ZOEY & BEN eröffnet die 60. Hofer Filmtage
Vielem kann man auf den diesjährigen Hofer Filmtagen beim Wachsen zusehen: Den Filmtagen selbst, die 2026 ihre 60. Ausgabe feiern und mit über 130 Filmen wieder etliche Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme zu bieten haben. Einer festivaleigenen App, in der Besucher*innen nicht nur durch das Programm swipen, sondern auch Fahrgemeinschaften und Cine-Buddys finden können. Oder auch der Filmbranche im Allgemeinen, deren Entwicklung abseits des Filmprogramms diskutiert, in Form von Anca Miruna Lăcărescus KI-gestützten Kurzfilms CARPE DIEM auch auf der Leinwand gezeigt wird. Vor allem aber der Geschichte rundum ZOEY & BEN, die die Hofer Filmtage am 20.10.2026 in Langfilmform eingeleitet hat.
Zehn Jahre lang hat Alexander Conrads seine zwei titelgebenden Protagonist*innen begleitet, nur etwas mehr als 2 Jahre trennen die deutsche Produktion damit von Linklaters bekanntem Langzeitprojekt BOYHOOD. Wie in diesem stehen auch in ZOEY & BEN das Aufwachsen und Erwachsenwerden eines jungen Menschen (Zoe Lara Löhmann) im Vordergrund, und zugleich die Geschichte eines jungen Vaters (Sebastian Borucki), der plötzlich die volle Verantwortung für seine Tochter übernehmen muss. Die lange Produktionszeit ist dabei sicherlich das außergewöhnlichste Element des Films, der nicht nur mit seiner zusammengestauchten Spielzeit, sondern auch mit seiner braven Inszenierung sehr fernsehfreundlich daherkommt. Alles andere ist unauffällige Coming-of-Age-Kost.

Szenenbild aus Zoey & Ben © 2026, Hofer Filmtage
Zwar entwickeln sich das Handwerk und das Schauspiel über die Jahre hinweg durchaus weiter, die Erzählung als solches gewinnt aber nicht an Tiefe. Vertraute Coming-of-Age-Elemente verflachen wie die Figurenporträts im nüchternen Zeitraffer. Die Einblicke ins Leben von Vater und Tochter bleiben formelhaft, die Figur der Mutter eine durch Drogensucht definierte, oberflächliche Randnotiz. Zwangsabkapselung von einem Elternteil, Alkohol- und Drogenkonsum, toxische Männlichkeit und Emanzipationserfahrungen sind häufig nur Stichworte in einer Geschichte, die mehr Seifenoper-Charakter, als den einer bewegenden Langzeitstudie hat.
Girlhood & Adulthood
Teenagerin Zoey beschwert sich irgendwann zurecht, dass scheinbar jede ihrer Regungen auf die Pubertät geschoben wird. Mit diesen Sorgen kann der Film erstaunlich wenig anfangen. „Hat sie wieder eine ihrer Phasen?“ – „Sie hat die ganze Woche schon eine ihrer Phasen“ kommentiert er durch die erwachsenen Personen halb im Ernst, halb mit einem Augenzwinkern. Das Problem bleibt trotzdem und es zieht sich nicht nur durch eine Szene: Zoeys Perspektive, insbesondere in Kinder- und Jugendjahren, wirkt oft verschlossen, adultistisch geprägt, mit wenig Gespür für Augenhöhe inszeniert.

Szenenbild aus Zoey & Ben © 2026, Hofer Filmtage
In schmucklosen Bildern verstreichen die Jahre angenehm beiläufig und mindestens so harmlos, wie die Erzählung selbst. Die Figuren und ihre wechselseitigen Lebensrealitäten sind konsequent entpolitisiert, weitgehend isoliert von äußeren Entwicklungen (ganz am Rande sieht man die Corona-Zeit vorbeistreifen), kurz: voller Leerstellen, die weder die spröden Dialoge, der Cast noch der Stock-Musik-artige Score ausfüllen können. ZOEY & BEN verzichtet auf Kitsch, bemüht sich um ungekünstelte Nähe zu seinen kleinen und großen Lebensgeschichten, ist aber auch ein Film, dem es abseits des ambitionierten Produktionshintergrunds an eigener Form und Stimmkraft fehlt.
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| Originaltitel | Zoey & Ben |
| Kinostart | 20.10.2026 |
| Länge: | 94 minuten |
| Produktionsland | |
| Genre: | Drama |
| Regie | Alexander Conrads |
| Kamera | Stefan Wagner | Dennis Banemann | Fabian Jansen |
| Cast | Zoe Lara Löhmann, Sebastian Borucki, Martin Plass, Nina Alena Ruhz, Luzian Gupta, Franziska Breite, Anja S. Gläser |
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![Plakat der 60. Hofer Filmtage: Im Mittelpunkt steht eine stilisierte Person mit kurzen, roten Haaren und ohne erkennbare Gesichtszüge. Sie trägt eine helle Jacke mit Muster, eine Perlenkette und ein schwarzes T-Shirt mit der weißen Zahl '60'. In der rechten Hand hält sie eine Filmkamera, in der linken eine Filmrolle. Der Hintergrund ist rosa und mit weißen, geometrischen Linienzeichnungen von Filmtechnik, Gebäuden und Symbolen gestaltet. [erstellt mit KI]](https://riecks-filmkritiken.de/wp-content/uploads/2026/10/Internationale-Hofer-Filmtage-60-Plakat-A1_Final.webp)
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