Rezension
Dass die Safdie Brothers nach einer Reihe zunehmend erfolgreicher und starlastiger gemeinsamer Projekte mit MARTY SUPREME und THE SMASHING MACHINE nun filmisch eigene Wege einschlagen, ist womöglich nur ein weiteres kommerziell cleveres Konstrukt ihrer filmischen Vermarktungsstrategie. Jene garantiert mittels des fast zeitgleichen Starts die maximale Medienbeachtung für die jeweiligen Solo-Projekte der Brüder. Deren individuelle Debüt-Dramen sind einander trotz äußerlicher Verschiedenheit in Struktur, Konzeption und Thematik auffällig ähnlich. Zudem funktionieren beide Filme weniger durch Dramaturgie und Dynamik als ihre tragende Performance. In Josh Safdies semi-biographischer Tischtennis-Comedy MARTY SUPREME liefert die Timothée Chalamet als fiktiv überhöhtes Alter Ego des Tischtennis-Champions Marty Reisman. Sein Spiel ist so rasant wie die hektische Handlung.
Letzte zieht sich trotz Des hohen Tempos spürbar in die Überlänge. Schuld daran ist das überladene Skript von Josh und Ron Bronstein. Die trotz ihrer realen Inspiration krampfhaft generische Story verfängt sich in Ellipsen und ermüdender Wiederholung etablierter Aspekte. Einer davon ist die destruktive Selbstsucht Martys, der zwischen Affären mit seiner kleinbürgerlichen Jugendfreundin Rachel (Odessa A’zion) und der eleganten Ex-Schauspielerin und Magnaten-Gattin Kay (Gwyneth Paltrow) pendelt. Wie Abel Ferraras Gangster-Boss und Taxifahrer-Kumpel Wally (Tyler Okonma) sind sie nur Ping-Pong-Bälle in einer toxischen Tour de Force. Hinter der fadenscheinigen Fassade egozentrischen Esprits ist diese so kalkuliert und selbstverliebt wie der Titelcharakter.
Fazit
Die Originalität und Energie der frühen Werke der Safdie Brothers sind in Josh Safdies semi-biographischem Sportler-Drama nur noch strategisches Stilmittel. Hyperaktive Hagiographie und selbstvernarrter Schelmen-Roman verschmelzen zu einer weiteren Variation des materialistischen Macho-Märchens vom talentierten Troublemaker. Slapstick und aggressiver Aberwitz lancieren ernüchternd konventionelle und konservative Narrative. Kamera, Kostüme und Kulissen mischen Retro-Ästhetik mit einem hippen Faux Independent-Look, der raue Authentizität und Improvisation suggeriert, wo Hollywood-Klischees und Kitsch dominieren. Die erratische Erzählung nutzt kaum das Potenzial des namhaften Casts in ihrer Fixierung auf ihren Hauptcharakter und mehr noch Hauptdarsteller. Dessen manipulative Egomanie wird zur ironischen Inversion des kommerziellen Kalküls eines aalglatten Prestige-Projekts.
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| Originaltitel | Marty Supreme |
| Kinostart | 19.12.2025 |
| Länge: | 150 minuten |
| Produktionsland | United States of America |
| Genre: | Drama |
| Regie | Josh Safdie |
| Executive Producer | Sara Rossein | Timo Argillander | Joe Guest | Andrea Scarso |
| Producer | Eli Bush | Timothée Chalamet | Ronald Bronstein | Josh Safdie | Anthony Katagas | John Paul Lopez-Ali | Maiko Endo |
| Kamera | Darius Khondji |
| Visual Effects | Eran Dinur |
| Musik | Daniel Lopatin |
| Cast | Timothée Chalamet, Gwyneth Paltrow, Odessa A'zion, Kevin O'Leary, Tyler, The Creator, Fran Drescher, Abel Ferrara, Emory Cohen, Géza Röhrig, Penn Jillette, Sandra Bernhard, Koto Kawaguchi, Larry Sloman, Luke Manley, David Mamet, Pico Iyer, George Gervin, Ralph Colucci, Isaac Mizrahi, Fred Hechinger |
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