Rezension
Der einzige halbwegs interessante Aspekt Emerald Fennells aberwitziger Adaption Emily Brontës komplexen Klassikers WUTHERING HEIGHTS ist deren rigorose Revision sämtlicher formativer Themen der Buchvorlage, sondern Fennells eigenen pseudo-feministischen Nimbus. In kuriosem Kontrast zu ihrem postmodernen Gestus strotzt die opulente Historien-Schnulze nur so vor misogynen Narrativen und sexistischen Tropen. Margot Robbies Cathy und Alison Olivers Isabella sagen ununterbrochen „nein“, obwohl sie „ja“ meinen, sehnen sich nach Erniedrigungen und genießen psychische und physische Brutalität. Während Edgar Lintons (Shazad Latif) zärtliche Zuneigung als Schwäche karikiert wird, scheint Heathcliffs (Jacob Elrodi) Übergriffigkeit und Gewalttätigkeit als begehrenswert. Das zentrale Rassismus-Motiv wird gänzlich eliminiert – jedenfalls innerhalb der Handlung.
Jene hat kaum noch Ähnlichkeit mit Brontës Roman. Die meisten Figuren tauchen überhaupt nicht auf. Anteile Cathy Bruder Hindley gibt Fennell Mr. Earnhaw (Martin Clunes), der als egomanischer Alkoholiker auftritt. Frances, Hareton, Chathy II, Lockwood und Linton Jr. sind alle abwesend. Vermutlich konnte die Regisseurin und Drehbuchautorin sich diese Figuren ebensowenig vorstellen wie nach ihrer eigenen Aussage Heathcliffs dunkle Hautfarbe. Während der entgegen Brontës impliziter Warnung innerhalb der Original-Dialoge heroisierte Hauptcharakter plötzlich weiß ist und die ihn treffende Ablehnung nur noch willkürlich, ist der verhöhnte Edgar Pakistani und Nelly Dean (Hong Chau) chinesisch, was in Fennells Augen ihre moralische Integrität beeinträchtigt.
Während jegliche Kritik an Rassismus und Klassismus ins Gegenteil verkehrt wurde, gibt es reichlich reißerische Sexszenen, nahezu Zwanghaft mit SM-Fair, um klarzustellen, dass hier wirkliche jede Frau auf Gewalt steht. Dazu kommen Hannibal-Lecter-Vibes in Form von Haut-Tapete, Menschenhaar-Deko und literweise Kunstblut. Nach Saltburn hat Fennell hinsichtlich Körperflüssigkeiten und Ekel-Effekten augenscheinlich einen Ruf zu verteidigen. Das Spiel der üppigen Szenenbilder und Kostüme mit surrealen Facetten und modernistischen Stilismen fügt sich in die formale Anbiederung an einen materialistischen Massengeschmack. Charlie XCXs Beitrag zum Soundtrack unterstreicht das verkrampfte Bestreben nach eben jener Zeitgeistigkeit, die der reaktionär pervertierte Inhalt und die seichte Inszenierung konterkarieren.

Wuthering Heights © Warner Bros. Pictures
Fazit
Als starbesetzten Spektakel versagt Emerald Fennells sexistische Soap Opera ebenso wie als modernistisches Melodrama. Die Verflachung der vielschichtigen Figuren auf dumpfe Stereotypen lässt dem namhaften Ensemble zur schauspielerischen Entfaltung keinen Raum. Gesellschaftskritik und psychologische Analytik der Vorlage weichen romantisiertem Reaktionismus und bigotten Bizarrerien. Einen Klassiker der Weltliteratur so zu verzerren, ist fast schon wieder eine Leistung.
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| Originaltitel | “Wuthering Heights” |
| Kinostart | 11.2.2026 |
| Länge: | 136 minuten |
| Produktionsland | United States of America |
| Genre: | Drama | Liebesfilm |
| Regie | Emerald Fennell |
| Executive Producer | Pete Chiappetta | Anthony Tittanegro | Andrew Lary |
| Producer | Margot Robbie | Emerald Fennell | Tom Ackerley | Josey McNamara |
| Kamera | Linus Sandgren |
| Musik | Anthony B. Willis |
| Cast | Margot Robbie, Jacob Elordi, Hong Chau, Alison Oliver, Shazad Latif, Owen Cooper, Vy Nguyen, Charlotte Mellington, Ewan Mitchell, Martin Clunes, Robert Cawsey, Amy Morgan, Jessica Knappett, Millie Kent, Vicki Pepperdine, Paul Rhys, Gabriel Bisset-Smith, Louie Benjamin Potts, Treyston Braine, Jaydon Eastman |
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