Rezension
Mit einer Entwicklungszeit, die sich ebenso lange hinstreckte wie der Held Homers antiker Vorlage DIE ODYSSEE verschollen war, einer Reihe vorhersehbarer Kontroversen und noch vorhersehbarerer Rekorde, schien Christopher Nolans bombastische Adaption der Odyssee ein konzeptionelles Pendant der handlungszentralen Irrfahrt. Eines jener mega- bis megalomanischen Filmprojekte, die entweder in der Entwicklungs-Hölle gefangen bleiben oder untergehen, wie es Matt Damons mythischem Protagonisten nach Jahre und jahrzehntelanger Abwesenheit nachgesagt wird. Doch wie Odysseus schließlich allein, gealtert und abgekämpft zu seiner Heimat Ithaka zurückfindet, ist auch DIE ODYSSEE schließlich an ihrem Leinwand-Zielort angekommen und weit entfernt von dem zeitlosen Klassiker, als der alle Nolan-Filme sich aufbauschen.
Dennoch ist DIE ODYSSEE auch nicht das misogyne CGI-Spektakel, das die letzten Werke des Regisseurs befürchten ließen. Knapp unter der Drei-Stunden-Marke abschließend, hält die an der verschachtelten Vers-Struktur des Originals orientierte Handlung Effekte angenehm in Grenzen. Die Handvoll Episoden, in denen Odysseus und seine Männer – darunter Himesh Patel als Eurylochus, Andrew Howard als Polites und Elliot Page als Sinon – auf mythischen Monstern und Magie treffen, sind überraschend knapp gehalten und auf die allegorischen und psychologischen Facetten konzentriert. Während Zyklop Polyphem (Bill Irwin) als gigantischer Silhouette im Feuerschein seiner Höhle noch vorwiegend Horror-Elemente evoziert, sind die darauffolgenden Begegnungen introspektive und psychologische Duelle.
Selbst die Konfrontation mit Polyphem wird tragisch gebrochen durch die soziologischen Untertöne eines grotesken Missverständnisses, bei dem beide Parteien die andere für bestialisch und unverständig halten. Samantha Mortons Circe enthüllt mit verwunschenen Speisen die niederen Instinkte der Männer (alles Schweine) während der Gesang der Sirenen Odysseus mit unerfülltem Verlangen und schmerzlichen Verlusten lockt. Dagegen sind die infernalischen Szenen der von Feuer und Rauch umhüllten Schlacht um Troja ernüchternd unspektakulär in ihrer konventionellen Mischung aus choreographiertem Machismo und Pathos. Seine Stärken zeigt der zwischen Prätention und Potenzial changierende Plot in der buchstäblich dreckigen realistischen Rekonstruktion ikonischer Konzepte wie dem Trojanischen Pferd.
![Szenenbild aus Die Odyssee: Eine Gruppe von Männern in antiker Rüstung bewegt sich durch einen lichten Nadelwald. Die vorderen Personen tragen Helme mit Kamm, Brustpanzer, Umhänge und kurze Röcke. Einige halten Schilde und Speere, andere Schwerter. Im Hintergrund sind weitere Männer in ähnlicher Ausrüstung zu sehen. Der Waldboden ist mit Nadeln und niedrigen Büschen bedeckt, zwischen den Bäumen liegt leichter Nebel. [erstellt mit KI]](https://riecks-filmkritiken.de/wp-content/uploads/2026/07/CT-K020-18_CROP-1400x628.webp)
Die Odyssee ©2026 Universal Studios
Dessen halb in der Brandung versunkener Holzkörper, gefüllt mit aneinander gezwängten Soldaten, erinnert an die gefallene Freiheitsstatue der legendären Schlussszene von PLANET OF THE APES: Ein Symbol des Niedergangs einer großen Kultur, die ihren Fall selbst provoziert hat. Genauso referenziert das Filmposter mit Nolans BATMAN-Filmen den Typus des zwiespältigen Kriegers, der im Kampf für die vermeintlich gute Sache immer wieder in moralische Abgründe taumelt. Obwohl visuell eindrucksvoll umgesetzt, gehen diese (Selbst)Referenzen kaum über hohle Gesten hinaus. Die archaischen Begriffe von Recht und männlicher Macht sind bezeichnend kongruent mit Nolans eigenen konservativen Prinzipien, die in dem martialischen Werte-Kosmos wahrhaft heimisch sind.
Fazit
Düster und unheilvoll beschwören Hoyte van Hoytemas gemäldegleiche Kamerabilder Christopher Nolans Welt griechischer Sagen als im Verfall begriffenen Moloch von Gewalt, Gier und Verrat. Aus glorreichen Helden werden gebrochene Männer, verfolgt von ihrer zu spät erkannten Hybris. Jene provoziert Zerstörung und Zerfall auf kollektiver, politischer und psychischer Ebene, für den die Menschen Göttern wie Zendayas Athene verantwortlich machen. Ludwig Göranssons orchestrale Kompositionen folgen in ihrer Überfrachtung den theatralischen Hauptdarstellungen des All-Star-Cast. Dessen Nebenrollen sind die spannenderen Figuren mit differenzierteren Darstellungen und komplexeren Motiven als der larmoyante Protagonist. Er bleibt trotz innovativer Ansätze letztlich ebenso in patriarchalischem Pathos gefangen wie der Regisseur.
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| Originaltitel | The Odyssey |
| Kinostart | 15.7.2026 |
| Länge: | 172 minuten |
| Produktionsland | United Kingdom |
| Genre: | Abenteuer | Action | Fantasy |
| Regie | Christopher Nolan |
| Executive Producer | Thomas Hayslip |
| Producer | Christopher Nolan | Emma Thomas |
| Kamera | Hoyte van Hoytema |
| Visual Effects | Andrew Jackson | Andrew Lockley | Giacomo Mineo |
| Musik | Ludwig Göransson |
| Cast | Matt Damon, Tom Holland, Anne Hathaway, Robert Pattinson, Lupita Nyong'o, Charlize Theron, Zendaya, Benny Safdie, Jon Bernthal, John Leguizamo, Himesh Patel, Mia Goth, Will Yun Lee, Jimmy Gonzáles, Elliot Page, Bill Irwin, Samantha Morton, Jesse García, Rafi Gavron, Shiloh Fernandez |
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![Am Strand ziehen zahlreiche Menschen mit Seilen eine große Pferdstatue aus dem Wasser. Im Vordergrund liegen verstreute Holzteile und Netze im Sand. Die Brandung und das Meer sind im Hintergrund sichtbar, während die Sonne tief steht und lange Schatten wirft. [erstellt mit KI]](https://riecks-filmkritiken.de/wp-content/uploads/2026/07/CT-02725_MSGR-1.webp)

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