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Barbie FIlmstill

Barbie ©2022 Warner Bros. Entertainment Inc.

Nach 40 Animationsverfilmungen, die seit 2001 fast jährlich erschienen, ist es nun endlich so weit: Die erste Realverfilmung erscheint in den Kinos. Umgehend sorgt der Film auf mehreren Ebenen für Schlagzeilen. So entstand laut Sarah Greenwood durch den Einsatz von fluoreszierender rosa Farbe tatsächlich ein internationaler Engpass selbiger, was jedoch schließlich damit erklärt werden konnte, dass in der Covid-19-Pandemie generelle Probleme in der Lieferkette entstanden. In die Geschichte eingehen wird der Film jedoch dadurch, dass in Berlin eine riesige deutsche Premiere geplant war und dies nun der erste Film nach Einsetzen des Autor*innen und Schauspieler*innenstreiks ist, bei dem jegliche Form der Promotion schlagartig beendet wurde. Die deutsche Premiere fand somit in einem pompösen Setting mit zweistöckigem Barbiehaus im und am Berlinale Palast statt, doch komplett ohne Cast und Crew, die eigentlich vollständige eingeplant waren.

Darum geht es

In Barbieworld herrscht pure Perfektion und von der Standard-Barbie bis zur Präsidentinnen-Barbie sind sich alle einig: Sie haben für ein aufgeklärtes und faires Rollenbild in der realen Welt gesorgt. Als jedoch die Standard-Barbie plötzlich anfängt auf platten Füßen zu gehen und sich erste Cellulite Stellen an ihrem Bein breit machen – ist klar, irgendetwas stimmt nicht und es muss umgehend gehandelt werden. Barbie nimmt das Problem also selbst in die Hand und bereist eigenmächtig die reale Welt, um der Ursache selbst auf den Grund zu gehen. Dass sie durch den ungeplanten Begleiter Ken, das Gesellschaftsgefüge der eigenen Welt auf dem Gewissen hat, ahnt sie jedoch nicht.

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Rezension

Von der ersten Sekunde an wird das Barbiefranchise und Spieluniversum bis zum Ergötzen ausgeschlachtet. Nachdem ein pinker Tsunami uns in die Barbiewelt eingeführt hat und auch dem Nichtkenner jede Absurdität des Figurenspektrums von Mattel präsentiert wurde, versucht Gerwig zeitweise sogar eine Story zu etablieren, die jedoch bis zum Schluss an Relevanz missen lässt. Im Stile von Disneys VERWÜNSCHT werden Realität und Parallelwelt miteinander verknüpft und bieten somit einerseits den Aufhänger des gesamten Films, der gleichzeitig aber wie ein MacGuffin über der sonstigen Idee schwebt und sogar für zeitweise Verwirrung sorgt, und andererseits wird auch hier die Kombination aus Musical und Realsatire hochgehalten. Doch genau um diese oberflächliche Story geht es auch nicht, sondern viel mehr um die schier unendliche Aneinanderreihung von exzessiven Geschlechtsbenachteiligungen, die durch Probleminvertierung regelrecht absurd wirken, einen Lacher nach dem anderen Provozieren und zeitgleich angesichts der Realsatire das Publikum in eine Schockstarre versetzen.

Barbie Filmstill

Barbie ©2022 Warner Bros. Entertainment Inc.

Nachdem man mit der Feminismus Keule niedergestreckt wird, geben die patriarchalischen Strukturen dem Publikum den Todesstoß. Leider stolpert Gerwig dabei hin und wieder auch über die eigenen Füße. Zwar ist die angesprochene Invertierung ein geschickter Schachzug, um die noch immer existierende patriarchische Überlegenheit zu vergegenwärtigen, widerspricht aber gleichzeitig auch dem feministischen Grundgedanken des Films. Dieser Widerspruch wird erst in den rührseligen letzten Minuten schließlich aufgelöst. Auch darüber hinaus teilt der Film fleißig branchenübergreifend aus und krönt das Ganze mit einer kapitalistischen Selbstkritik mit Verweis auf Mattel, die heutzutage eher einem Schuldeingeständnis durch die rosa rote Brille gleicht und damit Fehler der Vergangenheit statt totzuschweigen lieber unter dem Deckmantel der Ironie versucht zu legitimieren.

