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Review Fakten + Credits


Darum geht es …

Die junge Maren trägt ein grausige Geheimnis mit sich herum. Immer wieder überkommt sie der Drang nach Menschenfleisch, dem sie letztlich nachgibt. Als ihr überforderter Vater sie verlässt, macht sie sich auf die Suche nach ihrer Mutter, die sie nie kennengelernt hat. Unterwegs findet sie in dem gleichaltrigen Lee einen Seelen- und Artverwandten. Doch nicht alle ihresgleichen sind ihnen freundlich gesinnt und der Hunger, der sie verbindet, treibt sie gleichzeitig auseinander.

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Rezension

Kannibalismus wird zur makabren Metapher für Reaganeske Rücksichtslosigkeit in Luca Guadagninos gleichsam bittersüßer und blutiger Ballade von emotionalem Erwachen und Einsamkeit. Deren pessimistische politische Parallelen erstickt letztlich ein ästhetisches Air kommerzieller Künstlichkeit, das die dystopische Dekonstruktion imperialistischer Ideologie zugleich konterkariert und intensiviert. Die grausame Gefräßigkeit einer Gier-ist-gut-Gesellschaft relativiert und reflektiert beständig den anthropophagischen Appetit, der die 18-jährige Maren (Taylor Russell) auf einen Roadtrip durch eine Wyeth-inspirirte White Trash Wüste auf der Suche nach ihrer Mutter (grandiose Cameo: Chloë Sevigny). Deren Zustand sedierter Selbstbestrafung, in der sie sich buchstäblich vor Verlangen verzehrt, verkörpert den Endpunkt der Maren indoktrinierten Schuldgefühle und Selbstablehnung.

Bones and All Filmstill

Bones and All ©2022 Metro-Goldwyn-Mayer Pictures Inc.

Beide verstärken im Kontext von Pathologisierung, Stigmatisierung und Kriminalisierung einen queeren Subtext, den die Romanze zwischen der durch ihre irrationalen Instinkte verstörten Protagonistin und Drifter Lee (Timothée Chalamet) subtil unterstreicht. Wie die übrigen Menschenfressenden, die ihren von Leichen gepflasterten Weg kreuzen, wurden sie verlassen, versteckt und verleugnet von Eltern, die hofften, ihre Andersartigkeit würde auswachsen. Beide verbindet weniger Leidenschaft als ein Bedürfnis nach Geborgenheit und Gemeinschaft, das selbst bedrohliche Figuren wie Mark Rylance’ diabolischen Sully motiviert oder David Gordon Greens und Michael Stuhlbargs Redneck-Duo. Sie alle sind die Aussätzigen eines Raubtierkapitalismus, in dem die Unterschicht Schlachtvieh ist und einander zerfleische Zärtlichkeit.

Fazit

stilisierter Zelluloidfilm mit roter Ziffer "7"Sardonische Systemkritik und abgründige Allegorien gären unter dem lasziven Grunge-Chic des melancholischen Monster-Märchens. Der animalische Atavismus der Außenseiterinnen und Anti-Helden Camille DeAngelis‘ gleichnamiger Romanvorlage wird zur blutrünstigen Umkehr der ökonomischen Machtverhältnisse. Das exzellente Ensemble verleiht der morbiden Mischung aus Road-Movie und Horror-Romanze eine raue Prägnanz, die authentischer wirkt als die durch Pop-Poesie, Werbe-Optik und den einen frühen van Sant imitierenden Indie-Look verflachte No-Future-Nostalgie.

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