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Review Fakten + Credits


Die Spionin

Die Spionin ©2022 capelight pictures

Dass das Medium Film eine wichtige Rolle zur Zeit des Nationalsozialismus spielte, ist unlängst bekannt. Die Propagandamaschinerie, unter dem wachsamen Auge des Reichspropagandaleiters Joseph Goebbels, zeigte sich für unzählige indoktrinierende Unterhaltungsfilme verantwortlich, die die Menschen gezielt manipulieren und mobilisieren sollten. Auch abseits der großen Kinoleinwände war es den nationalsozialistischen Führungspersönlichkeiten ein großes Anliegen, sich mit prominenten Schauspieler*innen in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Wenn man nur tief genug gräbt, stößt man auf unterschiedlichste Sternchen der Filmwelt, die sich während des Dritten Reichs von Adolf Hitler und dessen Vertrauten instrumentalisieren ließen. Ob dies aus Angst oder freiem Willen und echter Sympathie gegenüber der Ideologie geschah, war in den meisten Fällen nicht auf Anhieb ersichtlich. Die wahren Beweggründe kamen oft erst viele Jahre später zum Vorschein.

So zog die norwegische Schauspielerin Sonja Wigert für die öffentliche Nähe zur deutschen NS-Bewegung lange Zeit den Unmut ihrer Landsleute auf sich, ehe ihre verborgene Tätigkeit als Spionin später publik wurde. Erst im Jahr 2005 kamen die ganzen Details über ihre verdeckte Arbeit als Doppelagentin ans Tageslicht. Im Auftrag des schwedischen Geheimdienstes bespitzelte die junge Schauspielerin unter anderem den fürs besetzte Norwegen zuständigen Reichskommissar Josef Terboven aus und versorgte den Widerstand mit wichtigen Informationen aus den Reihen der deutschen Besatzungsmacht. Unter der Regie des schwedischen Filmemachers Jens Jonsson bekommt Wigerts Schaffen nun ein spätes Denkmal gesetzt. DIE SPIONIN begleitet ihren Werdegang von Skandinaviens beliebtester Schauspielerin zur Geheimagentin und gewährt dabei interessante Einblicke in eines der schrecklichsten Kapitel der Menschheitsgeschichte.

Darum geht es…

1942: Norwegen befindet sich unter der feindlichen Besatzung der deutschen NS-Truppen. Dies war weder die Zeit noch der Ort für eine glamouröse Karriere als Schauspielerin. Das musste auch die beliebte Darstellerin Sonja Wigert (Ingrid Bolsø Berdal) feststellen, als sie das Interesse der deutschen Besatzungsmacht auf sich zog. Nachdem sie ein Treffen mit dem Reichspropagandaleiter Joseph Goebbels (Stefan Sattler) ablehnt, wird ihr kranker Vater nur wenig später verhaftet und weggesperrt. Um eine schnellstmögliche Befreiung zu erreichen, kooperiert Sonja mit dem schwedischen Geheimdienst und begibt sich als Spionin in die Reihen der NS. Als Reichskommissar Josef Terboven (Alexander Scheer) mehr in ihr als nur ein medienwirksames Propagandamittel zu sehen scheint, lässt sich Sonja auf eine gefährliche Affäre mit ihm ein, um an wichtige Informationen zu gelangen – ohne das Wissen Ihres Geliebten, dem ungarischen Diplomaten Andor Gellert (Damien Chapelle). Dies ist der Anfang einer waghalsigen Mission mit ungewissem Ausgang…

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Rezension

Wenn das Schwarzweiß der Anfangssequenz, die immer wieder mit echten Videoaufnahmen aus der NS-Zeit versetzt ist, sich langsam mit satten Farben füllt und eine männliche Stimme aus dem Off, die für den Film grundlegenden Informationen liefert, ist dies der Auftakt eines grundsoliden inszenierten Historienfilms, wie man ihn sonst eher von deutschen Filmproduktionen erwarten würde. Bei DIE SPIONIN handelt es sich jedoch nicht um ein weiteres Nazi-Drama Made in Germany, sondern eine norwegische Produktion. Der historische Spionagefilm wirkt, dank der authentischen Ausstattung, den überzeugenden Kostümen und den zeitgemäßen Frisuren dem Genre entsprechend stets wertig produziert und kann darüber hinaus vor allem mit seiner starken Hauptdarstellerin glänzen. Ingrid Bolsø Berdal wandelt spielerisch zwischen routiniert agierendem Filmstar, verführerischer Femme fatale und verunsicherter Frau, die sichtlich überfordert mit ihrem doppelten Spiel ist und eigentlich nichts anderes will, als ihren Vater wieder in die Arme zu schließen. Die für ihre Rolle in der HBO-Serie WESTWORLD bekannte Norwegerin füllt ihre komplexe Rolle mit einer breitgefächerten Performance aus und ist maßgeblich für das Gelingen des Dramas verantwortlich.

Die Spionin

Die Spionin ©2022 capelight pictures

Für Freunde des deutschen Films und Fernsehens bietet DIE SPIONIN ein Wiedersehen mit vielen bekannten Gesichtern. Mit Jakob Diehl (DARK), Alexander Scheer (SLØBORN) und Julius Feldmeier (BABYLON BERLIN) – um nur ein paar Namen zu nennen – erweitert sich der internationale Cast rund um Ingrid Bolsø Berdal um diverse deutsche Darsteller. So wird neben Englisch, Norwegisch und Schwedisch auch immer wieder Deutsch gesprochen, was dem Spionagedrama ein authentisches Gefühl verleiht. Das Drehbuch aus der Feder von Harald Rosenløw-Eeg und Iselin Theien vermischt geschickt zeitgeschichtliche Hintergründe mit Motiven des Spionagefilms und erzählt nebenbei noch eine intime Liebesgeschichte. Auch wenn sich die nicht immer glaubwürdig erzählte Romanze von Sonja Wigert und Andor Gellert lange Zeit wie ein Fremdkörper anfühlt und die eigentliche Geschichte stellenweise etwas ausbremst, erfüllt sie letztlich doch ihren Zweck. Grundsätzlich sollte man keinen Agententhriller im Stil eines MISSION IMPOSSIBLE oder ähnlichen Genrevertretern erwarten – DIE SPIONIN wird in einem gemächlichen Tempo eher ruhig erzählt und verzichtet dabei vollständig auf Action.

Fazit

Basierend auf der wahren Geschichte des norwegischen Filmstars Sonja Wigert, die zur Zeit der deutschen Besatzung Norwegens im 2. Weltkrieg als Doppelagentin für den norwegischen Geheimdienst arbeitete, bietet DIE SPIONIN neben aufschlussreichen historischen Fakten auch allerhand Schauwert. Der gemächliche Spionage-Plot ist mit den überzeugenden Kostümen und der aufwendigen Ausstattung stets kompetent in Szene gesetzt, doch lebt vor allem von der starken und vielschichtigen Darstellerleistung Ingrid Bolsø Berdals. Ein grundsolides Historiendrama!

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