Rezension
Das erste Opfer, zu dem Bum-seok (Jung-Min Hwang), Chef des örtlichen Polizeipostens, gerufen wird, ist ein Rind, gerissen auf einer Landstraße. Ein Bär oder ein Tiger kursieren als mögliche Angreifer, noch längst nicht das, was das südkoreanische Fischerdorf Hope Harbor tatsächlich erwartet. Na Hong-jins überlanges Monster-Spektakel, der erste Langfilm des THE WAILING-Regisseurs seit seinem entschleunigten Okkult-Horror aus 2016, liefert einen aufreibenden ersten Akt, in dem die Bedrohung lang auf ein konkretes Gesicht wartet, und zunächst nur in der Ferne und durch reine Zerstörung in Erscheinung tritt.
Beinah in Echtzeit heftet sich der in Cannes uraufgeführte Genremix an die Fersen seines simpel gestrickten Protagonisten. Menschenverlassene Straßen, Geräusche in der Ferne und Spuren der Verwüstung lassen ihn und das Publikum nur erahnen, wer oder was sein Unwesen in der Kleinstadt treibt. Die wachsende Paranoia und den abstrakten Schrecken des ersten Akts stärkt, neben all den losen Assoziationen zu anderen Monster- und Katastrophenfilmen, die Verortung Hope Harbors in die Nähe der demilitarisierten Zone zwischen Nord- und Südkorea.
Bombast mit Abstrichen
Die anfängliche Ungewissheit, die in Hinsicht auf ihre politische Deutung nie vertieft wird, ist zugleich das gespenstischste Element des viel eher mit dem Action- und Science-Fiction-Genre als mit einem entschleunigten, atmosphärischen Mysterium liebäugelnden Genrefilms. Nach fünfzig Minuten offenbart HOPE dann sein erstes zerstörerisches Objekt der Begierde, zumindest einen Teil seiner außerirdischen Akteure. Dessen klobiges und unausgereiftes CGI markiert die Gestalt auch auf Produktionsebene als holprigen Fremdkörper innerhalb eines handwerklich eigentlich sehr routinierten und cleanen Films.
![Szenenbild aus Hope: Zwei Personen sind durch die Scheiben eines großen, in mehrere Felder unterteilten Fensters zu sehen. Die Scheiben sind von außen beschlagen und teilweise mit Zeichnungen oder Symbolen versehen. [erstellt mit KI]](https://riecks-filmkritiken.de/wp-content/uploads/2026/10/Hope_Still_01-1400x645.webp)
Hope ©2026 Plus M Entertainment
Es folgen weitere Kapitel rastloser Verfolgungsjagden und Actionsequenzen, zwischen die sich überflüssige Exposition und notgedrungene Charakterzeichnungen streuen. Die stetig anwachsende Eskalationsspirale inklusive ausdauernden Waffeneinsatzes persifliert einerseits bedingungslose, unhinterfragte Gewaltbereitschaft und wahnhafte Gewaltspiralen, gefällt sich andererseits aber auch als ausufernde Schussorgie und zeitlupengespicktes Actionfest. Jenes ist im teuersten südkoreanischen Film aller Zeiten immer wieder gewaltig, fast immer exzessiv, aber mit der Zeit auch repetitiv und erschöpfend.
Milliarden-Wong-Prolog
In all dem temporeichen Spektakel bleiben die Figuren, zwischen denen der Film vor allem im Mittelteil umherspringt, und ihre Dialoge zweckdienlich. Hwang, In-sung Zo und Hoyeon liefern zwar energiegeladene und überzeichnete Performances, ihre Charaktere sind irgendwann aber nebensächlich. Fast mehr Profil erhalten die antropomorphen Ankömmlinge, hinter denen in HOPE, wie in vielen anderen Genrevertretern auch, mehr als nur gefräßige Monster stecken. Im Laufe des Films verschieben sich die Rollen von Jägern und Gejagten zwischen Mensch und Außerirdischem hin und her, beiderseits eher seicht, als dicht unterfüttert. Im letzten Akt versucht Na Hong-jin dann die vollständige Transformation zum kosmischen Epos.
![Szenenbild aus Hope: Eine Frau mit ernstem Gesichtsausdruck steht hinter einer geöffneten Autotür eines weißen Fahrzeugs mit eingeschaltetem Blaulicht. Sie hält ein Gewehr im Anschlag und zielt in Richtung des Bildvordergrunds. Staub und Rauchpartikel liegen in der Luft, im Hintergrund sind unscharfe Gebäude und weitere Fahrzeuge zu erkennen. Die Szene wirkt angespannt und dynamisch. [erstellt mit KI]](https://riecks-filmkritiken.de/wp-content/uploads/2026/10/Hope_Still_02-1400x645.webp)
Hope ©2026 Plus M Entertainment
Das finale Eintreffen der Fremden, unter anderem verkörpert von Michael Fassbender (BLACK BAG) und Alicia Vikander (BLUE BAYOU), wirkt in erster Linie wie der optimale Wegbereiter für die bereits bestätigte Fortsetzung: Noch ambitionierter und ausufernder, Größenverhältnisse neu ordnend, noch kolossaleres World-Building anteasernd. Ein Finale, das dem Spektakelcharakter des Films sicherlich in die Karten spielt, aber so oberflächlich bleibt wie der Rest. Im Vergleich zum ebenso ausgedehnten sowie mit Erwartungen spielenden THE WAILING ist Na Hong-jins HOPE weniger konzentriert, weniger kompromisslos, aber auf andere Art und Weise hemmungslos: ein knallvolles Auf und Ab.
Fazit
In manchen Verfolgungsjagden nervenaufreibend druckvoll, in anderen Szenen so zäh wie das Blut der außerirdischen Fremden. HOPE ist die Antithese zum ruhigen Kleinstadt-Idyll: großspuriges Blockbuster-Kino mit noch größeren Ambitionen, – ausufernd, auslaugend, unrund. Und spätestens mit dem großen Finale dann nur ein ausschweifender Prolog für eine wohl noch größer angestrebte Fortsetzung.
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| Originaltitel | 호프 |
| Kinostart | 15.7.2026 |
| Länge: | 160 minuten |
| Produktionsland | South Korea |
| Genre: | Science Fiction | Mystery | Action |
| Regie | 나홍진 |
| Executive Producer | 홍정인 |
| Producer | 나홍진 | 김새미 | Saerom Kim | 손승현 |
| Kamera | 홍경표 |
| Visual Effects | 김한준 |
| Musik | Michael Abels |
| Cast | 황정민, Zo In-sung, Jung Hoyeon, Alicia Vikander, Michael Fassbender, Taylor Russell, Cameron Britton, 이상희, 음문석, 임현식, 황석정, 한우열, 주광현, 오두원, 유준홍, Seo Beom-sik, 백승철, 조지훈, 권중, 김기천 |
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