Pinker Terror lehrt Konservativen das Fürchten

Margot Robbie und Ryan Gosling hätten dabei kaum besser gecastet werden können. Auch wenn Robbie zeitweise einfach nur mit ihrer genialen Durchgedreht- und Überzogenheit, die sie in nahezu allen Filmen ausspielt, glänzen kann, sind es doch vor allem die entscheidenden Szenen, in denen ihre Mimik Bände spricht. Gosling hingegen bietet uns die perfektionistischste Vorstellung von Ken, die ein Barbielaie nur haben kann. Seine Körperhaltung schreit regelrecht nach plastischer Künstlichkeit. Mit seiner Performance erinnert er indes stark an Tom Cruise‘ verrückten Auftritt in ROCK OF AGES. Mit Helen Mirren als Erzählerin durchbricht man die ohnehin schon labile vierte Wand und beraubt der Kritik bereits frühzeitig ihrer Grundpfeiler.

Barbie Filmstill

Barbie ©2022 Warner Bros. Entertainment Inc.

Auch insgesamt hält Barbie nicht mit filmischen Referenzen zurück und zitiert, kopiert und persifliert Film um Film. Viele werden sehnsüchtig auf DEN Barbiesong schlechthin warten und umso enttäuschter sein, dass wir lediglich im Abspann eine mutlose Neuinterpretation erhalten. Doch das tut der Qualität des gesamten Soundtracks keinen Abbruch. Bis auf einige anfängliche All time Songs, bekommen wir ein buntes Potpourri aus wundervollen Remakes und exklusiven Neuschöpfungen, die hervorragend ins Ohr gehen und eine große Bandbreite von Emotionen wecken können. Insbesondre im emotionalen Wendepunkt liegen die Stärken ganz und gar beim Score.

Barbie Filmstill

Barbie ©2022 Warner Bros. Entertainment Inc.

Der Rubel rollt nun noch ein wenig besser

Nicht vergessen werden sollte unter all dem pinken Glanz, dass Mattell sich mit diesem Film die Tür fürs erneute Aufleben des Barbiekults ganz weit aufstößt und sich alle Optionen für neue Puppenreihen eröffnet. Ein strategisch sehr geschickter Schachzug, der sogleich den Verkauf angemessen ankurbeln wird. Auch abseits dessen hält man sich mit der offensichtlichen Produktplatzierung nicht zurück und bietet Birkenstock und Autoherstellern eine große Bühne, um zeitgleich den fortgeschrittenen American Dream in Perfektion auszustaffieren. Das wir dabei ein völlig realitätsfernes Bild von Armut und proletarischen Lebensverhältnissen aufgetischt bekommen, wird leider geradezu zur Nebensache.

Fazit

Die Angst um einen viel zu albernen und unsachlich polarisierenden Film war im Vorherein groß. Doch glücklicherweise zeigt Great Gerwig, dass auf ihre Art der Realitätsinterpretation und Adaption Verlass ist. Schon lange habe ich nicht mehr auf einem so guten Niveau lachen können und eine interessante Bandbreite der Gefühle durchlebt. Die schauspielerische Harmonie von Robbie und Gosling ist dabei als einer der entscheidenden Punkte zu betrachten. Die kontrastreiche Darstellung aus Dekonstruktion des wirtschaftlichen Erfolgsgedankens des Barbie und somit Mattel Imperiums und der patriarchalischen und daraus folgenden feministischen Realitätsspiegelung ist eine phänomenale Kombination, die ich so zuvor noch nicht erlebt habe.

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Barbie FIlmstill

Barbie ©2022 Warner Bros. Entertainment Inc.

After 40 animated adaptations released almost every year since 2001, the time has finally come: the first live-action adaptation is released in cinemas. The film immediately makes headlines on several levels. According to Sarah Greenwood, the use of fluorescent pink paint actually caused an international shortage of the same, but this could eventually be explained by the fact that the Covid 19 pandemic caused general problems in the supply chain. The film will go down in history, however, because a huge German premiere was planned in Berlin and this is now the first film after the writers’ and actors’ strike that has abruptly ended any form of promotion. The German premiere therefore took place in a pompous setting with a two-storey Barbie house in and around the Berlinale Palast, but completely without cast and crew, who were actually fully scheduled.

That’s what it’s all about

In Barbieworld, pure perfection reigns and everyone from the Standard Barbie to the President Barbie agrees: they have ensured an enlightened and fair role model in the real world. But when Standard Barbie suddenly starts walking on flat feet and the first cellulite spots start to appear on her leg – it is clear that something is wrong and action must be taken immediately. So Barbie takes the problem into her own hands and travels the real world on her own authority to get to the bottom of the cause herself. That through her unplanned companion Ken, she has the social fabric of her own world on her conscience.

