Hofer Filmtage – Kurzkritiken III
Kurze Schlaglichter auf die Festivaltitel SPYING STARS und PORKATAL
Alle aufgeführten Titel sind im Online-Programm der Hofer Filmtage noch bis zum 01.11.2026 abrufbar.
Srilankischer Slow Sci-Fi – „Spying Stars“
Indien, Frankreich, Sri Lanka | 99 Minuten | von Vimukthi Jayasundaras | mit Indira Tiwari, Dileepa Abeysekera, Upali Amarasinghe, Sadhuni Bhagya, Hidaayath Hazeer, Kaushalya Fernando

Filmstill aus Spying Stars © 2026, Hofer Filmtage
Vor den wachsamen Augen einer Schildkröte und mit eben jener Gelassenheit entfaltet Vimukthi Jayasundaras seine existentialistische Zukunftsvision. Dort, in dem abgeschotteten Bergressort, wo sich die zurückgenommene Protagonistin (Indira Tiwari) nach ihrer Rückkehr aus dem All in Quarantäne aufhalten muss, verhallen die Echos einer durchtechnisierten Welt. Mit wenigen, aber gezielten Effekten und umso eindrucksvoller Natursprache entwickelt sich eine dichte Atmosphäre, die das dezente Worldbuilding wirkungsvoll ausgestaltet.
In der Ferne wartet Gespenstisches, vielleicht Apokalyptisches, SPYING STARS aber hält sich konsequent vom Spektakel fern, kreist um die inneren und äußeren Zustände seiner Figuren (ebenfalls nuanciert: Dileepa Abeysekera, Upali Amarasinghe, Sadhuni Bhagya), um Einsamkeit, Verluste und das Leben am Rand der Gesellschaft. Jayasundara lauscht den wenigen Worten, die die Figuren wechseln, der rohen Geräuschkulisse, die wie die komplentativen Naturaufnahmen von Eeshit Narain die unmittelbare Verbindung zur Natur suchen: Einen Weg zurück zum Ursprünglichen, spirituell und manchmal auch etwas dick aufgetragen. Doch die geerdeten, meditativen Momente überwiegen einen hypnotisierend untermalten, schleichend an Sogkraft gewinnenden Genrefilm.
Schiffe versenken – „Porkatal“
Türkei, Frankreich | 16 Minuten | von Sis Gürdal | mit Musab Yılmaz, Naz Göktan, Nur Pera Abuç, Merdan Karatas
![Zwei Kinder stehen mit dem Rücken zur Kamera am Ufer eines Flusses. Mehrere schräg wachsende Baumstämme rahmen den Vordergrund. Das Wasser wirkt ruhig, der Boden ist trocken und mit braunen Nadeln oder Laub bedeckt. Die Kinder tragen helle, legere Kleidung. [erstellt mit KI]](https://riecks-filmkritiken.de/wp-content/uploads/2026/11/PORKATAL-Still-2-1400x901.webp)
Filmstill aus Porkatal © 2026, Hofer Filmtage
Als er sechs Jahre wird, muss Engin (Musab Yılmaz) seine Mutter (Naz Göktan) verlassen, die in einem türkischen Frauengefängnis sitzt, und zu seinen Verwandten in ein Küstendorf ziehen. Die Gitterstäbe des Gefängnisses tauschen mit unsichtbaren Gittern, die Willen und Freiheit des Jungen begrenzen. In Form einer Lebenswelt, die ihm fremd ist und ein patriarchal geprägtes Rollenbild abverlangt, in Form von Jungen, die ihm beim Fußballspielen ausgrenzen, in Form der scheinbar unüberbrückbaren Distanz, die zwischen ihm und seiner Mutter liegen.
Sis Gürdal erzählt die sechzehnminütige Coming-of-Age-Geschichte in schön komponierten Bildern, nähert sich dem Jungen, der nach seinem Platz in der Welt sucht, unaufgeregt an. Ihm und den kleinen Momenten, die einen Ausbruch aus dem unsichtbaren Gefängnis versprechen, – eine Schwimmstunde oder die Begegnungen mit der jungen Nergis. Beinah beiläufig blättern die Facetten der filmischen Miniatur auf, vertiefen die geradlinige Erzählung ohne sich von der Perspektive des jungen Protagonisten abzuwenden. Sensibel gespielt, poetisch fotografiert und von einer bittersüßen Schlussnote abgerundet.
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