Review
Haustiere sind Familienmitglieder mit einem besonderen Platz im Herzen, aber ein Schimpanse ist da doch eher ungewöhnlich. Doch PRIMATE zeigt, dass die Familienmitglieder Lucy (Johnny Sequoyah), Kate (Victoria Wyant), Erin (Gia Hunter) und der Vater Adam (Troy Kotsur) den Affen Ben (Miguel Torres Umba) mehr als nur in ihr Herz geschlossen haben. Dieser ist ein echtes Familienmitglied mit dem über Gebärdensprache kommuniziert werden kann.
Doch als ein wildes Tier Ben beißt, verändert sich der Schimpanse immer mehr. Neben aggressiven Anzeichen gegen die Gäste Nick (Benjamin Cheng) und Hannah (Jess Alexander) zeigt Ben vermehrt Anzeichen von Tollwut und beginnt mit einer tödlichen Jagd auf die Menschengruppe, während diese verzweifelt versucht, Hilfe zu rufen.
Ich weiß, was der PRIMATE letzten Sommer getan hat
Der Cast von PRIMAT versucht jedes Klischee von Teenie-Horrorfilmen zu erfüllen, welches es gibt. Selbstredend gibt es die zerrüttete Familie, bei der nie ersichtlich wird, was passiert ist und Johnny Sequoyah muss als entfremdete Schwester nach ihrem Auszug wieder zu dieser zurückfinden, ohne dass jemals das Gefühl eines echten Familienbundes entsteht.
Und dann sind da natürlich noch die notgeilen Teenager / jungen Erwachsenen, welche ausschließlich in Feierlaune sind. Der feiernden Truppe und den Rezipienten würde es nicht einmal auffallen, wenn der Schimpanse durch Michael Myers aus HALLOWEEN oder Ghostface aus SCREAM ersetzt wird. Denn am Ende verhalten sich alle Killer gleich logisch sowie unlogisch und sind von einer nicht enden wollenden Mordlust gepackt.
Dementsprechend ist das Schauspiel in PRIMATE nur durchschnittlich bis unterdurchschnittlich und weiß nicht von sich zu überzeugen. Die Dynamik zwischen den Menschen ist unplausibel, klischeegeladen und springt immer wieder auf und ab. Es fällt dem Publikum schwer, eine Verbindung zu den Charakteren aufzubauen oder gar Mitleid zu empfinden. Dafür sind jene zu inhaltsleer, zu blass und verschwinden nach Verlassen des Kinosaals bereits aus dem Gedächtnis.
![Zwei Personen stehen nebeneinander in einem schwach beleuchteten Raum mit bläulichem Licht. Beide tragen Oberteile mit Spaghettiträgern und Ketten mit herzförmigen Anhängern. Im Hintergrund sind eine Treppe und eine Wand zu erkennen. [erstellt mit KI]](https://riecks-filmkritiken.de/wp-content/uploads/2026/01/PRIMATE_FRAME_008-1400x584.webp)
Primate ©2026 Sony Pictures Germany
Der anfängliche Hoffnungsschimmer
PRIMATE beginnt dennoch vielversprechend, da der Wandel des Schimpansen stimmig inszeniert ist. Wenn Ben sich von hinten an die Gruppe anschleicht, kommentarlos im Raum steht und vermehrt unberechenbar sowie aggressiv wird, entsteht eine schaurig unangenehme Spannung, welche der Film aber nicht konstant aufrechterhalten kann. Denn mit Fortlaufen der Handlung verfällt PRIMATE immer mehr in Klischees des Horrorgenres, wie das Verstecken im begehbaren Kleiderschrank. Fans des Genres haben solche Szenen hunderte Male bereits gesehen und können von den erahnbaren Jumpscares nicht mehr erschreckt werden.
Neben einem inflationären Einsatz von Jumpscares schockt PRIMATE seine Zuschauenden liebend gern mit Goreszenen, welche fast schon zu übertrieben sowie brutal und ein Spektrum von Hände brechen bis zu lebendig häuten sind. Zart besaitete Menschen sollten sich eine Sichtung definitiv zweimal überlegen, auch wenn die Gore-Elemente mit Fortlaufen der Handlungzu erahnen sind. Zudem wirken sie wie in HALLOWEEN KILLS einfach nur provokant eingesetzt. Es passt nicht wirklich zum Rest des Film.
