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„Nur die Toten haben das Ende des Kriegs gesehen“. So läutet der deutsche Regisseur Dennis Gansel – bekannt aus Filmen wie DIE WELLE oder NAPOLA – ELITE FÜR DEN FÜHRER – seinen Kriegsfilm DER TIGER ein, welcher in der Grundidee etwas an David Ayers HERZ AUS STAHL (im O-Ton FURY) erinnert, wobei Dennis Gansel seine Idee um eine Panzerbesatzung in einem schweren Kampfpanzer im zweiten Weltkrieg auf geheimer Mission laut eigener Aussage viel früher hatte.

Ob DER TIGER seine Versprechen halten kann und wirklich die beklemmende Atmosphäre, das Gefühl von Authentizität sowie die Grauen des Krieges aufzeigen kann, oder doch zu einer wilden Ballerorgie wie David Ayers Panzerfilm verkommt, ist dabei die interessanteste Frage für die meisten Zuschauenden gewesen. Historische Korrektheit wird zwar nicht erwartet, aber die Rezipienten erwarten dennoch mehr als von HERZ AUS STAHL.

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MAKE IT BIGGER

Der Panzerkampfwagen VI mit dem namensgebenden Spitznamen Tiger ist kein Original, sondern ein Nachbau. Das liegt unter anderem daran, dass der letzte intakte Tigerpanzer im Panzermuseum in Bovington in England steht. Zeitgleich ermöglichte es dem Team von DER TIGER, den Panzer circa acht Prozent größer als das Original zu bauen. Dadurch wirkt der Panzer auf den ersten Blick nicht zu groß im Vergleich zur Vorlage und die Schauspieler hatten zumindest etwas mehr Platz, ohne dass die beklemmende Enge eines Panzers verloren geht.

Dadurch bleibt die Stimmung und Glaubwürdigkeit einer zusammengepferchten Panzercrew im Gegensatz zu Filmen wie HERZ AUS STAHL erhalten. In David Ayers Film war der Panzer gegen Ende nur noch ein Hilfsmittel, ein Beiwerk und wurde zu oft verlassen, während DER TIGER den Panzer als ein zweites Zuhause für die Crew präsentiert. Selbst wenn die fünf Kameraden den Kampfpanzer einmal verlassen, bleibt dieser in unmittelbarer Nähe und soll das trügerische Gefühl des sicheren Hafens geben.

Optisch neue Maßstäbe

Dieses beklemmende Gefühl entsteht nicht zuletzt dank der fantastischen Innen- und Außenaufnahmen des Kameramanns Carlo Jelavic. Panzergefechte wirkten selten so bedrohlich, dringlich und rasant wie in DER TIGER. Und selbst wenn es um Wegwerfbilder wie das Drehen eines Panzerturms oder das Bewegen von Ketten geht, macht der Film spaß und bietet Bilder, die in dem Genre auch in Hollywood so selten gesehen wurden.

Vier Personen in historischen Militäruniformen gehen durch hohes Gras in einem bewaldeten Gebiet. Die vordere Person trägt eine dunkle Uniform mit Schirmmütze, die anderen tragen unterschiedliche Uniformen und halten Gewehre. Im Hintergrund stehen hohe Bäume und dichter Wald, der Himmel ist bedeckt. [erstellt mit KI]

Der Tiger ©2025 Amazon MGM Studios

Klein, aber oho

DER TIGER hat ein Budget von nicht mal 10 Millionen Euro und kommt damit nicht mal ansatzweise an die Budgets von Hollywoods Kriegsproduktionen heran. HERZ AUS STAHL hatte im Vergleich dazu ein Budget von 68 Millionen Dollar, heutzutage ein überschaubares Budget in Hollywood, hatte mit Brad Pitt aber auch einen echten Star an Board. Doch auch mit einer Anzahl von 36 Drehtagen ist die Drehzeit von Dennis Gansels Panzerfilm ungewöhnlich kurz. Und dennoch wirkt DER TIGER hochwertig und überraschend undeutsch.

