Die Brüder Pedro (Ezequiel Rodríguez) und Jimi (Demián Salomón) leben in einem abgelegenen und eigentlich friedlichen Dorf in Argentinien. Doch alles ändert sich, als die Brüder nachts Schüsse hören und am Morgen danach eine zerfetzte Leiche eines Exorzisten finden. Der Grund ist der besessene Uriel (Pablo Galarza), welcher der älteste Sohn von María Elena (Isabel Quinteros) ist. Diese leben in einer Hütte auf dem Grundstück vom Landbesitzer Ruiz (Luis Ziembrowski), welcher Angst vor einer dämonischen Seuche hat und den Besessenen mithilfe von Pedro sowie Jimi weit wegschaffen will. Als der eiternde Uriel beim Transport plötzlich verschwindet, ist eines klar: die drei Männer haben alles schlimmer gemacht, als es bisher war!
Rezension
Horrorfilme stellen ihre Fans mit Jumpscare-Filmen nach Schema F wie THE NUN 2 oder optische Spektakel mit inhaltlichen Enttäuschungen wie WOLF MAN zu gern auf eine Geduldsprobe. Konsequente Schocker bleiben dabei oft neben der Spur oder müssen neben dem Hollywood-Mainstream erst gefunden werden. Der argentinische Regisseur Demián Rugna lieferte bereits mit TERRIFIED einen Mix aus Geisterbahn-Horror, Exorzismus sowie konsequenten Entwicklungen in der Handlung ab und will das mit WHEN EVIL LURKS konsequent verbessert ausbauen.
Gelebte Weiterentwicklung
Demián Rugnas TERRIFIED war zwar bereits ein solider Horrorfilm, wirkte aber in vielen Momenten zu digital und CGI-lastig. WHEN EVIL LURKS ist dabei die logische Weiterentwicklung. Die praktischen Effekte wie zerstückelte Leichen, das Blut und die Gedärme sehen großartig und täuschend echt aus. Das sorgt beim Publikum nicht nur für eine schaurige Atmosphäre, sondern auch für Ekel und bei zart besaiteten Menschen für Übelkeit. Gerade, wenn diese erstmals den besessenen, vereiterten und verrotteten Uriel mit seinen Geschwülsten erblicken zeigt sich, dass WHEN EVIL LURKS kein Film ist, welcher sich als Programm zum Essen anbietet.

When Evil Lurks ©2025 Dropout Cinema
Die Brutalität profitiert besonders von den Effekten, denn WHEN EVIL LURKS ist konsequent und erschrickt die an Hollywood-Horror gewöhnten Zuschauenden mit seiner expliziten Darstellung. Regisseur Demián Rugna achtet auf genug Kreativität, um die Brutalität nicht repetitiv, aber dennoch bodenständig wirken zu lassen. Das erzeugt eine unbehagliche Atmosphäre, die aber auf eine unterhaltsame Art wie eine süchtig machende Droge in den Bann zieht und den Rezipienten im richtigen Moment ein „Oh mein Gott!“ hervorlocken kann.
Der Kampf gegen die Zeit
Diese Atmosphäre ganze 99 Minuten zu halten ist eine Herausforderung, welche erstmal gemeistert werden will. Und so ganz gelingt es WHEN EVIL LURKS auch nicht, was nicht zuletzt am durchschnittlichen Drehbuch liegt. Dieses kann zwar im ersten Akt durch den Verzicht auf ein limitiertes Setting oder Exorzisten begeistern und schafft eine Message zur Sorge der Bauern über den Einsatz neuer Pestizide, aber sabotiert sich fortlaufend selbst. Zu sehr wird Klischees aus Hollywood gefolgt, was das Publikum schon müde belächelt. Gerade, wenn zur Hälfte der Handlung die heiß erwartete Exposition-Person auftaucht.

