Review Fakten + Credits


Ein Regiedebüt ist immer eine spannende Sache und häufig der Beginn einer interessanten Filmkarriere. Vor allem im Horrorgenre sprießen junge, ambitionierte Filmemacher*innen in den letzten Jahren förmlich aus dem Boden. Die geringen finanziellen Mittel, die den Nachwuchskünstler*innen oft im Weg stehen, werden häufig mit jeder Menge Leidenschaft, einer großen Portion Herzblut und natürlich der uneingeschränkten Liebe zum Film um ein Vielfaches aufgewogen, was Filmfans genau aus diesem Grund immer wieder unglaublich kreative Werke, losgelöst von den strengen Konventionen des eindimensionalen Mainstreamkinos, beschert. Während sich der britische Ausnahmeregisseur Ari Aster mit seinem atmosphärischen Old-School-Gruselfilm THE VVITCH oder die talentierte Französin Julia Ducournau mit ihrem fantastischen Coming-of-Age-Kannibalen-Drama RAW direkt in die Herzen der Filmpresse und des Publikums katapultierten, dürfte es Pierre Tsigaridis mit seinem Debütfilm TWO WITCHES deutlich schwerer haben, sich als neuer Stern am Horror-Himmel zu etablieren. Die Grundvoraussetzungen für eine aufstrebende Karriere im Bereich des Horrorfilms bringt sein okkulter Hexenfilm trotz massiver Mängel in der Ausführung dennoch mit!

Darum geht es

Die schwangere Sarah (Belle Adams) bemerkt bei einem Essen mit ihrem Partner Simon (Ian Michaels) plötzlich eine seltsame alte Frau, die ihren starren Blick nicht von ihr löst. Als sich die Augen der seltsamen Dame dann noch in ein trübes Weiß färben, ist sich die werdende Mutter sicher: Sie hat es mit einer bösen Hexe zu tun. In den folgenden Tagen häufen sich seltsame Vorkommnisse und dunkle Visionen, die Sarah dazu veranlassen, sich ihrer, dem Okkulten sehr zugeneigten Freundin Melissa (Dina Silva) und deren Freund Dustin (Tim Fox) anzuvertrauen. Dass der Einsatz eines Ouija-Bretts nicht der beste Einfall zur Ergründung des Bösen war, muss die Gruppe auf blutige Art und Weise am eigenen Leib erfahren. Nicht weniger drastische Folgen muss an einem anderen Ort die Studentin Rachel (Kristina Klebe) erfahren, als ihr ihre Mitbewohnerin Masha (Rebekah Kennedy) offenbart, dass sie eine Hexe ist. Ihre impulsive Reaktion auf das seltsame Geständnis, scheint die junge Frau alles andere als zu erfreuen. Masha sollte man lieber nicht zur Feindin haben…

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Rezension

Auch wenn der Titel etwas Anderes impliziert, hat TWO WITCHES in der Tat mehr als nur zwei Hexen im Gepäck. Aufgrund der zweigeteilten Geschichte – bei Pierre Tsigaridis Einstand in die Welt des Spielfilms handelt es sich in gewissermaßen um eine Horroranthologie –, die jeweils eine der titelgebenden dunklen Magierinnen ins Zentrum der Handlung setzt, ist die Namenswahl dann doch ziemlich passend. Die zwei anfangs mehr oder weniger voneinander losgelösten, später aber zusammenlaufenden Kapitel, werden dabei thematisch vom generationenübergreifenden Erbe der bösen Mächte zusammengehalten, ehe der kurze Prolog am Ende noch einen Ausblick auf vielleicht (?) noch kommende Ereignisse gibt. Die Entscheidung, die Hexenthematik in zwei episodenhaften Kurzfilmen zu verarbeiten, ist erzählerisch zwar ein interessanter Schachzug, wirkt sich dadurch aber auch negativ auf die etwas fahrige Dramaturgie aus. Tsigaridis bleibt in beiden Fällen lediglich rund eine Dreiviertelstunde Zeit, neue Figuren einzuführen, einen Spannungsbogen zu erzeugen und diesen zu einem befriedigenden Ende zu bringen – was ihm gerade im deutlich schwächeren ersten Kapitel überhaupt nicht gelingen will.

TWO WITCHES fehlt es in erster Linie an einer nachvollziehbaren Hintergrundgeschichte für das Böse und die zum Spielball der Hexen geratenen Charaktere. Letztere sind nicht mehr als leere Hüllen, die darüber hinaus am wenig überzeugenden Schauspiel des eher unbekannten Casts zu leiden haben. Einzig Rebekah Kennedy, deren Charakter Masha im gleichnamigen zweiten Kapitel die darstellerische Führung mit Leichtigkeit an sich reißt, kann mit ihrem diabolischen Lächeln und ihrem unheimlichen Auftreten für den einen oder anderen wohligen Schauer sorgen und auch darstellerisch Akzente setzten. Mit ihrer Performance kommt die junge US-Amerikanerin dem Begriff Grusel noch am nächsten, indessen sich der Genrefilm mit eingestaubten Horror-Klischees abmüht, eine erschreckende Wirkung zu erzeugen – mit mäßigem Erfolg versteht sich. Pierre Tsigaridis gelingt es dabei zwar, den Charme alter Okkult-Horrorfilme zu reproduzieren und mit guten praktischen Effekten und auf retro getrimmten Schockeffekten einen authentischen Old-School-Vibe zu generieren, Unbehagen oder echten Horror löst er damit aber nur selten aus.




Noch mehr Old-School-Hexen-Horror?

Nachdem das erste Kapitel noch unbefriedigend ins Leere läuft, machen die letzten 30 Minuten mit dem fast schon grotesk überspitzen Old-School-Horror dann doch noch Laune. Bis dahin muss sich das horroraffine Publikum jedoch mit wahllos aneinandergereihten Altraumszenen, bestehend aus hektischen Rückblenden und Visionen, dämonischen Augen, sich verrenkenden Gliedmaßen und schnellen Schnitten herumschlagen. Der scheppernde Score hingehen kann durchaus überzeugen. TWO WITCHES lässt lange Zeit eine klare Intention vermissen und belastet das Gemüt mit unnötig nervigen Figuren. Wenn mit der letzten Einstellung dann noch einmal der Filmtitel eingeblendet wird, gefolgt von einem, eine Fortsetzung in Aussicht stellenden „to be continued“, geht dies mit dem zwiespältigen Gefühl einher, ob diese Ankündigung nun als Warnung oder vielleicht doch als Chance zu sehen ist. Leidenschaft beweist Pierre Tsigaridis mit seinem Debütfilm jedenfalls – nun fehlt es nur noch an einem ausgefeilten Skript und einer klaren Vision. Die Chancen stehen also gar nicht so schlecht…

Fazit

Mit seinem Regiedebüt TWO WITCHES stellt Regieneuling Pierre Tsigaridis seine Liebe zum Horror der alten Schule unter Beweis, lässt dabei aber das notwendige Feingefühl für das Filmemachen vermissen. Dank der schaurigen Darbietung von Rebekah Kennedy und einigen netten Horror-Grotesken, macht der Hexenfilm stellenweise sogar großen Spaß. Dies kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass der gut gemeinten Hommage an ein vergangenes Zeitalter des Horrors eine klare Linie vermissen lässt. Mit einem besseren Skript und einer klaren Vision, sollte es dem Nachwuchsregisseur ein Leichtes sein, beim nächsten filmischen Versuch im Horrorgenre Fuß zu fassen. TWO WITCHES jedenfalls scheitert bei diesem Versuch, ist aber bereits ein Schritt in die richtige Richtung!

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