandler Carag (Emile Chérif) druckt sich in einem buchstäblichen Kangaroo Court um eine Aussage gegen seinen Förderer Andrew Milling (Oliver Masucci). Zweiter strebt nun in die Politik und erhält dadurch Trump-ähnliche Züge. Doch solche plakativen Polit-Parallelen wollen zeitaktuelle Problematik nicht behandeln, sondern behaupten. Dieses simple Prinzip definiert auch Konflikte und Charaktere. Erste werden ausgewalzt, zweite durch neue Figuren wie Carags Schwester Mia (Lara Amélie Rosa) ergänzt. Entsprechend vorhersehbar ist der Plot, in dem Carags Clique den Verkauf des Waldes um die Clearwater High verhindern müssen. Von den hölzernen Dialogen bis zur krampfigen Romantik wirkt alles befremdlich synthetisch – von Magie keine Spur.

Woodwalkers 2 ©Studiocanal GmbH /Marc Reimann
Fazit
Aus den Fehlern des Vorgängers gelernt hat Sven Unterwaldts Fortsetzung des Fantasy-Franchise augenscheinlich kaum. Plumpe Exposition und Erklär-Dialoge ersetzen eine organische Etablierung von Kontext und Konflikten. Zweite sind durch ihre strategische Simplifizierung für ein Kinderpublikum unvorteilhaft und unterfordernd. So sucht die merkantile Mischung aus Kinder-Abenteuer und Fantasy-Soap stets nach dem größten gemeinsamen Nenner, um Wiedererkennungswerte zu schaffen. Exemplarisch zeigt das die narrative Verknüpfung rechts-populistischer Ikonographie mit links-liberalem Öko-Aktivismus. Weil eindimensionale Charaktere sich nicht vertiefen lassen, fügt die holprige Handlung weitere Figuren hinzu, statt die bekannten zu entwickeln. Spannender macht das die Ereignisse nicht. Selbst die unfreiwillige Komik ist irgendwann abgenutzt.
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| Originaltitel | Woodwalkers 2 |
| Kinostart | 29.1.2026 |
| Länge: | 102 minuten |
| Produktionsland | Austria |
| Genre: | Fantasy | Familie | Abenteuer |
| Regie | Sven Unterwaldt Jr. |
| Kamera | Peter Krause |
| Musik | Anne Kathrin Dern |
| Cast | Emile Chérif, Lilli Falk, Johan von Ehrlich, Sophie Lelenta, Oliver Masucci, Martina Gedeck, Hannah Herzsprung, Tom Schilling, Olivia Sinclair, Lucas Gregorowicz, Moritz Bleibtreu, Lissy Pernthaler, Lara Sophie Milagro, Lukas Spisser, Lewe Wagner, Finlay Hartinger, Johannes Degen, Cem Öztabakci, Anton Noori |
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