Review Fakten + Credits


Assassin Club Filmstill

Assassin Club ©2023 Paramount Home Entertainment

Das Action-Kino hat sich in den letzten Jahrzehnten drastisch verändert. Als in den 1980er Jahren Filme wie TERMINATOR oder RAMBO – FIRST BLOOD in die Kinos kamen, lag der Fokus auf starken Actionhelden. Darsteller wie Arnold Schwarzenegger oder Sylvester Stallone wurden zu Helden stilisiert. Im Laufe der Jahre wurde die Action immer stärker von Science-Fiction und Superhelden geprägt. Doch auch die Glanzzeiten der Helden scheinen sich ihrem Ende entgegenzubewegen. Filme wie THE FLASH, ANT-MAN AND THE WASP: QUANTUMANIA oder BLACK ADAM zeigen anhand ihrer Einspielergebnisse, dass die Zuschauer*innen langsam satt sind. Stattdessen sehnt sich das Publikum nach bodenständigen Geschichten und handgemachter Action. Filme wie TOP GUN: MAVERICK oder die JOHN WICK-Reihe locken Menschen in die Kinos. Nun hat auch der französische Regisseur Camille Dalamarre (TRANSPORTER 2, LAST CALL) mit ASSASSIN CLUB einen Film inszeniert, der in eine ähnliche Kerbe schlägt.

Darum geht es…

Morgan (Henry Golding) ist ein Auftragskiller. Er hat nur eine Regel: Er tötet nur Leute, die es verdient haben – Verbrecher, Vergewaltiger, Mörder. Doch der Tag scheint gekommen zu sein, an dem er seinem blutigen Handwerk den Rücken kehren will. Sein Ziel ist es, ein ruhiges Leben mit seiner Freundin Sophie (Daniela Melchior) zu führen. Leider kommt es anders als gedacht. Sein Auftraggeber Caldwell (Sam Neill) unterbreitet ihm ein Angebot, das er nur schwer ablehnen kann. Morgan und sechs andere der berüchtigtsten Auftragskiller der Welt wurden zu einem Spiel eingeladen. Sie sollen sich gegenseitig ausschalten, für jede Eliminierung erhalten sie eine Million Dollar. Da Morgan nun selbst zum Ziel geworden ist, bleibt ihm nichts anderes übrig, als an diesem diabolischen Wettbewerb teilzunehmen, um sich selbst und Sophie zu schützen.

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Rezension

Wenn eine Filmreihe wie JOHN WICK solch eine Beliebtheit genießt, ist es nur eine Frage der Zeit, bis Trittbrettfahrer versuchen, die Formel zu kopieren, um ebenfalls ein Stück vom Erfolgskuchen abzubekommen. Ähnliches ist auch bei ASSASSIN CLUB geschehen. Der Film präsentiert eine Welt, in der Auftragskiller in der Unterwelt agieren und von ihren alten Mentoren mit Aufträgen versorgt werden. Die Killer befinden sich in einer Art geheimer Parallelgesellschaft. Kommt euch das bekannt vor? Das große Problem dabei ist, dass ASSASSIN CLUB bei weitem nicht an die Qualitäten eines JOHN WICK heranreicht. Keanu Reeves hat über 20 Jahre Erfahrung mit eigenen Stunts und hat bereits bei THE MATRIX mit Chad Stahelski zusammengearbeitet, der bei JOHN WICK Regie führt. Diese jahrelange gemeinsame Erfahrung lässt sich nicht einfach nachmachen.

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Assassin Club ©2023 Paramount Home Entertainment

Dennoch versucht Camille Delamarre mit allen Mitteln, das große Vorbild zu kopieren. Auch ASSASSIN CLUB setzt stark auf Neonlichter und bestimmte Farbgebung in der Beleuchtung. Wo andere Filme jedoch subtil mit diesen Stilmitteln umgehen, verfolgt Delamarre das Motto „Viel hilft viel“. Wenn es bedrohlich wird, werden alle Farbregler auf Rot gedreht. Wenn Morgan sich in einem kühlen Badezimmer befindet, werden alle Farbregler auf Blau gedreht. Besonders deutlich wird der missglückte Versuch der Kopie in den Actionszenen des Films. Während gute Regisseure die Kamera in Actionszenen ruhig halten, um den Zuschauern trotz des Chaos einen klaren Überblick zu ermöglichen, wird in ASSASSIN CLUB so viel geschnitten, dass es schwer ist, dem Geschehen zu folgen. Zudem setzt der Film auf eine dynamische Kameraarbeit, bei der die Kamera ständig in Bewegung ist, was die Unübersichtlichkeit noch verstärkt. Generell zieht sich eine sehr unruhige Inszenierung durch den gesamten Film.

