Review Fakten + Credits


Darum geht es

Im jungen Erwachsenenalter erinnert sich Sophie an einen zurückliegenden Urlaub. Ende der 1990er Jahre hatte sie mit ihrem Vater Calum eine Woche an der türkischen Riviera verbracht. Ihre Erinnerungen an die sonnigen und freudigen Ferienerlebnisse werden von der Gegenwart und dem Gemütszustand ihres Vaters aufgebrochen.

 

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Rezension

Camcorder-Aufnahmen und Blicke in die Vergangenheit vermischen sich in Charlotte Wells durch alte Familienfotos inspirierten Regiedebüt zu einem ausschnitthaften Vater-Tochter-Porträt. Ein einwöchiger Aufenthalt in der Türkei dient in sonniger, vermeintlich unbeschwerter Urlaubsroutine der Erkundung beider Hauptfiguren, ohne diese zu vollauf zu entschlüsseln. Sophies Kindheitsperspektive, nur hin und wieder angereichert mit Erfahrungen, dem Kenntnisstand der erwachsenen Version und Ahnungen über ihren jungen Wissenshorizont hinaus, erklärt dabei die umrissartig bleibenden Eindrücke der Vaterfigur.

Aftersun Filmstill

Aftersun ©2022 Sarah Makharine | Mubi

Explizite Erklärungen und Hintergründe gibt es kaum, nur aufschlussreiche Hinweise, die sich in den Bildern und der greifbaren Vater-Tochter-Dynamik verbergen: in ihrer Präsenz im Raum, der Getrennt- und Verbundenheit der Figuren, die unmittelbare Verknüpfung der Geschichte mit der Gegenwart. In der Wortkargheit und den Bewegungen und Regungen, die die Zustände des Vaters mal aus Kinderaugen, mal mit den Augen eines Fremden beobachten lassen. Auch auf eine große Erzählung wird verzichtet. Viel mehr reihen sich verschiedenste Episoden des Aufenthaltes slice-of-life-artig aneinander, die in ihrer Schlicht- und Unaufgeregtheit, durchaus Geduld erfordern, aber spätestens zum Ende in einem eindrucksvollen Höhepunkt münden.




Fragile Familienaufnahmen

Grenzen zwischen Dokumentation und Erinnerungen austastend bewegt sich AFTERSUN in einem verschwimmenden Zustand von Tatsachen und Andeutungen. Darin vermengen sich oberflächliche Urlaubs-Bekanntschaften mit ersten romantischen Erfahrungen, gemeinsame Ausflüge mit der wiederkehrenden Zurückgezogenheit des Vaters. Ein zaghaftes Spannungsverhältnis (prä-)pubertärer Auffassungen und zerbrechlicher, väterlicher Fürsorge, die vom schwer deutbaren inneren Kampf der männlichen Hauptfigur eingeholt wird. Wie die gelegentlich Postkarten-Motiven nachhängenden Bilder von Gregory Oke, in denen die Tiefe der Figuren nur vage herausgearbeitet wird.

Aftersun Filmstill

Aftersun ©2022 Sarah Makharine | Mubi

Wenn im Blitzlichtgewitter gegen Ende die Erinnerungen und Zeitebenen kollidieren und eine Verarbeitung Queens „Under Pressure“ ein musikalisches Ausrufezeichen setzt, erreicht AFTERSUN eine wirkungsvolle Zuspitzung, die alles an Kraft herauszuholen versucht, was das scheinbare Idyll zuvor verschluckte. Paul Mescals und Frankie Corios Chemie, die sich in unterschiedlichsten Lektionen der Charaktere, auf Augenhöhe beider Figuren und ohne ausführliche oder tiefgreifende Dialoge entwickelt hat, geht auf und lässt eine bittere Schlussnote wirken.

Fazitstilisierter Zelluloidfilm mit roter Ziffer "7"

Unaufgeregt schürft AFTERSUN in lang zurückliegenden Urlauberlebnissen an seinen authentisch dargestellten Hauptfiguren. Aus subjektiver Perspektive entfaltet sich eine ruhige, selten dramatisch verfremdete Erzählung über eine Vater-Tochter-Beziehung. Oft in Andeutungen erzählter Debütfilm mit leise tragischen Urlaubsaufnahmen.

 

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