Von Grün zu Rot
Immerhin können die Gore-Effekte optisch überzeugen, da PRIMATE bis auf zwei kleine Ausnahmen mit seinem CGI-Effekten überzeugen kann. Das liegt nicht zuletzt daran, dass solche in einer angenehmen Symbiose mit praktischen Effekten existieren. Gebrochene Gläser, Blut, Wunden und weiteres sind plastisch und dank Blutkonserven sowie herausragender Maske und Setdesign täuschend echt, wodurch das Geschehen für das Publikum greifbarer als ein CGI-Massaker wie in SEND HELP ist.
![Im Vordergrund ist ein Affe mit dunklem Fell und abstehenden Ohren zu sehen. Im Hintergrund befindet sich eine Person auf einem Bett, die sich nach vorne lehnt. Die Szene ist in blaues und gedämpftes Licht getaucht, was eine nächtliche Atmosphäre erzeugt. Pflanzen und moderne Möbel sind im Raum sichtbar. [erstellt mit KI]](https://riecks-filmkritiken.de/wp-content/uploads/2026/01/PRIMATE_FRAME_026-1400x586.webp)
Primate ©2026 Sony Pictures Germany
Zudem sieht PRIMATE hochwertig aus, ist dank Kameramann Stephen Murphy angenehm ruhig gefilmt und überzeugt mit seinen satten Farben, welche durch das Setting bei Nacht mit dem Feuer als Lichtquelle, welches den Pool, die Felsen sowie den dichten Wald Hawaiis ausleuchtet, kontrastreich sind. Visuell hat PRIMATE damit einiges zu bieten, hebt sich vom Hollywood-Horror-Mainstream ab und vermag es, das Publikum zumindest optisch zu erfreuen.
Wir sind Caesar
Das Highlight von PRIMATE ist aber der Schimpanse selbst, welcher von dem Schauspieler Miguel Torres Umba in einem detailreichen Kostüm verkörpert wurde. Im Gegensatz zu Tim Burtons PLANET DER AFFEN fällt das Schauspiel aber nicht auf. Vielmehr haben die Rezipienten das Gefühl, dass es sich bei Ben um einen echten mordlustigen Schimpansen hält, der auf dem Anwesen sein Unwesen treibt. Das regt aber auch zum Nachdenken an und die Zuschauenden stellen sich die Frage, wie der Affe in einem guten Horrorfilm gewirkt hätte.
Fazit
PRIMATE hat Potential und will anfangs mit dem Setting überzeugen, schafft es aber nicht, die Spannung aufrecht zu halten. Vielmehr verfällt der Affenslasher in klischeehafte Muster des Horrorgenres und bietet inhaltsleere Charaktere, wodurch es egal ist, ob PRIMATE, HALLOWEEN ENDS, SCREAM oder ICH WEIß, WAS DU LETZTEN SOMMER GETAN HAST gesehen wird. Das nennenswerte Highlight ist der Affe selbst, aber die Rezipienten müssen schon eingefleischte Horror- sowie Gorefans sein, damit sich eine Sichtung von PRIMATE lohnt.
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| Originaltitel | Primate |
| Kinostart | 1.1.2026 |
| Länge: | 89 minuten |
| Produktionsland | United States of America |
| Genre: | Horror | Thriller |
| Regie | Johannes Roberts |
| Executive Producer | Vicki Dee Rock | Pete Chiappetta | Andrew Lary | Anthony Tittanegro | Nathan Samdahl | Johannes Roberts |
| Producer | John Hodges | Walter Hamada | Bradley Pilz |
| Kamera | Stephen Murphy |
| Visual Effects | Jason Billington |
| Musik | Adrian Johnston |
| Cast | Johnny Sequoyah, Jessica Alexander, Troy Kotsur, Victoria Wyant, Gia Hunter, Benjamin Cheng, Charlie Mann, Tienne Simon, Miguel Hernando Torres Umba, Amina Abdi, Rob Chalk, Joe Abercrombie, Nick Romano, Rob Delaney, Ben Pronsky, Stuart Whelan, Kae Alexander, Kieran Deane |
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![Ein Schimpanse in rotem Oberteil steht aufrecht auf einer Terrasse vor einer Gruppe von Menschen. Im Hintergrund ist eine Felswand beleuchtet, daneben ein Sofa mit Kissen und eine Lampe. Die Szene ist abends oder nachts ausgeleuchtet. [erstellt mit KI]](https://riecks-filmkritiken.de/wp-content/uploads/2026/01/PRIMATE_07135RJ.webp)

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