Review Fakten + Credits


My Summer of Love Filmstill

My Summer of Love ©capelight pictures

Könnt ihr euch noch an die Zeit früher erinnern? Die Zeit, in der man zur Schule gegangen ist und der Höhepunkt eines Jahres die sechswöchigen Sommerferien waren. Damals als Kind oder Jugendliche*r eine scheinbar endlose Zeit. Eine Zeit der Sorglosigkeit, in der man einfach in den Tag hineinleben konnte. Es waren 6 Wochen ohne Probleme, die größte Sorge war, ob am nächsten Tag wieder die Sonne scheinen würde, um erneut den Weg zum See auf sich zu nehmen. Für die meisten von uns findet diese Zeit mit dem Schulabschluss ein plötzliches Ende und man ist froh darüber, wenn man zwei Wochen Urlaub am Stück bekommt. Deswegen versuchen Filmemacher immer wieder dieses sorglose Sommergefühl auf Zelluloid zu bannen. In den letzten Jahren haben uns Filme wie CALL MY BY YOUR NAME oder LUCA in den Italienurlaub entführt. Im Jahr 2004 hat der Regisseur Pawel Pawlikowski mit der Verfilmung von Helen Cross‘ gleichnamigen Roman ebenfalls versucht das Gefühl eines endlosen Sommers einzufangen.

Darum geht es…

Mona (Natalie Press) lebt mit ihrem Bruder Phil (Paddy Considine) über dem alten Pub ihrer Mutter. Da die Mutter mittlerweile verstorben ist, sind die beiden Geschwister auf sich gestellt. Während Mona keine großen Ziele hat und einfach vor sich hinlebt, hat ihr Bruder im Gefängnis zu Gott gefunden. Er hat in der Vergangenheit mehrere Diebstähle begangen und ist im Gefängnis den „born-again Christians“ beigetreten. Er gestaltet den alten Pub deswegen in eine Anlaufstelle für die gläubigen aus dem Ort um. Während Phil also die Alkoholbestände weggießt und an einem großen Kreuz arbeitet, flieht Mona immer wieder in den Ort. Während sie an einem sonnigen Tag auf einer Wiese liegt, lernt sie Tamsin (Emily Blunt) kennen. Tamsin stammt aus einem reichen Elternhaus. Sie geht eigentlich auf ein Internat, für die Sommerferien ist sie allerdings nachhause zurückgekehrt. Die beiden jungen Frauen werden unzertrennlich, so sehr, dass sie irgendwann Gefühle füreinander entwickeln.

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Rezension

Im Grunde genommen klingt MY SUMMER OF LOVE erstmal sehr nach CALL MY BY YOUR NAME. Und auf den ersten Blick gelingt es Pawel Pawlikowski auch ein ähnliches Gefühl zu erzeugen. Man kann die schwere Hitze des Sommers förmlich fühlen. Der Film setzt dabei sehr auf warme Farben und eine reduzierte Musik. Wenn es vereinzelnd zu einer musikalischen Untermalung kommt, dann sind es melancholisch tragende Stücke, um das Gefühl der Wärme zu verstärken. Statt Musik hört man allerdings eher die Geräusche der Natur: Einen Wasserfall, an dem die Frauen gerade schwimmen, das Zirpen der Grillen auf einer Wiese, das Rauschen des Windes. Die Geräusche des Sommers. Um näher am Geschehen zu sein, wurde in vielen Einstellungen auf eine Handkamera gesetzt. Leider entstehen dadurch sehr verwaschene Bilder, die etwas amateurhaft wirken. Zusätzlich erzeugen die sonst sehr ruhig komponierten Bilder eine gewisse Nervosität, durch das Fehlen eines Stativs, bzw. die konstanten Mikrobewegungen der Kameraperson.

My Summer of Love Filmstill

My Summer of Love ©capelight pictures

Obwohl der Film eine sehr passende Stimmung erzeugt, fehlt es dem Drehbuch doch leider an Nachvollziehbarkeit. Man merkt dem Film dabei sehr stark die geringen Mittel an. Statt uns bestimmte Situationen zu zeigen, Beobachten wir die Figuren dabei, wie sie sich gegenseitig Episoden aus ihrem Leben erzählen. Ein paar mehr Einblicke und einige weitere Schauplätze hätten MY SUMMER OF LOVE gut gestanden. So sehen wir die immer gleichen Orte und die Lebenswelt von Tamsin und Mona fühlt sich winzig an. Wir sehen zum einen den Pub, dann das Haus in dem Tamsin lebt, einen Wasserfall und eine Wiese. Immer wieder werden andere Locations eingestreut, ein Großteil des Films findet allerdings an vier Schauplätzen statt.