Gut besetzt, schlecht umgesetzt.

Was die Darsteller*innen betrifft, so ist ASSASSIN CLUB immerhin gut besetzt. Henry Golding hat vor allem in CRAZY RICH ASIANS gezeigt, dass er ein charmanter Darsteller ist. Neben ihm sehen wir Sam Neill, ein Schauspielurgestein, Noomi Rapace als Gegenspielerin und Daniela Melchior, die sich als Ratcatcher 2 in James Gunns THE SUICIDE SQUAD einen Namen gemacht hat. Obwohl alle Darsteller*innen Erfahrung mitbringen, wurden sie hier fehlbesetzt. Henry Golding ist ein perfekter Darsteller für romantische Komödien, hat jedoch bereits in SNAKE EYES: G.I. JOE ORIGINS gezeigt, dass Action-Rollen nicht seine Stärke sind. In ernsten Szenen strahlt er keinerlei Bedrohlichkeit aus. Er bleibt während des gesamten Films ein sympathischer Strahlemann, der nicht zur Figur passt. Daniela Melchior und Sam Neill leisten solide Arbeit mit dem begrenzten Material, das ihnen das Drehbuch bietet. Noomi Rapace allerdings macht ihre Figur zu einer völligen Lachnummer, mit einem Akzent, der nicht eindeutig zuzuordnen ist.

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Assassin Club ©2023 Paramount Home Entertainment

Wenn wenigstens die Handlung noch interessant wäre, doch auch hier bedient sich Camille Delamarre großzügig bei schon bekannten Filmen. Nichts an der Geschichte fühlt sich originell an, alles folgt bereits bekannten Schemata. Man weiß schon direkt zu Beginn, wie ASSASSIN CLUB enden wird. Viel eher fragt man sich, was das Ganze soll. Wenn jemand die Auftragskiller*innen ausschalten möchte, warum dann einen Umweg über ein solches Spiel gehen? Zumal die Identitäten der Killer*innen ja bekannt sein müssen, wie sollen sie sonst eingeladen werden, bzw. wie soll man sonst sicherstellen, ob ein richtiges Ziel ausgeschaltet wurde? Der Film will sich als coole Killer Story verstehen und damit in die Fußstapfen von KILL BILL oder JOHN WICK treten, dabei verhebt sich Regisseur Camille Delamarre allerdings gewaltig.

Fazit:

Es ist von Anfang an offensichtlich, dass Regisseur Camille Delamarre mit seinem Film ASSASSIN CLUB in die großen Fußstapfen von JOHN WICK treten möchte. Allerdings fehlt es dem Regisseur an dem Actionverständnis, das Keanu Reeves und der Regisseur (und ehemalige Stuntman) Chad Stahelski mitbringen. Anstatt einen geradlinigen Action-Thriller zu präsentieren, bekommen wir mit ASSASSIN CLUB einen chaotischen Versuch einer Kopie. Henry Golding ist in der Hauptrolle völlig fehlbesetzt, genauso wie seine Gegenspielerin Noomi Rapace. Das inhaltliche Chaos versucht Delamarre mit übertriebener Farbgebung, vielen Schnitten und Kamerazooms zu kaschieren. Das Ergebnis ist dadurch ein unsteter Flickenteppich, der uns völlig emotionslos zurücklässt.

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Review Fakten + Credits


Originaltitel Assassin Club
Kinostart 24.2.2023
Länge: 113 minuten
Produktionsland Italy
Genre: Action | Mystery | Thriller
Regie Camille Delamarre
Producer Ellen S. Wander | Jordan Dykstra | Emanuele Moretti | Todd Lundbohm
Kamera Matthew Chuang
Cast Henry Golding, Noomi Rapace, Daniela Melchior, Jimmy Jean-Louis, Sam Neill, Anastasia Doaga, Claudio Del Falco, Gabriele Mira Rossi, Bruno Bilotta, Sheena Hao, Lorenzo Buran, G-Max, Natalia Shulzhenko, Dafne Renate Broglia, Borut Velesko, Rinat Khismatouline, Giulio Pampiglione, Samata Khalid, Gianluca Bottoni, Alessia Alciati

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