Der Drehort dürfte auch ein Grund für den kleinen Kostenfaktor sein. Denn gedreht wurde auf einer Fläche von einem Quadratkilometer eines ehemaligen sowjetischen Truppenübungsplatzes in Tschechien. Trotz der klein wirkenden Fläche ist das Gelände so groß und facettenreich, dass kein Ort erkennbar zweimal zu sehen ist. Die Herausforderung hier war jedoch das Räumen des Geländes von echter Munition. Des Weiteren sollte ursprünglich in der Ukraine gedreht werden, was aufgrund des Krieges nicht mehr möglich war.

Deutsche Verbrechen

Trotz einer auf den ersten Blick unpolitisch erscheinenden Panzerbesatzung lässt DER TIGER Raum für die deutschen Kriegsverbrechen an der Ostfront, welche sowohl von Wehrmacht, als auch der Waffen-SS begangen wurden. Wichtig ist hier vor allem eine sogenannte Säuberungsaktion unter Kommando des SS-Leutnants Krebs (André Hennicke) welcher fantastisch spielt und sowohl Zuschauenden als auch der Panzerbesatzung einen Heidenschreck einjagt. Dass Letztere zwar angewidert sind, aber nicht eingreifen ist leider bittere Realität. Wer mehr zu den historischen Hintergründen des Films erfahren will, sollte sich das Video vom Deutschen Panzermuseum anschauen.

Vier Personen in dicken, hellen Wintermänteln hocken nebeneinander auf dem Boden. Zwei von ihnen halten Gewehre in den Händen. Im Hintergrund sind dunkle, unscharfe Strukturen und ein orangefarbenes Objekt zu erkennen. Die Szene ist in warmes, rötliches Licht getaucht. [erstellt mit KI]

Der Tiger ©2025 Amazon MGM Studios

Ein Star am Horizont

Obwohl es sich um eine Panzerbesatzung der Wehrmacht handelt, ist die Crew von DER TIGER durch ein Leben unter Zwängen nahbar und es kommt öfter als gedacht zu Momenten, in denen die Zuschauenden mitfühlen. Momente, in denen Richtschütze Weller (Laurence Rupp) seine Arbeit auf dem Weingut vermisst, oder diese, in denen der junge Michel (Yoran Leicher) auf einem Minenfeld in Gefahr schwebt. Sie reißen mit und sorgen fast für Verständnis.

Das wäre nicht möglich, ohne das nötige Schauspiel, doch die Darstellenden von DER TIGER liefern eine Performance ab, die durch die Bank stark ist und sich nicht hinter der Leistung großer deutscher Charakterdarstellenden verstecken muss. Das schauspielerische Highlight ist David Schütter – welcher bereits in 4 BLOCKS von sich überzeugen konnte – als Panzerkommandant. Er fesselt nicht nur, sondern könnte mit etwas Glück ein neuer Stern am Himmel der deutschen Darstellenden werden. Hierzu braucht es aber weitere Genrefilme und nicht den x-ten Tatort.

Fazit

Braucht es einen weiteren deutschen Kriegsfilm? Diese Frage wird immer wieder gestellt. DER TIGER beantwortet sie ganz einfach: JA! Denn selten ist ein Kriegsfilm so sehr auf Gefühle, Schuld, Freude und Kameradschaft eingegangen, wie Dennis Gansels Werk. Dabei vergisst der Film nicht das Grauen des Krieges und die Gräueltaten der Nazis zu zeigen, ohne es aufgesetzt wirken zu lassen. Und auch, wenn die Handlung fiktiv ist, ist sie deutlich plausibler und greifbarer, als die von HERZ AUS STAHL. Auch, wenn das Ende von DER TIGER mindestens genauso spalten und für diverse Diskussionen sorgen wird.

 

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Originaltitel Der Tiger
Kinostart 18.9.2025
Länge: 122 minuten
Produktionsland Germany
Genre: Kriegsfilm | Action | Drama
Regie Dennis Gansel
Executive Producer Patrick Zorer | Stephanie Schettler-Köhler | Nicolas Paalzow
Producer Dan Maag | Frank Kusche | Marco Beckmann
Kamera Carlo Jelavic
Musik Heiko Maile
Cast Laurence Rupp, David Schütter, Sebastian Urzendowsky, Leonard Kunz, Yoran Leicher, André Hennicke, Arndt Schwering-Sohnrey, Tilman Strauss, Alžběta Malá, Samuel Himal, Yana Shevchenko

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