Zwei furchtbare Hauptfiguren

Am ehesten fallen die Unzulänglichkeiten im Drehbuch von MY SUMMER OF LOVE bei der Charakterisierung der beiden Hauptfiguren auf. Wir begleiten mit Mona und Tamsin zwei unfassbar unangenehme Figuren. Mona ist eine vollkommen naive Person, über deren Blödheit man sich immer wieder ärgert. Dabei sieht sie nur sich selbst, andere Menschen scheinen ihr vollkommen egal zu sein. Gemeinsam mit Tamsin entsteht so eine explosive Mischung. Bei ihr handelt es sich um eine astreine Narzisstin, die noch weniger Empathie für ihr Umfeld empfindet als Mona. Gemeinsam ziehen sie durch die Stadt und tyrannisieren ihre Mitmenschen. Am ehesten noch Monas Bruder Phil. Es handelt sich bei ihm zwar ebenfalls nicht um einen Helden und auch sein blindes Gottvertrauen kann man kritisieren. Zumindest hat er aber einen Weg aus seiner Kriminalität gefunden und mit der Religion etwas, dass ihm halt gibt. Beide Frauen versuchen immer wieder seine Welt ins Wanken zu bringen, ohne einmal zu hinterfragen, welche Konsequenzen es für ihn haben könnte.

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My Summer of Love ©capelight pictures

Auch wenn es sich bei den beiden Frauen um unerträgliche Egozentrikerinnen handelt, muss man zugestehen, dass Emily Blunt und Natalie Press einen ausgezeichneten Job machen. Fast zu keinem Zeitpunkt erkennt man die Schauspielerinnen als solche, man beobachtet zwei echte Personen, die zwar unsympathisch sind, die allerdings mit voller Hingabe gespielt werden. Allerdings können die beiden Darstellerinnen auch nur mit dem arbeiten, dass sie geliefert bekommen. Denn einige der Dialoge in MY SUMMER OF LOVE wirken, als wären sie direkt aus einem Roman übernommen. Nun könnte man natürlich sagen, dass man so nah am Ausgangsmaterial bleibt, allerdings funktionieren unterschiedliche Medien auf unterschiedliche Weisen. Wenn eine Filmfigur also spricht, als würde sie ein Buch zitieren, fällt es umso schwere sich in die Figur zu versetzten. Insbesondere dann, wenn eine Figur regelmäßig verweise zu Nietzsche und Freud gibt, oder über die Musik von Édith Piaf schwärmt, wird das ganze etwas prätentiös.

Fazit:

Mit MY SUMMER OF LOVE wurde zwar der löbliche Versuch gewagt eine lesbische Liebesgeschichte zu erzählen, doch leider verpufft der Effekt vollkommen, wenn es sich bei beiden Hauptfiguren um unerträgliche Egozentrikerinnen handelt. Sowohl Natalie Press, als auch Emily Blunt verkörpern ihre Figuren mit voller Hingabe, durch die schwachen Dialoge und ihre Charaktereigenschaften hat man keine Chance sich mit den Figuren zu Identifizieren. Regisseur Pawel Pawlikowski schafft es zwar die Stimmung eines Sommers einzufangen, durch die unruhige Kameraarbeit wird die Wirkung doch leider verfehlt. So wird MY SUMMER OF LOVE zu einem Film voller guter Ideen, bei denen es konsequent an der Umsetzung mangelt.

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Review Fakten + Credits


Originaltitel My Summer of Love
Kinostart 5.5.2005
Länge: 89 minuten
Produktionsland United Kingdom
Genre: Drama | Liebesfilm
Regie Paweł Pawlikowski
Executive Producer Chris Auty | Keith Evans | Emma Hayter | David M. Thompson
Producer Chris Collins | Tanya Seghatchian
Kamera Ryszard Lenczewski
Musik Alison Goldfrapp | Will Gregory
Cast Natalie Press, Emily Blunt, Paddy Considine, Dean Andrews, Michelle Byrne, Paul Antony-Barber, Lynette Edwards, Kathryn Sumner

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