Review

From the very first second, the Barbie franchise and game universe is cannibalised to the point of debauchery. After a pink tsunami has introduced us to the Barbie world and even the non-connoisseur has been presented with every absurdity of Mattel’s character spectrum, Gerwig even tries to establish a story at times, but it lacks relevance until the very end. In the style of Disney’s ENCHANTED, reality and parallel world are linked together and thus on the one hand offer the hook of the entire film, which at the same time hovers over the rest of the idea like a MacGuffin and even causes confusion at times, and on the other hand the combination of musical and real satire is also held up here. But it is not exactly this superficial story that is the point, but rather the sheer endless stringing together of excessive gender inequalities, which seem downright absurd due to the problem inversion, provoke one laugh after another and at the same time, in view of the real satire, put the audience into a state of shock.

Barbie Filmstill

Barbie ©2022 Warner Bros. Entertainment Inc.

After being struck down with the feminist club, the patriarchal structures deliver the death blow to the audience. Unfortunately, Gerwig also stumbles over her own feet now and then. Although the aforementioned inversion is a clever move to bring the still existing patriarchal superiority to mind, it also contradicts the basic feminist idea of the film. This contradiction is only finally resolved in the maudlin last minutes. Even beyond that, the film diligently deals out across industries and crowns the whole thing with a capitalist self-criticism with reference to Mattel, which nowadays rather resembles an admission of guilt through rose-coloured glasses and thus attempts to legitimise past mistakes under the cloak of irony instead of being silent about them.

Pink terror puts the fear of God into conservatives

Margot Robbie and Ryan Gosling could hardly have been better cast. Even if Robbie can at times simply shine with her ingenious loopiness and exaggeration, which she displays in almost all films, it is above all the decisive scenes in which her facial expressions speak volumes. Gosling, on the other hand, offers us the most perfectionist performance of Ken that a Barbie-ay could possibly have. His posture literally cries out for plastic artificiality. His performance, meanwhile, is strongly reminiscent of Tom Cruise’s crazy performance in ROCK OF AGES. With Helen Mirren as the narrator, they break the already unstable fourth wall and rob the critics of their cornerstones early on.

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Barbie ©2022 Warner Bros. Entertainment Inc.

Overall, Barbie doesn’t hold back with cinematic references either, quoting, copying and satirising film after film. Many will eagerly await THE Barbie song par excellence and be all the more disappointed that we only get a despondent reinterpretation in the end credits. But this does not detract from the quality of the entire soundtrack. Apart from a few initial all-time songs, we get a colourful potpourri of wonderful remakes and exclusive new creations that catch the ear excellently and can arouse a wide range of emotions. Especially in the emotional turning point, the strengths lie entirely in the score.

Barbie Filmstill

Barbie ©2022 Warner Bros. Entertainment Inc.

The ruble rolls a little better now

Underneath all the pink glamour, it should not be forgotten that with this film Mattell has opened the door wide for a revival of the Barbie cult and opened up all options for new doll series. A strategically very clever move that will immediately boost sales appropriately. Apart from that, they don’t hold back with obvious product placement either and offer Birkenstock and car manufacturers a big stage to simultaneously furnish the advanced American Dream in perfection. Unfortunately, the fact that we are presented with a completely unrealistic picture of poverty and proletarian living conditions becomes a minor matter.

Conclusion

The fear of a far too silly and unobjectively polarising film was great in advance. But fortunately Great Gerwig shows that her way of interpreting and adapting reality can be relied on. It’s been a long time since I’ve been able to laugh at such a good level and go through an interesting range of emotions. The acting harmony of Robbie and Gosling has to be considered as one of the crucial points. The contrasting portrayal of the deconstruction of the economic success of the Barbie and thus Mattel empire and the patriarchal and resulting feminist reflection of reality is a phenomenal combination that I have not experienced before.

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Originaltitel Barbie
Kinostart 19.7.2023
Länge: 114 minuten
Produktionsland United Kingdom
Genre: Komödie | Abenteuer
Regie Greta Gerwig
Executive Producer Richard Dickson | Josey McNamara | Ynon Kreiz | Michael Sharp | Courtenay Valenti | Toby Emmerich | Cate Adams | Greta Gerwig | Noah Baumbach
Producer Tom Ackerley | Margot Robbie | Robbie Brenner | David Heyman | Christine Crais
Kamera Rodrigo Prieto
Visual Effects François Dumoulin | Erin Hewitt | Glen Pratt
Musik Mark Ronson | Andrew Wyatt
Cast Margot Robbie, Ryan Gosling, America Ferrera, Ariana Greenblatt, Issa Rae, Kate McKinnon, Alexandra Shipp, Emma Mackey, Hari Nef, Sharon Rooney, Ana Cruz Kayne, Ritu Arya, Dua Lipa, Nicola Coughlan, Emerald Fennell, Simu Liu, Kingsley Ben-Adir, Ncuti Gatwa, Scott Evans, John Cena

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