Review Fakten + Credits


Rezension

Der Meta-Ebene des Films im Film, der sich im europäischen Kino der letzten Jahre schon Quentin Dupieux, Víctor Erice und Mia Hansen-Løve angenommen haben, hat Pedro Almodóvars 24. Langspielfilm kaum etwas neues hinzuzufügen. In BITTERES FEST verschachtelt er zwei Handlungsstränge, einen um Elsa (Bárbara Lennie), eine Werberegisseurin, die den Tod ihrer Mutter durch ihre Arbeit verdrängt, und einen um Raúl (Leonardo Sbaraglia), einem Regisseur in der Krise, der Elsas Geschichte entwickelt und inszenieren möchte. Almodóvar lässt die Handlungsstränge zwar auch untereinander kommunizieren, sein neuster Film ist aber vor allem eines: im Dauergespräch mit sich und dem Kunstschaffen selbst.

Aus datenschutzrechtlichen Gründen benötigt YouTube Ihre Einwilligung um geladen zu werden. Mehr Informationen finden Sie unter Datenschutzerklärung.

Anders als bei seinem letzten Film mit Alter Ego stellt Almodóvar keinen Teil seiner eigenen Biografie, sondern das Geschichtenerzählen selbst und dessen ambivalente Beziehung zur Realität in den Vordergrund. Sein selbstkritisches aber kontrolliertes Spiel mit dem doppelten Boden windet sich pflichtbewusst um Leben und Schaffensprozesse seiner Protagonist*innen, hat aber längst an Leichtigkeit seines eigensinniges Frühwerks verloren. Auf seine Art und Weise ist BITTERES FEST immer noch exzentrisch, in seinen dialogreichen Meta-Betrachtungen aber ebenso schlauchend.

Statt letzteren neue Erkenntnisse zu entlocken, baut Almodóvar auf bewährte Stilelemente und Charakterzeichnungen. Die kräftigen Farben unterlaufen ein weiteres Mal die Schwere mancher Schicksalsschläge, und bleiben ausdrucksstark, wo viele der Kulissen äußerst steril wirken. Bárbara Lennie, Aitana Sánchez-Gijón (PARALLELE MÜTTER) und Milena Smit (THE PLATFORM 2) spielen ihre Rollen nuanciert und präzise, bleiben aber distanziert. Die Konflikte ihrer Figuren drehen sich um Verlust(ängste), Phasen der Trauer und Familiensysteme auf Probe, sind aber längst nicht so zentral wie die andauernde männliche Selbstreflexion und -inszenierung.

Szenenbild aus Bitteres Fest: Zwei Personen sitzen sich an einem großen Holzschreibtisch gegenüber. Die Frau trägt eine senfgelbe Bluse und einen dunklen Rock, der Mann ein hellgraues Hemd. Der Schreibtisch ist mit Papieren, einem goldfarbenen Dekorobjekt, einer Lampe und einem Laptop ausgestattet. Im Hintergrund stehen Bücherregale mit roten Rahmen, die mit Büchern und Dekorationsgegenständen gefüllt sind. Rechts hinter dem Mann ist eine Wand mit hellen Ziegeln, links eine große, abstrakte Zeichnung. [erstellt mit KI]

Bitteres Fest ©2026 El Deseo | Iglesias Más

Es sei der Film, in dem er am grausamsten mit sich selbst umgegangen ist¹, sagt Almodóvar über BITTERES FEST. Und doch wirken viele seiner vorherigen Filme kompromissloser, näher, vor allem aber einprägsamer. Nach etwa dreißig Minuten setzt Amaia Romero zu einer fesselnden Gesangsszene an, die in ihrer entschlackten, aufs Wesentliche konzentrierten Inszenierung und mit dem universellen Inhalt wohl am längsten nachhallt. Die Überlegungen um Inspiration und Imitation, Konstruktion und Dekonstruktion hingegen sind wie die gelegentliche Selbstverliebtheit des europäischen Autorenkinos schnell ermüdend.

Fazit

Die Farben sprießen immer noch, alles andere wirkt deutlich gezügelter, schwungloser. Eine weitere Auseinandersetzung Almodóvars mit Schaffen, Verlusten und seinem eigenen Vermächtnis als Filmemacher, das mit BITTER CHRISTMAS keinen neuen Höhepunkt setzt. Ein selbstreflexives, egozentrisches Spätwerk.

1https://www.latimes.com/entertainment-arts/awards/story/2026-05-11/cannes-pedro-almodovar-bitter-christmas-sony-pictures-classics-oscars?utm_source=chatgpt.com

Daten zur Veröffentlichung
BITTERES FEST erscheint am 29.10.2026 auf DVD und Bluray im Heimkino. Neben dem Hauptfilm ist eine überschaubare Anzahl an Extras enthalten: Im Making-of „Die Schauspieler“ kommen Haupt- und Nebendarsteller*innen zu Wort, die allen voran die Arbeit mit Almodóvar reflektieren, das deutlich kürzere Making-of „Die Techniker“ gibt einen kurzen Einblick ins Produktionsdesign. Die jeweils nur wenige Minuten dauernden Behind the Scenes werfen einen kurzen Blick auf den Dreh der Striptease-Szene sowie der „Fiesta“.

Wie hat Dir der Film gefallen?
(Bisher gibt es keine User-Bewertung zu diesem Film)


Review Fakten + Credits


Originaltitel Amarga Navidad
Kinostart 20.3.2026
Länge: 111 minuten
Produktionsland Spain
Genre: Drama | Komödie
Regie Pedro Almodóvar
Executive Producer Esther García
Producer Agustín Almodóvar
Kamera Pau Esteve Birba
Visual Effects Oihane Abrisqueta Diaz | Eduardo Díaz | Guillermo Orbe
Musik Alberto Iglesias
Cast Bárbara Lennie, Leonardo Sbaraglia, Aitana Sánchez-Gijón, Victoria Luengo, Patrick Criado, Milena Smit, Quim Gutiérrez, Rossy de Palma, Carmen Machi, Diogo Belizario, Tusti de las Heras, Gloria Muñoz, Antonio Romero, María Morales, Amaia Romero, Belén Riquelme, Miguel Ángel Gorbe, Aitana Batres, Luis Jaspe, Nieves Álvarez

Wie hat Dir der Film gefallen?
(Bisher gibt es keine User-Bewertung zu diesem Film)