When Evil Lurks ©2025 Dropout Cinema
Zudem setzt sich die Unvorhersehbarkeit der Brutalität von WHEN EVIL LURKS in der Handlung fort, was die Zuschauenden letztlich nur verwirrt. Der Verzicht der Exorzisten wird revidiert, was vielleicht daran liegt, dass Regisseur Demián Rugna sich selbst und seinen Film TERRIFIED zitieren will. Und auch die Ausbreitung der dämonischen Seuche findet in einer unverständlichen Geschwindigkeit statt. In einem Moment betrifft es nur den näheren Bekanntenkreis der Protagonisten, im nächsten Moment leidet die ganze Stadt. All das nur, damit der Film in einem Finale endet, welches die ganze Handlung über Bord wirft und in Nachbesprechungen für die meiste Diskussion sorgen wird.
Stigma trifft Zeitgeist
WHEN EVIL LURKS sucht in manchen Punkten den Abstand zu Hollywood, aber wenn es um Klischees und Stigmatisierung geht, sucht der Film die Nähe der Traumfabrik umso mehr. Denn bei Jair (Emilio Vodanovich) – Pedros Sohn – handelt es sich um einen Autisten, bei dem natürlich kein klischeebeladener Punkt ausgelassen werden darf. Zudem werden Autisten und psychisch Erkrankte vom Film als besonders anfällig für dämonische Besessenheit bezeichnet, da diese ja schwach sein. Dieser privilegierte Blick von oben herab nervt nicht nur, sondern sollte im Jahr 2023 – vor zwei Jahren hatte der Film in Toronto seine Premiere – auch nicht mehr zeitgemäß sein.

When Evil Lurks ©2025 Dropout Cinema
Hinzu kommt ein eher konservativer Blick auf den Unterschied von Stadt und Dorf. Selbstredend können die Lebensweisen in beiden Orten nicht unterschiedlicher sein, doch beides hat seine Vor- und Nachteile. Nicht aber nach WHEN EVIL LURKS. Denn wenn es nach dem Film geht, handelt es sich bei den Landwirten und Bewohnenden von Dörfern um echte arbeitende Menschen, welche vom bequemen und weltfremden Lebensstil der Städter angewidert sind. Diese Betrachtung wird nicht als Kritik an Spaltung der Gesellschaft inszeniert, wodurch Zuschauende dem Regisseur eigene spalterische Tendenzen unterstellen können. Denn die Kritik an Pestiziden in allen Ehren, aber die breite Masse der Bewohnenden von Städten hat selbst keinen Einfluss über den Einsatz dieser.
Fazit
WHEN EVIL LURKS ist eine konsequente Weiterentwicklung des Regisseurs Demián Rugna gegenüber seinen Film TERRIFIED und schafft es auch zeitgleich, sich durch seine Bilder gegenüber Horrorfilmen aus Hollywood abzugrenzen. Allein das macht den Film zu einer Empfehlung für Fans des Genres, wobei es dennoch Abstriche zu machen gilt. Denn das Drehbuch ist nicht das Stärkste und überlädt sich gerade im finalen Akt, wodurch die Zuschauenden aus der Trance der Begeisterung herausgerissen werden. Hinzu existiert die Stigmatisierung von Autisten. Selbst Hollywood hat das mit dem 2016er Film THE ACCOUNTANT besser hinbekommen.
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Originaltitel | Cuando acecha la maldad |
Kinostart | 5.10.2023 |
Länge: | 99 minuten |
Produktionsland | Argentina |
Genre: | Horror | Thriller |
Regie | Demián Rugna |
Executive Producer | Emily Gotto | Roxana Ramos | Samuel Zimmerman | Fernando Díaz |
Producer | Fernando Díaz | Roxana Ramos |
Kamera | Mariano Suárez |
Cast | Ezequiel Rodríguez, Demián Salomón, Silvina Sabater, Luis Ziembrowski, Marcelo Michinaux, Emilio Vodanovich, Virginia Garófalo, Paula Rubinsztein, Lucrecia Niron Talazac, Isabel Quinteros, Desirée Salgueiro, Federico Liss, Ricardo Velázquez, Jorge Prado, Diego Sampayo, Pedro Larrabide, Cleo Díaz, Agostina Aguilera, Julián César López, Maria Celina Carbajal |
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