Review Fakten + Credits


Das Zimmer der Wunder

Veröffentlichung: 2023-03-15Genre: DramaLänge: 99 minutenBudget: $ 0
Übersicht

Als Thelmas Sohn Louis beim Skaten von einem Auto erfasst wird und ins Koma fällt, ändert sich ihr Leben radikal. Trotz der pessimistischen Prognosen der Ärzte gibt Thelma nicht auf und nimmt eine ungewöhnliche Herausforderung an. Louis hat in sein Tagebuch „Dinge, die man vor dem Ende der Welt tun sollte“ geschrieben, und genau diese Teenager-Träume setzt Thelma für ihn um. Mit der Hoffnung, dass Louis durch die Geschichten dieser Abenteuer aus seinem Koma erwachen wird, reist Thelma durch die ganze Welt. Auf dieser unglaublichen Reise erhält auch Thelmas eigenes Leben eine unerwartete Wendung. Sie kämpft leidenschaftlich dafür, ihren Sohn mit der Kraft der Träume und der Worte wieder zu beleben. Die Grundidee der Mutter-Sohn-Geschichte ist nicht nur originell, sie sorgt auch für viele Emotionen, vor allem weil es neben der Krankenhausgeschichte eine zweite Ebene gibt, die immer wichtiger wird.

Quelle: www.themoviedb.org

 

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Rezension

Ja, manche Eltern eben für ihre Kinder. Aber wohl kaum auf so exaltiert egomanische Art wie die Protagonistin Lisa Azuelos‘ Adaption Julien Sandrels den Originaltitel von DAS ZIMMER DER WUNDER gebenden Romans. Darin ist der kindliche Koma-Patient Louis (Hugo Questel) noch Teilhaber einer sentimentalen Selbstfindung, die der Autor und Co-Drehbuchautoren-Duo Juliette Sales und Fabien Suarez auf der Leinwand rein um seine Mutter (Alexandra Lamy) konstruieren. Thelma findet unter Louis‘ Kopfkissen dessen Bucket List voll wohlstandsverwöhnter Lebensziele, die sie abzuarbeiten beginnt. 

eine Frau sitzt auf einer Bank vor einem Haus mit Vorgarten, auf ihrem Schoß liegt eine Tasche und ein Skateboard

Das Zimmer der Wunder © 2024 SquareOne Entertainment

Noch befremdlicher als mit Walen zu tauchen, während ihr Sohn in Lebensgefahr schwebt, oder seiner Lehrerin an die Brüste zu fassen – was ihm alles erzählt und per Handy-Video vorgeführt wird – ist Thelmas Hoffnung, Louis möge dadurch erwachen. Vor Wut über die Aneignung seiner Wunschphantasien? Jene behandelt die Inszenierung mit privilegiertem Pragmatismus als reine Prestige-Pflichten. Es geht nicht um das Erlebnis, sondern darum, es vorzuweisen. Weder Thelmas magisches Denken noch ihr egozentrischer Eskapismus werden kritisch reflektiert.

Stattdessen verklärt und verkitscht die Regisseurin die exzessive Übergriffigkeit der alleinerziehenden Lagerarbeiterin, die ihr schier unerschöpfliches Budget und allgegenwärtiger Altruismus an ungeahnte Orte und schließlich das vorhersehbare Ziel führt. Die Erweckung ist folglich eine zweifache, genau wie der neurologisch abstrahierte Neubeginn. Ein komatöses Kind als Katalysator von Abenteuerlust und Aufbruch. Die unter der Zuckerkruste zutiefst zynische Mär wirkt durch das manierierte Schauspiel und die austauschbare Optik umso mehr kalkuliert und konformistisch wie die quasi-spirituelle Message.

ein Junge steht am Ufer eines Gewässers, um ihn herum sind Türme aus Steinen gebaut, in den Händen hält er einen Stein

Das Zimmer der Wunder © 2024 SquareOne Entertainment

Fazit

Ein Blick auf Liza Azuelos‘ Filmographie zeigt eine Kette inszenatorischer Missgriffe, in die sich ihr jüngstes Werk nahtlos einfügt. Nach der Blaupause semi-phantastischer US-Tragikomödie bastelt die Regisseurin aus Julien Sandrels Buchvorlage eine eklektische Erbauungsstory, die das kontroverse Potenzial ihrer Motive – etwa die durch eine Tragödie neu entdeckte Lebenslust und Freiheit – mittels rührseliger Realitätsflucht erstickt. Eklatante Logiklücken lassen emotionale Glaubwürdigkeit so wenig aufkommen wie psychologische Authentizität. DAS ZIMMER DER WUNDER ist bloß ein kommerzielles kinematisches Kuriositätenkabinett. 

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Originaltitel La Chambre des merveilles
Kinostart 15.3.2023
Länge: 99 minuten
Produktionsland France
Genre: Drama
Regie Lisa Azuelos
Producer Eric Jehelmann | Philippe Rousselet
Cast Alexandra Lamy, Muriel Robin, Hugo Questel, Xavier Lacaille, Martine Schambacher, Hiroki Hasegawa, Carima Amarouche, Eye Haïdara, Maria Fernanda Cândido, Rafi Pitts, Sayyid El Alami, Jonas Bachan, Samir Decazza, Mona Walravens, Pierre Cachia, Marcel Gitard, Edwyn Burger, Eyed Meguedmini, Clara Caneshe, Diariata N'Diaye

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